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24.04.2013

12:34 Uhr

Daimler und Renault

Peinliche Premiere der deutsch-französischen Allianz

VonLukas Bay

Gemeinsam wollen Renault und Daimler ihre Modelllücken schließen. Doch im Detail entpuppt sich die deutsch-französische Allianz als ziemlich tückisch. Das erste gemeinsame Auto floppt im Crashtest.

Daimler-Chef Dieter Zetsche und Nissan-Renault-Chef Carlos Ghosn müssen mehr Gemeisamkeiten finden. Reuters

Daimler-Chef Dieter Zetsche und Nissan-Renault-Chef Carlos Ghosn müssen mehr Gemeisamkeiten finden.

DüsseldorfEs war eine schöne Liebeserklärung, damals in Paris im Sommer 2012. Zwei Jahre nach der Verkündung ihrer Allianz erklärten Nissan-Renault-Chef Carlos Ghosn und Daimler-Chef Dieter Zetsche auf dem Autosalon, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen. Das erste Kind der Kooperation rollte da schon über die Straßen. Der Kleintransporter von Mercedes, der Citan, in weiten Teilen baugleich mit dem Renault Kangoo, schloss eine wichtige Lücke in der Daimler-Modellpalette. Und auch einige Motoren und Getriebe wolle man künftig gemeinsam bauen, verkündeten die Unternehmenschefs.

Mittlerweile ist der Zauber des Anfangs verflogen. Beide Autobauer stecken auch im neuen Jahr in der Absatzkrise. Daimler musste nun sogar die Gewinnprognose kassieren, Nissan-Renault macht wieder Verlust. Dazu kommen weitere schlechte Nachrichten: Der im Renault-Werk Mauberge gefertigte Citan schneidet im Euro NCAP-Crashtest mit nur drei Sternen von möglichen fünf ab - ein Armutszeugnis. Die Probleme, die schon beim Kangoo im Jahr 2008 festgestellt worden waren, scheinen im Daimler-Modell übernommen worden zu sein. Peinlicher hätte das erste gemeinsame Modell der deutsch-französischen Allianz kaum starten können.

Blamage für Daimler: Citan fällt mit schwachem Crashtest auf

Blamage für Daimler

Citan fällt mit schwachem Crashtest auf

Drei Sterne, die nicht glänzen. Der vor allem bei Familien und Dienstleistungsunternehmen beliebte Mercedes Citan hat im Euro NCAP-Crashtest nur drei von fünf möglichen Sternen bekommen.

Auch bei den Premiummodellen hakt die Zusammenarbeit: Vor wenigen Tagen beerdigten die Franzosen ihre Pläne, ins Luxussegment vorzustoßen. Eigentlich wollte Renault die Architektur der E-Klasse nutzen, um ein eigenes Premiumauto zu entwickeln. Vorbei – die Pläne seien nicht wirtschaftlich sinnvoll, ließ das Unternehmen durchklingen. Die Kooperation in der Oberklasse beschränkt sich damit bisher auf eine gemeinsame Fertigung von Automatikgetrieben für Fahrzeuge der Nissan-Nobelmarke Infiniti ab 2016. In Mexiko entsteht darum eine gemeinsame Motorenfertigung der Konzerne.

Allzu große Kooperationsgewinne sind in der Premiumklasse damit nicht zu erwarten. Besser sieht es bei den Kleinstwagen aus. Für Smart und Twingo feilen Daimler und Renault derzeit an einer gemeinsamen Plattform. In der Mercedes-Benz-A-Klasse ist schon heute ein 1,5-Liter-Diesel aus dem Hause Renault verbaut, der künftig in der B-Klasse befeuern und sogar in die C-Klasse einziehen soll.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Sollte die Absatzkrise anhalten, dürfte auch die Fertigung von von Mercedes-Fahrzeugen in Renault-Werken wieder diskutiert werden. „Das könnte sich in einzelnen Ländern als sinnvoll oder sogar notwendig erweisen“, hatte Zetsche schon in Paris verkündet – doch damit vor allem auf die Märkte in Südamerika angespielt, die durch hohe Importzölle ein problematischer Markt für ausländische Autohersteller sind. Aber auch die Fertigung von Mercedes-Modellen in Frankreich schließt Ghosn nicht aus. „Mit leichten Nutzfahrzeugen machen wir das ja schon“, sagt Ghosn. So sollen die ungenutzten Kapazitäten der Franzosen besser ausgefüllt werden.

