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07.03.2017

18:52 Uhr

Daimler, BMW, Ford

Autobauer zwischen Hoffen und Bangen wegen Brexit

Die Autobauer reagieren unterschiedlich auf den Brexit: Ford pocht auf Zollfreiheit, Daimler setzt auf Vernunft und BMW will seinen Elektro-Mini nicht zwingend in Oxford bauen.

Erst Ende des Jahres will sich BMW entscheiden, ob der neue Elektro-Mini in England gebaut wird. dpa

BMW-Werk in Oxford

Erst Ende des Jahres will sich BMW entscheiden, ob der neue Elektro-Mini in England gebaut wird.

GenfNervös, vorsichtig, entspannt – die Autobauer reagieren unterschiedlich auf den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens. Für die Zukunft der Beschäftigten und der Kunden auf der Insel sei Zollfreiheit ganz wichtig, mahnte der Europa-Chef von Ford, Jim Farley, am Dienstag im Interview der Nachrichtenagentur Reuters auf der Automesse in Genf. „Darauf werden wir weiter drängen.“ Der US-Hersteller hat rund 14.000 Beschäftigte im Vereinigten Königreich. BMW hält sich weiterhin offen, ob der neue Elektro-Mini im Heimatland der Marke gebaut wird. „Gelassen“ wartet indes Daimler-Chef Dieter Zetsche ab, ob Zölle künftig in die Preiskalkulation für Mercedes-Benz im britischen Markt eingehen müssen.

Großbritannien ist für Ford der größte Absatzmarkt in Europa. Die Amerikaner betreiben dort unter anderem ein Motorenwerk. Nach den Regeln der Welthandelsorganisation könnten auf importierte Fahrzeuge bis zu zehn Prozent Zoll erhoben werden. Die britische Gewerkschaft befürchtet, dass Ford wegen des Brexit rund 1100 Stellen streichen könnte. Der Autobauer hatte erklärt, das sei nicht geplant. Allerdings will die Finanzierungssparte von Ford aus diesem Grund eine Banklizenz in Deutschland beantragen, um künftig noch Kreditdienstleistungen in der EU anbieten zu können.

Brexit: Die nächsten Schritte im Überblick

Wie geht es weiter?

Im Juni 2016 entschieden sich die Briten für den Brexit. Doch bis das Land tatsächlich aus der Europäischen Union ausgetreten ist, steht beiden Seiten noch viel Arbeit bevor. Die nächsten Schritte.

EU-Mandat

Das Schreiben aus London ist eingetroffen, nun zurrt die Rest-EU in drei Schritten ihre Verhandlungslinie fest: Ein Sondergipfel der 27 Staats- und Regierungschefs soll am 29. April Leitlinien bestimmen. Auf dieser Basis schlägt die EU-Kommission den Start der Verhandlungen und ein Mandat vor – also den offiziellen Auftrag für das Verhandlungsteam. Das Mandat muss dann vom Rat bestätigt werden.

Verhandlungen

EU-Chefunterhändler Michel Barnier und sein Expertenteam geben sich bis etwa Oktober 2018 für die eigentlichen Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens und über Übergangsregelungen.

Ratifizierung

Dann muss das Austrittsabkommen auf EU-Seite vom Europaparlament gebilligt und von den übrigen Mitgliedsländern angenommen werden – ohne Großbritannien. May will den Vertrag auch dem britischen Parlament vorlegen.

Fristende

Das ganze Verfahren muss zwei Jahre nach dem offiziellen Austrittsgesuch abgeschlossen sein, also bis Ende März 2019. Eine Verlängerung ist möglich, wenn alle bleibenden EU-Staaten zustimmen.

Betroffen vom Brexit ist auch die Mini-Produktion von BMW. Ende des Jahres soll entschieden werden, wo der neue Elektro-Mini gebaut wird. Mini-Chef Peter Schwarzenbauer erklärte in Genf, es sei wichtig, dass die Kleinwagen-Marke als britisch wahrgenommen werde. Doch sei es nicht zwingend, die Autos auch auf der Insel zu produzieren. Derzeit laufen 70 Prozent der gesamten Mini-Produktion im Werk Oxford vom Band. Zuletzt war spekuliert worden, dass BMW sich wegen des Brexit gegen eine Fertigung in Großbritannien entscheidet. BMW-Chef Harald Krüger sagte, neben Oxford kämen auch die Werke Leipzig und Regensburg sowie Born in den Niederlanden infrage.

Anders als BMW produziert Daimler keine Pkw im Vereinigten Königreich, auch wenn es der zweitgrößte europäische Absatzmarkt der Schwaben nach Deutschland ist. Das soll auch so bleiben, falls es zu Zöllen käme. „Wir planen sicher nicht, Fabriken in Großbritannien zu bauen“, sagte Daimler-Chef Zetsche. „Wir gehen davon aus, dass die Engländer unsere Produkte trotzdem kaufen, das sehe ich relativ gelassen.“ Die britische Regierung und die EU sollten vermeiden, dass Schaden auf allen Seiten durch einen Verzicht auf einen freien Handelsaustausch erzeugt wird. „Ich setze darauf, dass am Ende die Vernunft siegen wird“, ergänzte Zetsche.

Von

rtr

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