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08.06.2015

11:39 Uhr

Dämpfer für Chery

Qoros macht Millionenverluste

Die chinesische Autoindustrie muss einen Rückschlag verdauen. Qoros fährt Millionenverluste ein und bremst damit das Ergebnis des Mutterkonzerns Chery aus. Auch ein weiteres Joint-Venture der Chinesen schwächelt.

Der Qoros 3 wurde nach seiner Premiere sehr gelobt, doch bisher verschmähen die Chinesen das Fahrzeug noch. Reuters

Schön, sicher, erfolglos

Der Qoros 3 wurde nach seiner Premiere sehr gelobt, doch bisher verschmähen die Chinesen das Fahrzeug noch.

DüsseldorfDer chinesische Traum, einen weltweit einflussreichen Autokonzern aus der Taufe zu heben, bleibt vorerst unerfüllt: Qoros, der Herausforderer aus China hat finanziell ein schweres Jahr hinter sich. Im ersten vollen Produktionsjahr fuhr das Joint Venture des chinesischen Autobauers Chery und der Kenon Holding aus Singapur einen Verlust von 305 Millionen Euro ein. Den Chinesen sind damit bisher nicht mehr als eine Belastung für die Geldgeber, dabei wollte man eigentlich VW und General Motors in China herausfordern.

Personell haben die Chinesen darum längst umgebaut, der deutsche Chef Volker Steinwascher musste seinen Hut nehmen. Im Interview mit der Wirtschaftswoche übt der neue Chef Phil Murtaugh bereits unterschwellige Kritik an seinen Vorgängern. Sie hätten sich sehr auf die Ingenieursarbeit konzentriert, nun gelte es Controlling und Produktion rentabel ans Laufen zu kriegen. Im vergangenen Jahr hatte Qoros gerade einmal 7000 Autos verkauft und war damit weit hinter den Erwartungen der Investoren zurückgeblieben. Auch das Händlernetz wächst nicht so schnell wie geplant 

Im Qoros-Werk in Changshu, 80 Kilometer nordwestlich von Shanghai können theoretisch bis zu 150.000 Fahrzeuge gebaut werden. Dabei wollte man eigentlich mit dem Rückenwind aus dem Heimatmarkt im Jahr 2016 nach Europa expandieren. Den Markteintritt hat man nun  vertagt.

Chinas Autokonzerne

Saic

Die Shanghai Automotive Industry Corp. gründete mit Volkswagen einst das erste Joint Venture eines chinesischen Herstellers mit einem ausländischen Autobauer. Seit 1998 kooperiert der Konzern auch mit dem US-Riesen General Motors. Zum Portfolio gehören auch die britische Traditionsmarke GM und die chinesische Luxusmarke Roewe. Im Jahr 2012 produzierten die Chinesen 4,5 Millionen Fahrzeuge und sind damit der größte Autohersteller des Landes.

FAW

First Automotive Works aus Nordchina wurde einst unter sowjetischer Führung gegründet, unterhält aber vor allem enge Kontakte zu den japanischen Autobauern. Zu den Partnern gehört neben Toyota, Mazda und Daihatsu aber auch Volkswagen.

Dongfeng

Kein chinesischer Konzern unterhält mehr Joint Ventures als das Unternehmen aus Wuhan. Zu den ausländischen Partnern zählen Honda, Nissan, Peugeot, Kia und Citroën. Mit 3,2 Millionen produzierten Fahrzeug ist Dongfeng der drittgrößte chinesische Autohersteller.

Baic

Bekannt wurde die Beijing Automotive Group weil sie 2009 die Technik des insolventen schwedischen Autobauers Saab aufkaufte. Mit Mercedes-Benz und Hyundai unterhält der Konzern aus der chinesischen Hauptstadt Joint-Ventures. 2012 produzierte Baic 3,1 Millionen Fahrzeuge.

Chang'an

Der Mutterkonzern verdient sein Geld mit Waffen. Doch mit 2,07 Millionen produzierten Fahrzeugen ist der Konzern aus Zentralchina mittlerweile der fünftgrößte Autobauer des Landes. Zu den ausländischen Kooperationspartner gehören Ford, Suzuki, and PSA

Brilliance

Der BMW-Partner Brilliance gehörte zu den ersten chinesischen Autokonzernen, die den Sprung nach Europa wagten - und scheiterten. Mit einer Produktion 591.000 Fahrzeugen ist der Hersteller im Landesvergleich relativ klein.

Chery

Bis 2003 war das Unternehmen aus Wuhu der größte Autoexporteur des Landes. Dabei wurde der Konzern erst 1997 gegründet. Seit 2012 unterhält das Unternehmen ein Joint Venture mit Jaguar und Land Rover. Die Tochtermarke des Konzern Qoros soll bald auch auf den europäischen Markt kommen

Geely

Aus einer Manufaktur für Kühlschrankteile ist einer der größten Autohersteller des Landes hervorgegangen. Übersetzt bedeutet der Unternehmensname Glück verheißende Automobile. Einen Namen in Europa machten sich die Chinesen mit der Übernahme von Volvo.

Durch die Absatzprobleme sorgt Qoros auch für einen deutlichen Gewinneinbruch beim Mutterkonzern Chery. Im Vergleich zum Vorjahr ist deren Gewinn um 86 Prozent zurückgegangen. Denn neben Qoros schwächelt noch ein weiteres Joint Venture: das gemeinsame Unternehmen mit Jaguar Land Rover hat 2014 einen Verlust von 85 Millionen Euro eingefahren 

Auch hier haben die Chinesen bereits durchgegriffen. Verkaufschef Lu Yi musste im April gehen. Doch die Qualitätsprobleme bleiben: beim wichtigen Modell Evoque erreicht das Joint Venture nicht die Qualitätsstandards wie in Europa.

Von

bay

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