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20.09.2012

15:14 Uhr

Daimler-Gewinnwarnung

Absatzkrise erreicht die Premiumhersteller

Daimler zieht angesichts der Absatzflaute in Europa die Notbremse. Die Autosparte werde den Gewinn des Vorjahres nicht mehr erreichen, sagt Konzernchef Zetsche. Damit kommt die Krise nun auch in der Oberklasse an.

Daimler-Chef Dieter Zetsche stellt die neue A-Klasse vor. dapd

Daimler-Chef Dieter Zetsche stellt die neue A-Klasse vor.

Stuttgart/MünchenDer Autobauer Daimler rechnet wegen der schwächelnden Autokonjunktur in seiner Pkw-Sparte mit einem operativen Gewinnrückgang und reagiert mit Sparmaßnahmen. „Wir haben in Europa zunehmend schwierige Marktbedingungen“, sagte Konzernchef Dieter Zetsche am Donnerstag in Stuttgart. Die Gewinnwarnung schickte die Daimler-Aktie am Nachmittag auf Talfahrt, auch wenn in der Branche viele angesichts der Entwicklung in Europa mit einem solchen Schritt gerechnet hatten. Die Rivalen BMW und Audi bekräftigten ihre Vorhersagen allerdings und rechnen weiter mit Rekordergebnissen.

Auch die dritte deutsche Nobelmarke Porsche erwartet für 2012 weiter Bestwerte, ist aber beim Ausblick auf das kommende Jahr zunehmend vorsichtiger. Zwar werde die Sportwagenschmiede auch 2013 weltweit mehr Autos als in diesem Jahr verkaufen, der Zuwachs könnte aber zwischen 5 und 10 Prozent geringer ausfallen, als bisher geplant, sagte Porsche-Chef Matthias Müller am Mittwochabend im Club Wirtschaftspresse München. Er rechne damit, dass der Automarkt weltweit nachgeben werde. Auch die Premiumhersteller könnten sich diesem Trend nicht entziehen - und er scheint recht zu behalten.

Zetsche sagte, die Autosparte des Konzerns, zu der die Marken Mercedes-Benz, Smart, Maybach und AMG gehören, werde den operativen Gewinn des Vorjahres (Ebit) 2012 wohl nicht erreichen. Damals hatte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern der Sparte bei 5,2 Milliarden Euro gelegen. Eine Prognose für den Gesamtkonzern machte Zetsche nicht. Bisher rechnet Daimler mit einem Ebit in der Größenordnung des Vorjahres. 2011 hatten die Schwaben operativ rund 8,76 Milliarden Euro eingefahren. Die Entwicklung in Europa sei „negativer, als wir sie noch vor kurzer Zeit erwartet haben“, sagte Zetsche. Selbst im Wachstumsmarkt China habe sich die Lage signifikant verschärft.

Die Marktschwäche in Europa versuchen die Hersteller auch mit teils kräftigen Preisnachlässen auszugleichen, doch das drückt den Gewinn ganz erheblich. Eine Stellschraube um dennoch Geld zu verdienen sind die Kosten. Da will auch Daimler ran. Um sich auf die schwieriger werdenden Bedingungen einzustellen will Zetsche „eine ganze Reihe von Maßnahmen“ auf, die künftig in einem Sparprogramm gebündelt werden sollen. Konkrete Schritte wollte er erst in den nächsten Wochen bekanntgeben. Vor allem in Europa aktive Konzerne wie Fiat, Opel, Ford oder Renault leiden schon länger unter der Lage.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën kündigte am Donnerstag an 75 Prozent seiner profitablen Logistik-Tochter Gefco für 800 Millionen Euro an die russische Eisenbahngesellschaft RZD verkaufen zu wollen. Vor dem Verkauf solle die Tochter, die 2011 knapp 3,8 Milliarden Euro Umsatz machte und operativ 233 Millionen Euro verdiente, allerdings noch 100 Millionen Euro Dividende an PSA zahlen. Die Tochter regelt nicht nur die Logistik der PSA-Autosparte, sondern soll ab 2013 auch die der General-Motors-Tochter Opel übernehmen. PSA kämpft ebenfalls mit der Absatzkrise und leidet unter Überkapazitäten und hohen Schulden.

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dpa

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