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29.04.2013

14:21 Uhr

Daimler

Sprinter-Premiere mit Macken

VonLukas Bay

Daimler präsentiert mit dem neuen Sprinter das wichtigste Modell der Transporter-Sparte. Nach dem Crashtest-Debakel mit dem Kleintransporter Citan bemüht sich der Nutzfahrzeug-Riese um Wiedergutmachung.

Düsseldorf/StuttgartEigentlich hätte die Premiere des neuen Sprinters ganz harmonisch verlaufen können. Der unscheinbare Kastenwagen ist das Erfolgsmodell der Nutzfahrzeugsparte und Namensgeber seiner Klasse. 159.000 Sprinter wurden im vergangenen Jahr produziert und in rund 130 Länder weltweit ausgeliefert – rund 7.000 mehr als im Vorjahr. Nach Marktanteilen beherrscht er sein Segment. Ab September soll das neueste Modell ausgeliefert werden, das mit einem umfangreichen Sicherheitspaket punkten will. Doch die Premiere ist überschattet von dem schlechten Abschneiden des Kleintransporters Citan beim NCAP-Crashtest.

Der Kleintransporter, der in wesentlichen Teilen auf dem Renault Kangoo basiert, schnitt bei dem Test mit drei von fünf möglichen Punkten ab – schlimmer hätte es kaum kommen können. Es war ein Desaster mit Ansage. Seit 2011 soll die Führungsetage über die Sicherheitsmängel informiert gewesen sein, berichtet der Spiegel. Hundert Millionen Euro hätte es gekostet, das schlechte Abschneiden zu vermeiden. Elektronik und Karosserie hätten überarbeitet werden müssen. Doch die Daimler-Führungsetage soll sich geweigert haben, die Präsentation des Kleintransporters weiter hinauszuzögern. „In seiner Klasse schneidet der Citan immer noch gut ab“, versuchte Daimler-Vans-Chef Volker Mornhinweg auf der Sprinter-Präsentation zu beschwichtigen und schob das schlechte Abschneiden auf einen strengeren Test.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Gewinn

Methodik

In ihrer Studie "Forces at Work" haben die Unternehmensberater von McKinsey den Anteil der Lkw-Hersteller am weltweiten Profitpool 2011 berechnet. Wie Konzerne abgeschnitten haben...

Platz 9

Isuzu (Japan)

Lange gehörten die Japaner zur Spitzengruppe der größten Nutzfahrzeugherstellern der Welt. Doch das schwierige Geschäft auf dem Heimatmarkt und einige gescheiterte Kooperationen schmälern den Anteil am Gesamtprofit auf vier Prozent.

Platz 8

Iveco (Italien)

Die Fiat-Tochter produziert zwar in Turin, leitet sich aber aus dem englischen Namen Industrial Vehicles Corporation ab. Mit einem Anteil von vier Prozent am weltweiten Profitpool ist der Markt für die Italiener schwierig. Immer wieder werden Übernahmegerüchte laut.

Platz 7

Navistar (USA)

Die US-Amerikaner gehören zu den jüngsten Truckfirmen von internationalem Format. Der Konzern, der 1986 gegründet wurde, kommt auf einen Marktanteil von vier Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft auch überwiegend auf den Heimatmarkt.

Platz 6

Tata Motors (Indien)

Der indische Lkw-Markt hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt. Kein Wunder, dass mittlerweile auch der größte Truckhersteller des Landes im Konzert der Großen mitspielt. Insgesamt kommen die Inder auf einen Marktanteil von fünf Prozent.

Platz 5

PACCAR (USA)

Der profitabelste US-Truckhersteller sitzt bei Seattle und machte in Europa vor allem durch die Übernahme von DAF auf sich aufmerksam. Mit 13 Prozent Marktanteil haben sich die Amerikaner ihre Position im Weltmarkt erkämpft.

Platz 4

MAN (Deutschland)

Die zweitgrößte deutsche Lkw-Marke soll unter dem Dach des VW-Konzerns künftig enger mit Scania zusammenarbeiten. Auch ohne die Schweden kommt MAN auf einen Anteil am Profitpool von zehn Prozent.

Platz 3

Scania (Schweden)

Lange wehrten sich die Schweden gegen das Diktat aus Wolfsburg. Doch nun treibt der VW-Konzern die Zusammenarbeit mit MAN voran - und will damit auch den Druck auf die Konkurrenz erhöhen. Momentan kommt die Marke auf einen Anteil am weltweiten Profit von 11 Prozent.