Welche Autostandorte die beste Qualität produzieren

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Produktqualität der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

Türkei
Nirgendwo wird die Produktqualität schlechter bewertet als in der Türkei. Nur zwei Prozent der befragten Unternehmen halten die Türken für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 17

Ungarn
Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Produktqualität hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 20 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Indien
Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Darunter leidet auch die Bewertung der Produktqualität. Vier Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 22 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 15

Polen
Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch die Produktqualität wird nicht sonderlich hoch bewertet. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für wettbewerbsfähig.

Platz 14

Russland
Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Produktqualität besteht Nachholbedarf. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

Slowakei
Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet in der Bewertung der Produktqualität ebenfalls eher schlecht ab. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

China
Als Absatzmarkt ist China für die Hersteller immens wichtig, in der Produktion gibt es offensichtlich noch Probleme. Nur fünf Prozent halten China in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 27 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Spanien
Auch in Spanien werden derzeit die Autoproduktionen wieder hochgefahren. Sechs Prozent halten das Land in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 28 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Brasilien
Einen großen Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Produktqualität bewerten sieben Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 29 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Tschechien
Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen in punkto Produktqualität einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 31 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Italien
Auch wenn die Autoindustrie des Landes leidet, an der Produktqualität in der Heimat von Fiat und Ferrari kommen nur wenige Zweifel aus. Sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in diesem Punkt für sehr wettbewerbsfähig, 34 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Frankreich
Auch wenn der Mittelfeldplatz anderes vermuten lässt: Auch in punkto Produktqualität sind die Franzosen der große Verlierer des Rankings. Satte 15 Prozentpunkte hat der Standort seit 2011 eingebüßt. Mittlerweile halten nur noch zehn Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 34 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

England
Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Produktqualität halten die Briten immerhin den Anschluss an die Spitzengruppe. 13 Prozent bewerten die Heimat von Mini und Rolls Royce als sehr wettbewerbsfähig, 35 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

USA
Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Produktqualität hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 47 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

Südkorea
Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt auch an der Produktionsqualität der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Qualitätsranking satte 22 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 19 Prozent aller befragten Unternehmen ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 42 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Schweden
Auch in der Produktqualität belegt die Heimat von Volvo einen Spitzenplatz. 14 Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 19 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 43 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Japan
Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Produktqualität. 28 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 44 als eher wettbewerbsfähig. Das sind satte 18 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Platz 1

Deutschland
Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa qualitativ hochwertiger als Deutschland. Satte 51 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Produktqualität, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig

Auch bei den alternativen Antrieben sind die Partner aufeinander angewiesen. Gemeinsam mit Ford wollen die Unternehmen die Kommerzialisierung der Brennstoffzelle vorantreiben. Ein Projekt, das Daimler schon seit Jahren, doch bisher vergeblich, umtreibt. Die ersten Serienmodelle, die Daimler eigentlich für 2014 angekündigt hatte, will die Allianz nun erst 2017 vorstellen.

So problematisch sich der Flirt zwischen Daimler und Renault-Nissan sich auch erweist, eine Trennung scheint derzeit ausgeschlossen. 

Kommentare (22)

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Vicario

24.04.2013, 12:50 Uhr

Zitat : So problematisch sich der Flirt zwischen Daimler und Renault-Nissan sich auch erweist, eine Trennung scheint derzeit ausgeschlossen.

- Zetsche war zusammen mit Schremp ein Hauptakteur beim Desaster mit Chrysler ! Bei diesem Abenteuer haben die Blender 100 Mrd. € versemmelt. An diese Größenordnung ist er beim nächsten Desaster mit Renault noch nicht aufgeschlossen. Deswegen wird das Abenteuer noch eine Weile dauern !

Diese Macher gehören vor einen Kadi und nicht ins Management von Großkonzernen. Sie ruinieren die Deutsche Industrie, in diesem Fall zeichnet sich das langsame Sterben einer Auto-Nobelmarke schon lange ab. Es wird Zeit, dass die Aktionäre aufwachen und den Versager vor die Tür setzen !

Ferdinand_Piech

24.04.2013, 12:57 Uhr

R a u s mit Zetsche!

Ron

24.04.2013, 13:02 Uhr

Daimler entwickelt sich immer mehr zum Übernahmekandidaten, noch drei Jahre dann wird VW zuschlagen und Daimler ist neu eine Marke von vielen in VW Konzern.

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