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12.04.2006

14:26 Uhr

Daimler-Chrysler

Neuer Chef, neues Glück

Auf der Hauptversammlung von Daimler-Chrysler sind die Rollen klar verteilt: Aufsichtsratschef Hilmar Kopper und Ex-Chef Jürgen Schrempp geben die Buhmänner; Vorstandschef Dieter Zetsche spielt den jugendlichen Helden. Was genau passierte.

Zetsche am Rednerpult auf der Hauptversammlung. Foto: dpa

Zetsche am Rednerpult auf der Hauptversammlung. Foto: dpa

cn/hz/mwb BERLIN. Messezentrum, Hauptversammlung Daimler-Chrysler. Der Saal ist voll. Die Luft dick, die Stimmung aufgeheizt. Eigentlich alles wie immer. Aber nur beinahe. Als um etwa halb elf Uhr der neue Konzernchef Dieter Zetsche im dunklen Anzug nach vorne an das Pult im Berliner Kongresszentrum tritt, empfängt ihn warmer Applaus der Aktionäre. Geklatscht hatte hier für seinen Vorgänger Jürgen Schrempp die letzten Jahre kaum einer mehr. Den lautesten Applaus gab es ein Jahr zuvor für Rücktrittsforderungen an die Adresse des Vorstandschefs. Doch aus und vorbei.

Mit Zetsche, dem sympathisch wirkenden neuen Konzernlenker mit dem lustigen Walrossbart hat eine neue Zeit bei Daimler begonnen. Schon vor seinem Auftritt geht Zetsche im Foyer auf Kleinaktionäre zu. Solche Bürgernähe hatte es bei dem Hersteller von Luxusautos zuvor nie gegeben. Aber ansonsten verzichtet Zetsche auf Spezial-Effekte, für die der ehemalige Chrysler-Chef bekannt ist - sei es nun Gitarre- oder Geigespielen wie auf den Autoshows.

Zetsche steht für einen Neuanfang – auch im lädierten Verhältnis zur Kapitalseite. Während Aktionäre Schrempp ein Jahr zuvor noch „Schönrechnen“ und eine „Bankrotterklärung“ vorhielten, stimmen die Fondsgesellschaften und viele Kleinaktionäre nun neue Töne an. „Herr Zetsche, wir haben bereits auf der letzten Hauptversammlung unseren Respekt vor Ihrer Managementleistung bei Chrysler geäußert, und begrüßen es daher sehr, dass Sie ab sofort die Geschicke des gesamten Konzerns leiten“, sagt Susan Levermann von der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS in Berlin, die Schrempp letztes Jahr noch die Entlastung verweigerte. Schöne neue Daimler-Welt.

Der alte Buhmann sitzt unterdessen unten im Saal in der ersten Reihe und verzieht keine Miene. Zur Überraschung vieler ist Schrempp samt Gattin Lydia zur Hauptversammlung nach Berlin gereist. Doch willkommen ist die alte Nummer Eins von Daimler nicht im Kreise der Anleger. Als Aufsichtsratchef Hilmar Kopper in seinen Eröffnungsworten auch einen Dank an Schrempp einflechtet, gellen spontan Pfiffe und Buhrufe auf. Kopper muss an die Kinderstube der Aktionäre appellieren, um die Schmähungen abzustellen. Erst als sein Nachfolger demonstrativ Schrempp für dessen „vorbildliche Amtsübergabe“ dankt, brandet ein wenig Applaus auf. Das schmerzt, auch wenn sich Schrempp äußerlich unberührt zeigt.

Vergnügungssteuerpflichtig war sein Erscheinen nicht. Aber Schrempp stellt sich und zieht damit die alle Pfeile der Anleger auf sich. Zetsches Licht erscheint dadurch noch heller. Auch das dürfte in die PR-Strategie des Konzerns passen.

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