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12.12.2013

16:49 Uhr

Daimler in China

„Wir werden diesen Fehler nicht wieder machen“

Der chinesische Markt galt lange als Schwachstelle von Daimler. Mit dem neuen China-Vorstand Hubertus Troska soll das Geschäft wieder an Tempo gewinnen. Doch der bremst die Erwartungen.

Stern im Reich der Mitte: Daimler will in China weiter wachsen. Reuters

Stern im Reich der Mitte: Daimler will in China weiter wachsen.

StuttgartDie Aufholjagd in China wird für den Autobauer Daimler zur Gratwanderung: Nach den Plänen von China-Vorstand Hubertus Troska werden zunächst über sinkende Rabatte ie Preise erhöht und dafür Abstriche beim Absatzwachstum in Kauf genommen. Die Verkaufszahlen sollen erst 2015 mit neuen Modellen kräftig steigen, wie Troska bei einem Pressegespräch am Mittwochabend in Stuttgart erklärte.

„Ich habe große Unterstützung auch von (Vorstandschef) Dieter Zetsche: Es geht jetzt nicht um Volumen um jeden Preis“, sagte Troska, der vor einem Jahr den neu geschaffenen Posten des Regionalvorstands für China antrat. Analysten befürworteten diese Strategie, zweifelten aber an der Umsetzung.

Der frühere Lkw-Manager und Marketing-Chef für Pkw soll im größten Automarkt der Welt das Steuer herumreißen, nachdem Daimler seit 2012 weit hinter die Erzrivalen BMW und Audi zurückgefallen ist. Daran hat sich in diesem Jahr noch nicht viel geändert: Von Januar bis November verkaufte die Marke mit dem Stern in China rund 195.000 Pkw - ein Plus von zehn Prozent. Audi und BMW glänzten mit jeweils doppelt so schnellem Wachstum: Die Volkswagen -Tochter Audi ist Marktführer mit knapp 444.000 Auslieferungen, während der BMW-Absatz auf 354.000 Stück schnellte. Mercedes will den Abstand verkürzen und 300.000 Autos in China 2015 losschlagen.

Größte ausländische Autohersteller in China

Platz 10

BMW - 326.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Und BMW dringt in die Top Ten vor: Im Vorjahresvergleich legt der Absatz um beachtliche 40 Prozent zu. Auf den Plätzen folgen Suzuki, Daimler und Mazda.

Platz 9

Ford - 427.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner machen Boden gut, was sie ebenfalls dem Inselstreit zu verdanken haben. Im Vorjahresvergleich bleibt ein sattes Plus von 31 Prozent.

(Anm. d. Red.: Erfasst wurden nur Pkw-Verkäufe)

Platz 8

Peugeot-Citroën - 442.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen. Der Absatz legt um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Platz 7

Kia - 512.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 18 Prozent gehören sie mittlerweile zu den erfolgreichen Volumenherstellern in China.

Platz 6

Honda - 603.000 verkaufte Fahrzeuge

Honda muss ebenfalls Einbußen hinnehmen - wie die anderen japanischen Hersteller in China ebenfalls. Im Vorjahresvergleich steht ein Minus von drei Prozent.

Platz 5

Toyota - 841.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner müssen sich mit Rang fünf begnügen, vor allem im September hatte es einen herben Rückschlag der Verkaufszahlen auf gerade einmal 50.000 Stück gegeben. Im Gesamtjahr bleibt ein Absatzminus von fünf Prozent.

(Anm. d. Red.: Angabe laut Reuters)

Platz 4

Hyundai - 847.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner verdrängen Toyota auf Rang fünf und sind indirekter Nutznießer des Inselstreits. Die Hyundai-Verkäufe legten 2012 um zwölf Prozent zu.

Platz 3

Nissan - 1,18 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der Streit um eine Inselgruppe zwischen China und Japan hat die Absatzzahlen der Japaner deutlich in die Knie gedrückt. Im Gesamtjahr gab es für Nissan ein Minus von fünf Prozent.

Platz 2

Volkswagen - 2,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Wolfsburger können das größte Wachstum der Massenhersteller in der Volksrepublik vorweisen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Volkswagen-Verkäufe um 24 Prozent zugelegt.

Platz 1

General Motors - 2,84 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner verteidigen hauchdünn die Spitzenposition in China. Im Jahresvergleich hat GM um elf Prozent zugelegt.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

Doch will Troska zunächst die Fehler der Vergangenheit korrigieren. Wichtigster Grund für die Flaute in China sei die Konkurrenz der Vertriebsgesellschaften für lokal produzierte und für importierte Fahrzeuge gewesen. Vor allem die Preise für die E-Klasse sanken mit Nachlässen von bis zu 18 Prozent. Der Vertrieb wurde im Frühjahr zusammengelegt, um Rabattschlachten zu verhindern.

„Wir werden diesen Fehler nicht wieder machen“, sagte Troska. Jetzt soll den Kunden beigebracht werden, dass ein Mercedes nicht weniger als ein Audi oder BMW kosten könne. Die Händler hätten die Rabatte schon deutlich gekürzt. Die S-Klasse werde fünf bis acht Prozent über Listenpreis angeboten.

Kommentare (2)

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karma

12.12.2013, 12:33 Uhr

Viel Glück Daimler, hoffentlich ver-Schremp-t ihr euch nicht wieder. 100 mrd. hat euch das mit Chrysler gekostet, also Kopf hoch klappt schon.

"Und ist der Rost am Mercedes noch so rot, wer trotzdem Mercesdes kauft, ist erst später tot"

michael62

12.12.2013, 15:12 Uhr

Ich lese und mir fehlt der Glaube.

Mercedes hat von uns einen in den letzten Jahren einen 7 stelligen Betrag für Fahrzeuge bekommen und wenn ich mir ansehe, was in welcher Qualität (auch oder insbesondere mit dem S davor) abgeliefert wurde, dann muss ich mich fragen, ob meine geistige Gesundheit noch ganz gegeben ist oder ob ich mich nicht lieber einliefern lassen soll.

Sicherlich sind die Dinge nach dezenten Aufforderungen nachgebessert worden, teilweise wurden sie auch sehr, sehr kulant gewandelt, aber es ist einfach nur unendlich peinlich, wenn man schon von seinen Geschäftsfreunden zu den "Macken" und "Problemen" einzelner Baureihen angesprochen wird mit denen man vorfährt, die ein Werk mit so vielen Mitarbeitern nicht abstellen kann, weil es sich in so vielen unsinnigen Dingen verzettelt, anstelle in seinem Kerngeschäft für Ordnung zu sorgen.

Dieser Beitrag kann seitens der Vorstands zu Akten gelegt werden.
Scheinbar muss es erst immer zu Katastrophen kommen, bis sich was ändert, wenn überhaupt.

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