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26.04.2017

11:14 Uhr

Daimler in der Erfolgsspur

Zetsche setzt die Ziele hoch

Der überraschende Gewinnsprung zum Jahresauftakt hat den Ehrgeiz von Dieter Zetsche geweckt: Der Daimler-Chef traut dem Konzern deutlich mehr Gewinn zu als bisher geplant. Eine Gefahr versteckt sich aber in der Bilanz.

Daimler rechnet in diesem Jahr mit einem Gewinnzuwachs von mehr als zehn Prozent. AFP

Dieter Zetsche

Daimler rechnet in diesem Jahr mit einem Gewinnzuwachs von mehr als zehn Prozent.

StuttgartDaimler will seinen Vorsprung als weltweit führender Hersteller von Premiumfahrzeugen vor BMW noch ausbauen. Dank besserer Aussichten für seine Pkw-Marke Mercedes-Benz setzte der Konzern die Prognose für Absatz, Umsatz und Gewinn am Mittwoch herauf. Der operative Gewinn soll nun „deutlich“ und damit um mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 12,9 Milliarden Euro zulegen.

Bisher hatten die Schwaben nur einen „leichten“ Anstieg in Aussicht gestellt. „Hinter uns liegt ein äußerst erfolgreiches Quartal. Vor uns liegt eine Vielzahl an Möglichkeiten für weiteres profitables Wachstum“, erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche zur Quartalsbilanz. Die Dieseldiskussion bremst laut Finanzchef Bodo Uebber die Rekordfahrt bisher nicht. Allerdings ist auch Daimler vor allem in den USA dem Risiko empfindlicher Strafen wegen einer womöglich unzulässigen Abgasbehandlung ausgesetzt.

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In der Hauptsparte Pkw erwartet Daimler dank neuer Modelle wie der E-Klasse und SUVs nach dem kräftigen Anstieg im ersten Quartal ein Absatzplus von mehr als fünf Prozent. BMW traut sich bisher nur einen "leichten" Zuwachs zu, unter dem sie einen Anstieg von bis zu fünf Prozent verstehen. Von Januar bis März hatte die Marke mit dem Stern den Abstand zur Konkurrenz aus München vergrößert. Mercedes-Benz lieferte mit gut 560.000 Fahrzeugen 16 Prozent mehr aus. BMW schlug von der Kernmarke gut 503.000 Wagen los, ein Zuwachs von 5,2 Prozent.

Zu einer höheren Jahresprognose der Schwaben tragen auch günstige Währungseffekte und einige Sonderfaktoren bei. So verdoppelte sich das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im ersten Quartal fast auf vier Milliarden Euro. Doch nur 30 Prozent des Zuwachses fuhr Daimler mit seinem operativen Geschäft ein, günstigere Wechselkurse spülten etwa genauso viel zusätzlich in die Kasse.

Das sind die rentabelsten Autokonzerne

Platz 10

Honda – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,2 Milliarden Euro*

Unter den japanischen Herstellern konnte keiner den Gewinn so stark steigern wie Honda. Im Jahresvergleich legte das Unternehmen um 31,5 Prozent zu. Dabei fiel die Ebit-Marge allerdingt mit 4,6 Prozent unterdurchschnittlich aus.

Quelle: CAM Bergisch-Gladbach; Stand: 12/ 2016 - Bei japanischen Herstellern wird das Kalenderjahr abgebildet

Platz 9

Nissan – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,7 Milliarden Euro

Das vergangene Jahr war für die Japaner durch Wechselkursschwankungen durchaus turbulent. Der Gewinn sank um 7,4 Prozent. Immerhin landete man mit einer Ebit-Marge von 6,2 Prozent im Mittelfeld aller Hersteller.

Platz 8

Hyundai – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6 Milliarden Euro

Heimlich schielt der viertgrößte Autokonzern der Welt immer noch Richtung Weltspitze. Doch 2016 war für die Koreaner ein Rückschritt. Der Absatz schrumpfte leicht, der Gewinn sogar um satte 8,8 Prozent. Und auch die Marge war mit 5,2 Prozent unterdurchschnittlich.

