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23.02.2016

17:05 Uhr

Covestro-Chef Patrick Thomas

„Der Brexit wäre eine große Dummheit“

VonBert Fröndhoff

Covestro-Chef Patrick Thomas ermahnt die Briten zum Verbleib in der Europäischen Union. Warum er sich keine Sorgen um Chinas Wirtschaft macht, und wie der Kunststoffhersteller aus Leverkusen weiter wachsen will.

Patrick Thomas legte das erste Mal nach der Abspaltung vom Bayer-Konzern einen eigenen Jahresbericht für Covestro vor. Die Zahlen kamen an der Börse gut an. AFP; Files; Francois Guillot

Kunststoffhersteller

Patrick Thomas legte das erste Mal nach der Abspaltung vom Bayer-Konzern einen eigenen Jahresbericht für Covestro vor. Die Zahlen kamen an der Börse gut an.

DüsseldorfVon seinem Büro im Leverkusener Chempark hat Covestro-Chef Patrick Thomas die Welt im Blick. Die Musik im Geschäft des Kunststoffherstellers, der bis August 2015 zur Bayer AG gehörte, spielt in Asien, Amerika und in Deutschland. Derzeit blickt Thomas aber öfter auf das Geschehen in seiner Heimat Großbritannien. Er ist besorgt wegen des drohenden Brexits, dem Austritts des Landes aus der EU.

Thomas warnt seine britischen Landsleute eindringlich: „Der Brexit wäre ein große Dummheit.“ Es wäre ein verheerendes Signal für Europa, die britische Wirtschaft würde dramatisch leiden. „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie die britische Finanzbranche und die verarbeitende Industrie außerhalb von Europa überleben sollte“, sagt er im Interview mit dem Handelsblatt und merkt an: „Die meisten Briten haben noch keine Vorstellung davon, was ein EU-Austritt für das Land und die Wirtschaft wirklich bedeuten würden.“

Der Covestro-Chef erwartet, dass es vor dem Referendum im Juni eine massive Kampagne geben wird, die über „die katastrophalen Folgen aufklären wird“ – und er hofft, dass die Briten dann gegen einen Austritt stimmen werden. Thomas schließt sich den Warnungen der CEOs in Großbritannien an: Am Dienstag wiesen 200 von ihnen in einem offenen Brief auf die Folgen hin: Die Firmen bräuchten uneingeschränkten Zugang zum europäischen Binnenmarkt mit seinen etwa 500 Millionen Menschen, um zu wachsen, zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen, heißt es in dem Brief, der in der „Times“ veröffentlicht wurde.

Keine Sorgen macht Thomas das Geschäft bei Covestro. Am Dienstag legte das Unternehmen zum ersten Mal nach seiner Abspaltung vom Bayer-Konzern einen eigenen Jahresbericht vor – und der kam an der Börse gut an: Um rund drei Prozent legte die Aktie des im MDax notierten Kunststoffhersteller zu.

Ein Grund war die Aussicht auf höhere Dividenden. Für 2015 will Covestro 70 Cent pro Aktie zahlen, was einer Dividendenrendite von 2,6 Prozent entspricht. Doch die Aktionäre sollen weiter belohnt werden, 30 bis 50 Prozent des Gewinns sollen ausgeschüttet werden. Und da Covestro auch mehr Wachstum verspricht, dürften die Dividenden steigen.

Im ersten Jahr der Unabhängigkeit hat sich der Konzern im Vergleich zu anderen Chemieherstellern gut geschlagen. Covestro ist weltweit führend in der Herstellung von Polyurethan, also Schäumen, die in Matratzen oder Autositzen gefüllt werden, und von Polycarbonat, einem Kunststoff, der in Autoscheinwerfern, Sportartikeln oder in der Elektronik eingesetzt wird. Dritter Pfeiler ist die Produktion von Inhaltstoffen für Lacke, Kleber und andere Spezialprodukte, bei Covestro CAS genannt.

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