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08.06.2016

11:21 Uhr

Daimler Trucks

Daimler will Lkw-Sparte weiter auf Effizienz trimmen

Von einem Sparprogramm will Daimlers Nutzfahrzeugvorstand nicht sprechen. Der Sparkurs in dem Bereich wird aber fortgeführt. In Brasilien und Nordamerika fallen Tausende Stellen weg.

Das Unternehmen rechnet mit weniger Rendite. AP

Daimler Trucks

Das Unternehmen rechnet mit weniger Rendite.

Leinfelden-EchterdingenNach der Gewinnwarnung für Daimlers Nutzfahrzeugsparte feilt der Konzern weiter an den Kosten. Ausgaben für Material sollen gesenkt, die Produktpalette bis 2018 um ein Drittel verschlankt und die Effizienz in der Produktion weiter gesteigert werden. So soll die Herstellungszeit pro Fahrzeug bis 2018 um 25 Prozent gesenkt werden. In Brasilien und Nordamerika fallen dieses Jahr Tausende Stellen weg. Trotzdem wollte Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard am Mittwoch in Leinfelden-Echterdingen nicht von einem neuen Sparplan sprechen: „Wir brauchen kein zusätzliches Programm“, sagte er.

Vor zwei Jahren hatte Daimler in der Sparte mit Hilfe eines solchen Programms die Kosten um 1,6 Milliarden Euro gedrückt. Wie viel die neuen Maßnahmen in Euro einsparen sollen, ließ Bernhard offen. „Wir haben heute erheblich mehr Wasser unter dem Kiel als vor wenigen Jahren“, sagte er. Wenn die Märkte sich wieder erholten, werde sich zeigen, wie gut die Sparte aufgestellt sei, so Bernhard. Daimler will in den kommenden Jahren auch in China über sein Joint Venture mit Auman Trucks beispielsweise mehr Lastwagen im mittleren Preissegment verkaufen.

Das sind die größten Lkw-Märkte

Platz 10

Osteuropa - 48.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014*

Die Transportbranche in Osteuropa gilt als großer Hoffnungsträger für die Branche - und ist nach Ansicht der Unternehmensberater von Deloitte einer der dynamischsten Märkte weltweit. Die Verkäufe soll jährlich um zehn Prozent anziehen.

*Quelle: Deloitte Truck-Studie

Platz 9

Mittelamerika - 65.500 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die Nähe zu den USA lässt die Industrie florieren, die Nachfrage nach Transportdienstleistungen steigt - und damit auch die Lkw-Verkäufe. Bis 2024 soll der Absatz jährlich um fünf Prozent zulegen.

Platz 8

Japan - 77.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Auf den japanischen Straßen ist der Platz begrenzt, gefragt sind darum vor allem mittelgroße Lkw. Allerdings dürfte sich das Wachstum in Grenzen halten. Prognostiziert wird ein Marktzuwachs von jährlich einem Prozent.

Platz 7

Russland - 116.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der russische Markt hat viel Potential, obwohl in Russland viele Güter über die Schiene transportiert werden. Die aktuelle politische Lage verhagelt die Bilanz. Mittelfristig sieht die Perspektive besser aus.

Platz 6

Brasilien - 164.700 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die größte Volkswirtschaft Südamerikas hat viel Dynamik eingebüßt. Auch für den Lkw-Absatz sind die Prognosen mau. Der Markt soll bis 2024 jedes Jahr um etwa ein Prozent zulegen.

Platz 5

Südostasien - 168.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Thailand, Malaysia und Indonesien gelten als Wirtschaftsnationen mit Potential. Und auch die Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen legt jährlich um fünf Prozent zu.

Platz 4

Indien - 237.300 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch fristet der indische Lkw-Markt ein Schattendasein. Doch die Potentiale sind gigantisch. Im Jahr 2024, so prognostiziert es die Unternehmensberatung Deloitte, sollen dort 544.400 Lkw verkauft werden. Das jährliche Wachstum beträgt neun Prozent.

Platz 3

EU - 297.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch landet aber Europa, der Heimatmarkt von Daimler, MAN/Scania und Volvo, auf dem dritten Rang. Mit einem jährlichen Wachstum von vier Prozent bis 2024 ist die Entwicklung durchaus positiv.

Platz 2

USA - 377.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Bis auf Daimler tun sich die europäischen Hersteller noch schwer auf dem US-Markt. Nach Jahren der Konsolidierung sind dort deutlich weniger Wettbewerber im Markt.

Platz 1

China - 985.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der größte Lkw-Markt der Welt wird regiert durch die lokalen Hersteller. Die schiere Menge an verkauften Lkw kaschiert, dass es sich dabei vor allem um kleine, günstige Modelle handelt. Auch die Wachstumsprognosen sind nach Ansicht von Deloitte eher bescheiden. Sie gehen von einem jährlichen Wachstum von einem Prozent aus.

Die Absatzkrise in wichtigen Märkten hatte den Autokonzern im Mai dazu gezwungen, die Prognosen für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie den Absatz zurückzunehmen. In den USA und Brasilien laufen die Geschäfte noch schwächer als erwartet. In Europa wächst der Markt zwar weiter, allerdings gebe es dort einen sehr aggressiven Preiswettbewerb. Auch die Umsatzrendite, für die Daimler in der Sparte bis 2020 acht Prozent anpeilt, werde sinken, sagte Bernhard. Im vergangenen Jahr lag der Anteil vom Ebit am Umsatz im laufenden Geschäft bei 7,3 Prozent.

„Wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir mit weniger Mitarbeitern mehr Fahrzeuge herstellen“, sagte der Chef von Daimlers Lastwagengeschäft, Stefan Buchner. In Nordamerika fallen in diesem Jahr gut 2500 Stellen weg. Damit sei man auf dem Minimalbestand, sagte Bernhard. Weitere Einschnitte könne er trotzdem nicht ausschließen. Ende 2015 beschäftigte Daimler in den USA noch 17.127 Mitarbeiter.

In Brasilien streicht der Konzern in diesem Jahr noch einmal 2.000 Arbeitsplätze, nachdem 2015 schon 3.200 Stellen wegfielen. Damit sinkt die Mitarbeiterzahl auf 8.200. Ende März beschäftigte der Konzern weltweit in seiner Nutzfahrzeug-Sparte 84 500 Mitarbeiter. In Deutschland rechnet Bernhard aufgrund der guten Marktlage in Europa mit einer stabilen Beschäftigung. Hierzulande sind Kündigungen für die nächsten Jahre ausgeschlossen.

Von

dpa

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