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24.04.2015

10:24 Uhr

Daimler

Autohersteller zieht sich aus Joint Venture in Ägypten zurück

Der Autobauer Daimler hat angekündigt, sich im Mai aus einem Joint Venture in Ägypten zurückzuziehen. Bislang hatte Daimler die Autos dort zusammenbauen lassen, nun will das Unternehmen verstärkt das fertige Produkt exportieren.

Daimler ist an der ägyptischen Gemeinschaftsfirma mit 26 Prozent beteiligt. dpa

Produktionsstrecke bei Daimler

Daimler ist an der ägyptischen Gemeinschaftsfirma mit 26 Prozent beteiligt.

München, StuttgartDer Autohersteller Daimler zieht sich aus seinem Joint Venture in Ägypten zurück. Der Konzern war bisher an der Gemeinschaftsfirma EGA beteiligt. Daimler werde aber im Mai aus dem Zusammenschluss aussteigen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Freitag und bestätigte damit einen Bericht des „Focus“.

Bislang lässt Daimler von dem Joint Venture in Einzelteilen angelieferte Autos zusammenschrauben, um hohe Importzölle zu umgehen. Schon im vergangenen Jahr habe der Autobauer aber begonnen, komplette Autos nach Ägypten zu liefern und über seinen Vertrieb dort zu verkaufen.

Chronologie des Kältemittelstreits

25. September 2012

Daimler meldet nach einem Test mit R1234yf einen Autobrand und informiert die Behörden über den Versuch. Kurz darauf wird das Thema auf der Pariser Automesse diskutiert. Die Kältemittel-Hersteller Honeywell und DuPont kritisieren den Test.

1. Januar 2013

Die EU-Richtlinie wird gültig: Autos, die ihre Typgenehmigung nach dem 1. Januar 2011 erhalten haben, dürfen das alte Kältemittel R134a ab sofort nicht mehr verwenden. Daimler benutzt es dennoch in seinen Modellen und bittet um längere Fristen.

6. Februar 2013

Daimler, BMW und Audi steigen aus einer internationalen Expertenrunde aus, weil sie deren Tests zur Sicherheit von R1234yf für nicht ausreichend halten.

6. März 2013

Rund um den Genfer Autosalon einigen sich Daimler, BMW und der VW-Konzern, künftig auf CO2 als Kältemittel zu setzen. Das Treibhausgas ist zwar als Klimakiller verschrien - belastet die Umwelt aber zum Teil deutlich weniger als die künstlich hergestellten Chemikalien. Allerdings müssen dafür völlig neue Klimaanlagen entwickelt werden - das kann dauern.

16. April 2013

EU-Industriekommissar Antonio Tajani macht Daimler keine Hoffnung auf ein Entgegenkommen aus Brüssel. „Das Gesetz ist für alle gleich“, sagt er der „Süddeutschen Zeitung“ und nimmt auch deutsche Behörden ins Visier: Wenn Fahrzeuge mit dem alten Kältemittel in einem EU-Staat zugelassen würden, müsse er ein Vertragsverletzungsverfahren gegen diesen Staat anstrengen.

8. August 2013

Bei Tests des Kraftfahrtbundesamts (KBA) mit dem Kältemittel kommt es ebenfalls zum Brand - allerdings nur unter extremen Bedingungen. Bei solchen Tests, die für Rückrufe relevant sind, passiert nichts. Honeywell wirft der Behörde später gezinkte Tests vor. Das KBA habe gezielt auf Flammen hingearbeitet.

27. August 2013

Erfolg für Daimler: Nach wochenlangem Hin und Her hebt ein Gericht in Paris einen Verkaufsstopp für bestimmte Mercedes-Modelle in Frankreich auf. Die Autos waren vom KBA mit dem alten Kältemittel zertifiziert worden.

6. November 2013

Das KBA legt den Abschlussbericht zu seinen Tests vor und empfiehlt darin weitere Prüfungen zu möglichen Risiken von R1234yf. Die EU-Kommission diskutiert die Ergebnisse, hat aber noch keine Stellung genommen.

12. Januar 2014

Daimler drückt bei CO2-Klimaanlagen aufs Tempo. Bis Mitte des Jahres sollen erste Serienaufträge an die Zulieferer gehen. Wann ersten Anlagen serienreif sind, bleibt zunächst offen.

23. Januar 2014

EU-Kommissar Tajani eröffnet in Brüssel ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland.

25. September 2014

Die EU-Kommission leitete die nächste Stufe des Verfahrens wegen Verletzung der EU-Verträge ein. Das Brüsseler Verfahren richtet sich gegen die Bundesregierung. Berlin hat zwei Monate Zeit zum Richtungswechsel. Danach könnte die EU-Kommission entscheiden, Deutschland vor den Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) zu bringen.

Für den Rückzug gebe es zwei Gründe, sagte die Daimler-Sprecherin. Zum einen würden die hohen Zölle in Zukunft wohl weiter gesenkt. Bis vor kurzem verlangte Ägypten von internationalen Autoherstellern einen bis zu 100-prozentigen Gebühren- und Zollaufschlag, wenn Lieferungen etwa aus Deutschland kamen. Außerdem wolle sich EGA künftig als markenübergreifender Anbieter aufstellen, erklärte die Sprecherin.

Daimler ist an der ägyptischen Gemeinschaftsfirma mit 26 Prozent beteiligt und ließ von ihr S-, C- und E-Klasse sowie den Geländewagen GLK zusammenbauen. 2014 verkaufte der Konzern dem Bericht zufolge in Ägypten allerdings nur 4255 Fahrzeuge.

Von

dpa

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