Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2013

09:43 Uhr

Daimler in Ungarn

Wo der Super-Bowl-Mercedes herkommt

VonLukas Bay

Mit viel Haut hat Daimler den CLA beim Football-Finale in den USA beworben. Das Modell wird in Ungarn gefertigt. Auf einer riesigen Fläche in der Puszta hat Daimler eines der wichtigsten Werke des Konzerns errichtet.

Sorgt im TV-Spot von Mercedes-Benz anlässlich des 2013er Super-Bowl-Finales für den neuen CLA für Aufmerksamkeit: Bikini-Model Kate Upton. Screenshot

Sorgt im TV-Spot von Mercedes-Benz anlässlich des 2013er Super-Bowl-Finales für den neuen CLA für Aufmerksamkeit: Bikini-Model Kate Upton.

Kecskemét„Schauen Sie über den Zaun, wir haben noch Platz“,  sagt Werksleiter Frank Klein und deutet auf den Horizont. Das Ende des schneebedeckten Daimler-Geländes in Kecskemét ist vor dem weißen Himmel mit bloßem Auge nicht zu erkennen: 441 Hektar, eine Fläche so groß wie 1000 Fußballfelder, gehören dem Konzern – größer ist kein Daimler-Werksgelände auf der ganzen Welt. Obwohl heute erst 250.000 Quadratmeter des Geländes bebaut sind: Schon die schiere Größe des Werksgeländes macht deutlich macht, dass Daimler nach Ungarn gekommen ist, um zu wachsen.

Hier, mitten in der Puszta, soll bald das Herz der ungarischen Autoindustrie schlagen – das ist der Plan. Es ist ein Projekt, in das Daimler mehr als eine Milliarde Euro investiert hat. Nach sechs Monaten Suche an 50 Standorten, unter anderem in Rumänien, Polen und Deutschland, haben sich die Stuttgarter 2008 für die Stadt im Süden Ungarns entschieden.

Im März 2012 startete die Produktion. Seitdem rollt hier alle zwei Minuten ein Auto vom Band – 350 pro Werktag, 100.000 im Jahr. Bisher wurde hier im Verbund mit Rastatt die B-Klasse produziert. Seit einigen Tagen wird ein Modell exklusiv nur in Ungarn gefertigt: Der CLA, Daimlers große Kompakthoffnung im Autojahr 2013. Ministerpräsident Viktor Orban und Konzernchef Dieter Zetsche kamen zum Produktionsstart. Das Fahrzeug wurde beim Super Bowl in den USA vor Hunderten Millionen Zuschauern beworben.

„In Rastatt hätten wir es schwer gehabt, die Kapazität in diesem Umfang zu erweitern. Hier konnten wir von null planen, alles optimal strukturieren“, sagt Frank Klein. Auf der grünen Wiese wurde so eines der modernsten Werke des Konzerns errichtet. Unter anderem steht in Kecskemét  das einzige Daimler-Presswerk außerhalb Deutschlands. 3000 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile am Standort und das in einer Region, in der die Industrie historisch keine Rolle gespielt hat.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Wie lockt man qualifizierte Mitarbeiter in die Puszta? „Das müssen wir gar nicht. Die meisten Mitarbeiter kommen aus der Region. Wir qualifizieren die Menschen hier vor Ort“, sagt Klein.Schon drei Jahre vor der Eröffnung des Werks wurde mit einer Mammutaufgabe begonnen: Tausende ungarische Mitarbeiter fit für die Ansprüche des Premiumautobauers zu machen.

Zehn Kilometer vom Werksgelände entfernt hat Daimler dafür ein 3000-Quadratmeter großes Ausbildungszentrum angemietet und 2,2 Millionen Euro in die Einrichtung investiert. Hier wurden die ersten Arbeiter des neuen Werks ausgebildet, des „Rückrat der Produktion“, wie Klein sie nennt. Nach ihrer Grundausbildung wurden sie für vier Wochen im Werk Rastatt von  ihren deutschen Kollegen angelernt. „„Wir können uns keine Fehler erlauben. Seit dem ersten Tag muss jedes Fahrzeug, das wir in Kecskemét produzieren, die gleichen Qualitätsansprüche erfüllen wie ein Mercedes aus Rastatt“, sagt Werkleiter Klein. 300 Kollegen aus Deutschland, so genannte Expats, sollen das deutsche Know-How in Ungarn implementieren.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

scharfschuetze

06.02.2013, 14:17 Uhr

Prima!
Dann sollen sie das Auto auch in Ungarn und Amiland verkaufen.
Die Mitarbeiter in Rastatt können dann ja entlassen werden, wenn sie den Ungarn alles gezeigt haben

dranny

07.02.2013, 07:42 Uhr

Die Mitarbeiter in Rastatt werden definitiv nicht entlassen. weil Gott sei dank mehr als genug Bestellungen für die beiden Werke vorhanden sind. (Ein MItarbeiter aus Kecskemét der gute Kollegen in Rastatt hat und dort 9 Monate verbrachte).

scharfschuetze

07.02.2013, 09:25 Uhr

Das entscheidet nicht der Mitarbeiter aus Kekskemet, sonder der "knallharte Sanierer" Zetsche.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×