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29.01.2009

07:09 Uhr

Continental-Übernahme

Schaeffler bringt Bosch auf die Palme

Schaeffler steht unter Druck. Der hoch verschuldete Autozulieferer sucht nach einem Ausweg - und soll dem Bund Conti-Anteile angeboten haben. Das stößt in der Branche auf ein sehr geteiltes Echo. Während VW-Chef Winterkorn Schaefflers Idee gut findet, will Rivale Bosch im Zweifel alle Hebel in Bewegung setzen.

Maria-Elisabeth Schaeffler, Gesellschafterin der INA-Holding Schaeffler KG. Foto: dpa Quelle: dpa

Maria-Elisabeth Schaeffler, Gesellschafterin der INA-Holding Schaeffler KG. Foto: dpa

HB BERLIN. Mögliche Staatshilfen für den wegen der Continental Übernahme in Schieflage geratenen Autozulieferer Schaeffler stoßen in der Industrie einem Pressebericht zufolge auf geteiltes Echo. Während Volkswagen ein Rettungspaket unterstütze, wolle Wettbewerber Bosch dagegen vorgehen, schreibt die Wirtschaftszeitung "Automobilwoche". "Wir werden uns an entsprechender Stelle, auch politisch, dagegen aussprechen", sagte ein namentlich nicht genannter Bosch-Manager dem Blatt. Bosch werde die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern bitten, sich gegen eine Staatsbeteiligung an Schaeffler einzusetzen. Offiziell wollte sich Bosch laut "Automobilwoche" zu dem Thema nicht äußern.

Zuvor war bekannt geworden, dass der wegen der Continental-Übernahme hoch verschuldete Autozulieferer Schaeffler in den Verhandlungen mit Bund und Ländern auch für einen direkten Einstieg des Staates geworben haben soll. Schaeffler brachte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa aus Branchenkreisen neben der Anfrage nach Krediten oder Bürgschaften eine Beteiligung des Bundes ins Spiel.

Der unterfränkische Familienkonzern Schaeffler fragte beim Bund an, ob dafür der neue 100-Milliarden-Schutzschirm für die Industrie genutzt werden könne. Über diesen Weg könnte der Bund Conti-Aktien in einer Größenordnung von drei bis vier Mrd. Euro übernehmen. Dies wird bislang von der Bundesregierung strikt abgelehnt. Aus dem Topf soll es nur Kredite und Bürgschaften geben. Auch wurde Schaeffler darauf hingewiesen, dass eine direkte Finanzspritze des Staates wie im Fall Commerzbank an strenge Auflagen gebunden wäre.

Im Gegensatz zu Bosch befürwortet VW-Vorstandschef Martin Winterkorn hingegen einen Rettungsplan für Schaeffler. "Wir haben ein Interesse daran, dass uns Continental und Schaeffler als Lieferanten erhalten bleiben", sagte Winterkorn am Rande der Eröffnung des neuen Porsche-Museums in Stuttgart. Staatshilfen für Wettbewerber lehne der VW-Chef dagegen ab. "Das ist nicht gut für den Wettbewerb, was da passiert", sagte er zu den angekündigten Milliardenhilfen des französischen Staates für Renault und Nissan.

Formell beantragt hat Schaeffler Hilfe im Rahmen des neuen Hilfspakets für Unternehmen noch nicht. "Wir haben noch keine konkreten Anträge", sagte ein Ministeriumssprecher. "Es gibt natürlich immer wieder einmal informelle Anfragen, welche Konditionen am Ende gelten werden."

Für Donnerstag ist ein Spitzentreffen zur Lage von Conti und Schaeffler mit Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sowie mit den Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) und Horst Seehofer (CSU) in Berlin geplant. Die beiden Länderchefs hatten deutlich gemacht, dass sie Kapitalspritzen ablehnen, nötigenfalls aber zu Bürgschaften bereit wären.

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