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06.04.2011

13:18 Uhr

Daimler & Rolls-Royce

Offizielles Übernahmeangebot für Tognum

Daimler und Rolls-Royce haben ein offizielles Übernahmeangebot für den Dieselmotorenhersteller Tognum vorgelegt. Den gebotenen Preis von 24 Euro je Aktie hat der Tognum-Chef bisher für zu niedrig erklärt.

Montage eines Dieselmotors bei der Tognum-Tochtergesellschaft MTU in Überlingen am Bodensee. Quelle: dpa

Montage eines Dieselmotors bei der Tognum-Tochtergesellschaft MTU in Überlingen am Bodensee.

Frankfurt Daimler und Rolls-Royce wollen den Kauf des Dieselmotor-Spezialisten Tognum für gut drei Milliarden Euro unter Dach und Fach bringen. Beide Unternehmen legten am Mittwoch das offizielle Übernahmeangebot für den Konzern aus Friedrichshafen vor und bieten - wie vor rund einem Monat angekündigt - 24 Euro je Tognum-Aktie. Hinzu kommt voraussichtlich eine Dividende von 50 Cent. Der Tognum-Vorstand und Großaktionär ING haben jedoch deutlich gemacht, dass sie einen höheren Preis erwarten.

Der Stuttgarter Autobauer und der britische Triebwerkhersteller wollen Tognum nach der Übernahme zu einem führenden Anbieter von Antriebssystemen und dezentralen Energieerzeugungssystemen ausbauen und vor allem in Schwellenländern expandieren. "Damit werden Voraussetzungen geschaffen, dass das Unternehmen langfristig weiter profitabel wächst", erklärte Daimler. Die bestehenden Standorte sollen beibehalten werden, ein Arbeitsplatzabbau sei nicht geplant. Das Tognum-Management um den scheidenden Vorstandschef Volker Heuer hat die Pläne grundsätzlich begrüßt, pokert aber noch um eine Aufstockung der fast 3,2 Milliarden Euro schweren Offerte. "Über die Höhe des Angebotspreises wurde noch kein Einverständnis erzielt", hatte das Unternehmen erklärt.

Auch andere Aktionäre setzen offenbar auf eine höhere Offerte. Die Tognum-Aktie lag am Dienstag nahezu unverändert bei 25,55 Euro und damit oberhalb des Angebotspreises. Die Papiere von Daimler und Rolls-Royce legten leicht zu.

"Vorstand und Aufsichtsrat werden das Angebot prüfen und zu gegebener Zeit eine Stellungnahme abgeben", sagte eine Tognum-Sprecherin am Mittwoch. Großaktionär ING, der nach eigenen Angaben rund neun Prozent an Tognum hält, bekräftigte seine ablehnende Haltung. "Wir werden das Angebot prüfen, aber haben kürzlich in unserem Brief sehr klar gemacht, was wir erwarten", sagte ein ING-Vertreter zu Reuters. In dem Brief hatte ING einen Preis von 30 bis 32 Euro je Aktie gefordert. Der faire Wert der Tognum-Aktie liege derzeit schon bei 27 bis 29 Euro, argumentiert die Fondssparte der niederländischen Bank.

Einschließlich der vom Käufer ins Auge gefassten Synergieeffekte müssten noch drei Euro je Aktie dazukommen.

Ein Daimler-Sprecher bekräftigte, dass der Konzern die Offerte nicht aufstocken will. Der Kaufpreis liege rund 30 Prozent über dem Kurs von Tognum vor Bekanntwerden der Übernahmepläne und sei "hoch attraktiv". Die Offerte läuft bis einschließlich 18. Mai und gilt nur, wenn Daimler und Rolls-Royce zusammen auf über 50 Prozent der Anteile kommen.

Aktionäre, die ihre Papiere andienen, erhalten zudem eine Dividende, sofern die Tognum-Hauptversammlung am 11. Mai der vorgeschlagenen Ausschüttung von 50 Cent je Aktie zustimmt.

Daimler liefert jährlich Lkw-Motoren im Wert von hunderten Millionen Euro an Tognum und will sich mit der Übernahme auch einen wichtigen Absatzkanal sichern. Der Autobauer hatte die ehemalige MTU Friedrichshafen einst an den Finanzinvestor EQT verkauft, war nach dem Börsengang 2007 jedoch wieder eingestiegen und hält derzeit 28,4 Prozent an Tognum.

Von

rtr

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