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07.09.2016

19:20 Uhr

Daimler

Mit der „Schwarm-Organisation“ auf den Premium-Thron

Die wachsende Konkurrenz durch US-IT-Konzerne wie Google und Apple zwingt die traditionelle Autoindustrie, schneller zu agieren und ihre Strukturen zu überdenken. Daimler-Chef Zetsche setzt auf „Schwarm-Organisation“.

Eine „Schwarm-Organsiation“ die den Konzern komplett neu strukturiert, soll Daimler zurück an die Spitze der Premium-Autobauer bringen. Reuters

Daimler-Chef Dieter Zetsche

Eine „Schwarm-Organsiation“ die den Konzern komplett neu strukturiert, soll Daimler zurück an die Spitze der Premium-Autobauer bringen.

FrankfurtDaimler-Chef Dieter Zetsche will den deutschen Automobilbauer mit einem Konzernumbau fit für die Herausforderungen der Digitalisierung machen. „Wir stellen uns vor, dass wir kurzfristig, innerhalb von einem halben Jahr oder Jahr, rund 20 Prozent der Mitarbeiter auf eine Schwarm-Organisation umstellen“, sagte Zetsche der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Dabei sollen Mitarbeiter, die nicht in strikte Hierarchien eingebunden sind, für bestimmte Themen verknüpft werden.

Rund 1000 Führungskräfte und Mitarbeiter waren aufgefordert, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen, um die Unternehmenskultur von morgen zu erarbeiten. „Sie agieren unabhängig von Abteilungsgrenzen sehr autonom vernetzt, und das ist dann keinesfalls auf einzelne Projekte beschränkt, sondern eine dauerhafte Sache“, fügte Zetsche hinzu. Allein drei bis vier Prozent der Mitarbeiter sollen demnach in einem Schwarm tätig sein, der sich mit der Mobilität der Zukunft beschäftigt. Daimler habe dafür den Begriff „Case“ gewählt.

„'C' für connected cars, also die Digitalisierung des Verkehrs, 'a' für autonomes Fahren, 's' für shared mobility, also neue Geschäftsmodelle und 'e' für Elektrifizierung“, erklärte Zetsche. „Jede dieser Veränderungen für sich hat schon allein das Potenzial, alles auf den Kopf zu stellen. Für Daimler geht es ganz klar darum, in allen vier Feldern die führende Position zu belegen und vor allem das Zusammenspiel der Felder zu verstehen und zu nutzen.“ Statt bis zu sechs werde es nur noch zwei Hierarchiestufen geben. Bis 2020 soll das Konzept zur neuen Führungskultur vollständig umgesetzt werden.

Zetsche, der seit mehr als zehn Jahren sowohl den Konzern wie auch den Geschäftsbereich Mercedes führt, bekräftigte dabei den Anspruch trotz wachsenden Konkurrenz durch BMW und Audi die Krone als weltweit größter Premiumautobauer zurückerobern und zu verteidigen. „Im Augenblick haben wir das neueste Produktportfolio, aber das verschiebt sich in den nächsten Jahren auch wieder“, erklärte der Vorstandschef. „Es wird also nicht leichter. Aber ja, wir werden auch 2020 vorne sein.“ Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz ist dank Neuauflagen in der kompletten Modellpalette seit dreieinhalb Jahren auf Wachstumskurs. In diesem Jahr könnte es den Schwaben gelingen, die vor zehn Jahren an BMW verlorene Marktführung beim Absatz zurückzugewinnen.

Der vor knapp einem Jahr ausgebrochene Dieselskandal bei Volkswagen hat sich Zetsche zufolge bisher nicht auf die Verkaufszahlen niedergeschlagen. Mercedes verkaufe anteilig nicht weniger Diesel-Autos als vor Bekanntwerden der Abgasmanipulation. „Die Kunden haben in den Show-Rooms auch keine Fragen gestellt“, sagte Zetsche. Allerdings gibt es in den USA auch gegen Daimler wegen hoher Stickoxid-Werte Ermittlungen und Sammelklagen von Kunden. In Europa ruft Mercedes-Benz unter dem Druck des Bundesverkehrsministeriums rund 247.000 Fahrzeuge zurück, um die Abgasreinigung nachzubessern.

Zetsche räumte in dem „FAZ“-Interview zugleich ein, dass Veränderungen in guten Zeiten schwierig sind: „Die größten Fehler werden in Erfolgsphasen gemacht.“

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