Platz 7

Fiat-Chrysler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6,1 Milliarden Euro

Die italienische Überraschung: Durch den Erfolg von Jeep hat sich der italo-amerikanische Konzern wieder erholt. Der Gewinn wurde mehr als verdoppelt, obwohl der Absatz nur leicht zulegte. Allein die Marge ist mit 5,5 Prozent immer noch bestenfalls mittelmäßig.

Platz 6

Volkswagen – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 7,1 Milliarden Euro

Der Dieselskandal drückt weiter kräftig auf den Gewinn. Doch innerhalb eines Jahres haben es die Wolfsburger geschafft, das Ergebnis um 11,2 Milliarden Euro zu verbessern. Und das obwohl die Marge mit 3,3 Prozent immer noch mager ausfällt.

Platz 5

BMW – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Für den jahrelangen Primus der Premiumbranche ist der Gewinn im vergangenen Jahr leicht gesunken. Das können die Münchener aber locker verschmerzen. Dank einer Marge von zehn Prozent erwirtschaftet kein Konkurrent mehr pro Auto.

Platz 4

Ford – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Den Titel als rentabelster Autokonzern Amerikas hat Ford dieses Jahr verloren. Denn beim Ertrag und Absatz schwächelt der Weltkonzern. Die Marge fällt mit 6,8 Prozent überdurchschnittlich aus.

Platz 3

General Motors – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,8 Milliarden Euro

Unter Mary Barra gilt die Devise: Profit zuerst. Das war auch 2016 aus den Zahlen abzulesen. Der Gewinn konnte um fast 20 Prozent zulegen. Und mit 7,5 Prozent ist auch die Marge für einen Volumenhersteller sehr zufriedenstellend.

Platz 2

Platz 2 – Daimler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 12,9 Milliarden Euro

Der profitabelste Premiumhersteller kommt aus Stuttgart. Im Vergleich zum Vorjahr schneiden die Schwaben zwar etwas schlechter ab. Doch eine Marge von 8,4 Prozent reicht immer noch für einen zweistelligen Milliardengewinn.

Platz 1

Toyota – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 17 Milliarden Euro

Wenn der Gewinn um fast 24 Prozent einbricht, würden die meisten anderen Konzerne wohl etliche Plätze einbüßen. Toyota nicht. Die Japaner sind weiterhin profitabler als alle anderen Hersteller. Vor allem wegen einer Marge von 7,8 Prozent, die zwar deutlich kleiner ausfällt als im Vorjahr – doch das ist immer noch besser als bei allen Konkurrenten.

Zudem besserten höhere Buchwerte für die Beteiligung am digitalen Kartendienstleister Here die Bilanz auf. Ohne diese Sonderfaktoren läge die Rendite bei 9,0 statt der von Daimler genannten 9,8 Prozent, wie Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI vorrechnete.

Auch der Nettogewinn verdoppelte sich, und zwar auf 2,8 Milliarden Euro, wie Daimler weiter mitteilte. Der Umsatz legte um elf Prozent auf 38,8 Milliarden Euro zu.

Kommentare (1)

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Herr Peter Insam

26.04.2017, 12:58 Uhr

Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Konzerne den Hals nicht voll bekommen. Sieht man sich die mittlerweile erzielten Renditen/Margen auf der einen Seite an und vergleicht das mit der Zinssituation bei den Banken, fehlt hier jegliches Maß. Die Profitgeilheit scheint keine Grenzen zu kennen. Auch in anderen Branchen wird der Kunde verdummdeubelt und immer mehr ausgenommen (siehe Änderungen in den Verpackungsgrößen, schleichende Preiserhöhungen, Tankstellen und deren freche Preissprünge innerhalb eines Tages). Ich frage mich, wohin dieses schier unendliche Geldgier führt, wenn hierfür immer mehr Produkte im Ausland gefertigt werden. Um auf die Automobilbranche zurückzukommen: Audi fertigt z. B. den Q5 in Mexico. Kostenvorteile werden aber an den Kunden nicht weitergegeben. Im Gegenteil: Der Preis wird noch ganz frech erhöht. Warum? Ach ja, die lieben Aktionäre. Nun, wenn der Verbraucher kein Geld mehr verdient, weil sein Job verlagert wurde, kann er auch nichts mehr kaufen. Wer liefert dann noch die Gewinne???

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