Platz 2

Volvo (Schweden)

Die Schweden sind als global aufgestellter Truckkonzern mit einer Premiumstrategie einer der ertragreichsten Lkw-Hersteller. Mit einem Anteil von 14 Prozent am weltweiten Profitpool erreichen sie Silber.

Platz 1

Daimler (Deutschland)

Derzeit geht die Profitkrone noch an die Stuttgarter, die beim Umsatz und Gewinn der größte Hersteller der Welt sind. Weltweit kommen auf einen Anteil am Profitpool von 20 Prozent. Doch MAN und Scania wollen Daimler diese Krone mit ihrer Zusammenarbeit streitig machen.

Sonstige

Viele Lkw-Hersteller, die bei den Absatzzahlen glänzen, können keinen oder nur einen geringen Profit vorweisen. Darunter etablierte Marken wie Ford (Profitanteil: 0,22 Prozent), Toyota (0,16 Prozent) und Hyundai (0,11). Aber auch die Lkw-Hersteller aus den Schwellenländern wie Dongfeng (0,15 Prozent) und CNHTC (0,12 Prozent).

Daimler kann es sich derzeit nicht leisten, es sich mit Renault zu verscherzen. Denn die Kooperation im Transportersegment könnte bald auch auf Großtransporter ausgeweitet werden. „Wir führen erste Gespräche“, bestätigte eine Daimler-Sprecherin. Über Details und Ziele der Kooperationsgespräche verrät Daimler noch nichts. Dabei dürfte es genau auf diese Details ankommen: Bisher baut Renault mit dem Master ein eigenes Modell in der Sprinterklasse. Für eine Kooperation müssten Sprinter und Master auf eine Plattform gestellt werden.

Derzeit fertigen rund 6600 Mitarbeiter und 500 Industrieroboter den Kastenwagen im Norden von Düsseldorf. Daneben werden auch die Produktionen in Charleston (USA), González Catan (Argentinien) sowie Fuzhou (China) auf das neue Modell umgestellt und eine Gemeinschaftsproduktion mit dem russischen Hersteller GAZ in Nizhny Novgorod wird vorbereitet.

Für die Fertigung in Düsseldorf könnte die Kooperation mit den Franzosen von entscheidender Bedeutung sein. Denn ein Viertel der Produktion im Werk Düsseldorf geht derzeit noch direkt an Volkswagen. Der dort gefertigte VW Crafter ist in wesentlichen Teilen baugleich mit dem Sprinter. Bis 2016 läuft die Auftragsfertigung. Seit mehreren Monaten wird verhandelt – ein Ergebnis steht immer noch aus. Offiziell dauern die Verhandlungen weiter an. Doch es wird immer wahrscheinlicher, dass Volkswagen aus der Kooperation aussteigen wird.

Kommentare (7)

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Marko

29.04.2013, 15:43 Uhr

Daimler hat leider stark an Qualität nachgelassen und meiner Meinung nach auch im PKW-Bereich am Markt vorbei gebaut. Mich konnte jedenfalls keines der aktuellen Modelle mehr zum Kauf überzeugen. Nachdem jetzt auch noch klar ist, dass man Autos ven Renault mit einem Stern versieht und dann als MB verkauft, dann erübrigt sich für mich jeder Besuch bei MB. Schade! Einst standen sie für Qualität und das habe auch ich genossen.

Account gelöscht!

29.04.2013, 17:16 Uhr

Ja, man sollte sich tatsächlich mit dem beschäftigen, was MB in den letzten Jahren so abgeliefert hat:
Ich fahre noch einen 1969er 280S (W109) und einen 1980er 230E (W123). Beides sehr solide und sehr zuverlässige Fahrzeuge. Auch extrem günstig, wenn mal Ersatzteile fällig werden. Im Jahr 2006 habe ich die Ära Mercedes-Neuwagen definitiv beendet. Wenn schon der W210 richtig schlecht war, dann hat mein W211 (E320 CDI) alles an Murks übertroffen.
Und jeder noch so gut gemeinte Probefahrt-Versuch danach hat mich nur noch mehr enttäuscht.

Eddy

29.04.2013, 17:58 Uhr

Ich kann keine relevante Verbindung zwischen Citan-Drama und Sprinter-Einführung erkennen .. weder in Ihrem Artikel noch in der Realität.
Daher verstehe ich den Sinn dieses Artikels nicht .. handelt es sich um profanes Daimler-Bashing?

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