Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.05.2011

10:58 Uhr

Corporate Governance

Porsche kauft sich frei

VonMartin-W. Buchenau, Mark C. Schneider

Kein Schwabe lässt sich gern Geld aus der Tasche ziehen. Umso bemerkenswerter ist der Erfolg, den drei Vorzugsaktionäre gegenüber der Stuttgarter Porsche Holding erzielt haben.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG Ferdinand Piech (li.) und der Porsche Marken-Vorstand Matthias Müller. Quelle: dpa

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG Ferdinand Piech (li.) und der Porsche Marken-Vorstand Matthias Müller.

StuttgartMit ihrem Vorhaben, einen Sonderprüfer vom Gericht einsetzen zu lassen, um die Rechtmäßigkeit der großzügigen Abfindungen an Porsches ehemalige Unternehmenslenker Wendelin Wiedeking und Holger Härter in Höhe von 71 Millionen Euro untersuchen zu lassen, haben nun drei Vorzugsaktionäre einen Kompromiss erzielt, den Corporate Germany noch nicht gesehen hat: Die Anteilseigner, unter ihnen der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger, haben klug erkannt, dass ihnen eine Einigung mehr bringt als der langjährige und im Zweifel unsichere Rechtsweg bis zum Bundesgerichtshof.

Porsches Stammaktionäre wiederum, die Familien Porsche und Piëch sowie mit zehn Prozent das Emirat Katar, verzichten zwar auf Millionen zu Gunsten aller Vorzugsaktionäre - doch damit haben sie eine unkalkulierbare Hürde auf dem Weg zur Fusion mit Volkswagen elegant beseitigt.
Die Sonderprüfung wäre möglicherweise peinlich vor allem für den Aufsichtsrat geworden, der Wiedekings missglückte und durch mehr als zehn Milliarden Euro an Schulden die Existenz von Porsche bedrohende VW-Übernahme genehmigt hatte. Strenger, früherer Chef der Investmentgesellschaft DWS und selbst Porsche-Kleinaktionär, die Deka Bank sowie der norwegische Pensionsfonds Norges Bank brachten die notwendigen rund ein Prozent des Grundkapitals zusammen und hatten die Sonderprüfung im Sommer vergangenen Jahres beantragt.

Die Familien und Katar öffnen nun die Schatulle, verzichten auf ihre Dividende im Rumpfgeschäftsjahr und stocken die Ausschüttung sogar von 33 auf 76 Millionen Euro auf. Bislang hätten die Kleinaktionäre lediglich die Hälfte der 33 Millionen Euro – also 16,5 Millionen Euro – erhalten. Stattdessen fließen die 76 Millionen Euro voll an die Vorzugsaktionäre.

Möglich ist die Aufstockung, weil die Gläubigerbanken nach Porsches gelungener Kapitalerhöhung um 4,8 Milliarden Euro dem Deal zustimmten. Eigentlich ist die Dividende gedeckelt, damit die Aktionäre nicht ein Unternehmen ausplündern können, das bis zur Kapitalerhöhung hochverschuldet war. Deshalb haben die Vorzugsaktionäre für die vergangenen Jahre nur wenig Dividende erhalten.

Der Sieg der sonst stimmlosen Vorzugsaktionäre hat Gewicht: Strengers Renitenz war zunächst belächelt worden, jetzt hat er für die Kleinaktionäre einen in dieser Form bislang einzigartigen Erfolg in der deutschen Aktionärsgeschichte erzielt. Und Porsche gelobt zudem öffentlich eine bessere Beachtung der Regeln guter Unternehmensführung, Corporate Governance genannt – ein doppelter Erfolg, dessen einziger Schatten ist, dass die Rolle des Aufsichtsrats bei Wiedekings Zockerei wohl nie geklärt werden wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×