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22.02.2016

12:35 Uhr

Daimler

„Verheißungsvoller“ Jahresstart im Truck-Geschäft

Europa hui, Brasilien und Nordamerika pfui: Das Lkw-Geschäft von Daimler hat derzeit Licht und Schatten. Dennoch rechnet Spartenchef Bernhard damit, dass Rekordniveau bei Absatz und Ergebnis zu halten.

Daimler will 2016 erneut 500.000 Lkw verkaufen. dpa

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Daimler will 2016 erneut 500.000 Lkw verkaufen.

StuttgartAngesichts der Flaute in allen anderen großen Märkten hat sich Europa zu Jahresbeginn zur tragenden Säule des Lkw-Geschäfts von Daimler entwickelt. „Der erste Monat war eher verheißungsvoll“, sagte Daimler-Trucks-Chef Wolfgang Bernhard am Montag in Stuttgart. Für den europäischen Lkw-Markt erwartet er leichten Zuwachs, weil die Finanzierungskosten dank niedriger Zinsen günstig seien und es nach der Krise in Südeuropa Nachholbedarf gebe.

In Nordamerika erwartet der Weltmarktführer für Schwerlastwagen nach kräftigem Wachstum im vergangenen Jahr ein Absatzminus am Markt von zehn Prozent. Bei Konkurrent Volvo und seiner US-Tochter Mack war der Auftragseingang in Nordamerika im vierten Quartal bereits um 58 Prozent eingebrochen.

Das Geschäft sei im Januar so verlaufen wie erwartet, so Bernhard. Die wichtigen Schwellenländer Brasilien und Indonesien seien dagegen sehr schwach gestartet. „Wir erwarten trotzdem, dass wir unser hohes Absatzniveau von 500.000 Lkw dieses Jahr halten können“, sagte Bernhard.

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In Brasilien erwartet Daimler einen weiteren Marktrückgang um zehn Prozent, nachdem die Nachfrage 2015 wegen der Rezession in dem Land um die Hälfte eingebrochen war. „Bisher ist noch keine Bodenbildung abzusehen“, sagte Bernhard. Im vergangenen Jahr hatte Daimler die Pläne zur Streichung von 1500 Stellen in dem Land nach Gewerkschafts-Protesten fallen lassen. Die Jobs sind aber nur bis August gesichert.

Schon jetzt sind einer Sprecherin zufolge Mitarbeiter im bezahlten Urlaub, parallel laufen Gespräche mit den Gewerkschaften. Es werde zwar nach sozialverträglichen Lösungen gesucht, Kündigungen könne er aber nicht ausschließen, sagte Bernhard. In dem Land beschäftigte Daimler zuletzt gut 10.000 Mitarbeiter in seinen Lkw-Werken – schon in den vergangenen drei Jahren waren etwa 3000 Mitarbeiter mit Abfindungen zum Gehen bewegt worden.

In den USA verloren seit Jahresbeginn 2100 Mitarbeiter ihren Job. Insgesamt beschäftigte Daimler Trucks dort Ende 2015 rund 15.000 Mitarbeiter an fünf Standorten. Weitere Stellenstreichungen seien in den USA nicht geplant, solange der Markt nicht stärker schrumpfe.

Das sind die größten Lkw-Märkte

Platz 10

Osteuropa - 48.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014*

Die Transportbranche in Osteuropa gilt als großer Hoffnungsträger für die Branche - und ist nach Ansicht der Unternehmensberater von Deloitte einer der dynamischsten Märkte weltweit. Die Verkäufe soll jährlich um zehn Prozent anziehen.

*Quelle: Deloitte Truck-Studie

Platz 9

Mittelamerika - 65.500 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die Nähe zu den USA lässt die Industrie florieren, die Nachfrage nach Transportdienstleistungen steigt - und damit auch die Lkw-Verkäufe. Bis 2024 soll der Absatz jährlich um fünf Prozent zulegen.

Platz 8

Japan - 77.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Auf den japanischen Straßen ist der Platz begrenzt, gefragt sind darum vor allem mittelgroße Lkw. Allerdings dürfte sich das Wachstum in Grenzen halten. Prognostiziert wird ein Marktzuwachs von jährlich einem Prozent.

Platz 7

Russland - 116.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der russische Markt hat viel Potential, obwohl in Russland viele Güter über die Schiene transportiert werden. Die aktuelle politische Lage verhagelt die Bilanz. Mittelfristig sieht die Perspektive besser aus.

Platz 6

Brasilien - 164.700 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die größte Volkswirtschaft Südamerikas hat viel Dynamik eingebüßt. Auch für den Lkw-Absatz sind die Prognosen mau. Der Markt soll bis 2024 jedes Jahr um etwa ein Prozent zulegen.

Platz 5

Südostasien - 168.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Thailand, Malaysia und Indonesien gelten als Wirtschaftsnationen mit Potential. Und auch die Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen legt jährlich um fünf Prozent zu.

Platz 4

Indien - 237.300 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch fristet der indische Lkw-Markt ein Schattendasein. Doch die Potentiale sind gigantisch. Im Jahr 2024, so prognostiziert es die Unternehmensberatung Deloitte, sollen dort 544.400 Lkw verkauft werden. Das jährliche Wachstum beträgt neun Prozent.

Platz 3

EU - 297.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch landet aber Europa, der Heimatmarkt von Daimler, MAN/Scania und Volvo, auf dem dritten Rang. Mit einem jährlichen Wachstum von vier Prozent bis 2024 ist die Entwicklung durchaus positiv.

Platz 2

USA - 377.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Bis auf Daimler tun sich die europäischen Hersteller noch schwer auf dem US-Markt. Nach Jahren der Konsolidierung sind dort deutlich weniger Wettbewerber im Markt.

Platz 1

China - 985.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der größte Lkw-Markt der Welt wird regiert durch die lokalen Hersteller. Die schiere Menge an verkauften Lkw kaschiert, dass es sich dabei vor allem um kleine, günstige Modelle handelt. Auch die Wachstumsprognosen sind nach Ansicht von Deloitte eher bescheiden. Sie gehen von einem jährlichen Wachstum von einem Prozent aus.

Trotz der trüben Aussichten will Bernhard das 2015 erreichte Rekordniveau bei Absatz und Gewinn halten. Mit gut einer halben Million verkauften Nutzfahrzeuge hatte die Lkw-Sparte einen operativen Gewinn von 2,7 Milliarden Euro erwirtschaftet, ein Sprung um einen Drittel. Die Rendite war um fast einen Prozentpunkt auf 7,3 Prozent gestiegen und hatte sich damit der Zielmarke von acht Prozent weiter genähert.

In China, wo Daimler Lkw über ein Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Foton verkauft, habe sich der Markt nach einem starken Rückgang stabilisiert, sagte Bernhard. Für die Zukunft setzt Bernhard seine Hoffnungen auf Afrika und den Iran. Erst kürzlich hatte Daimler in Nairobi ein Vertriebszentrum eröffnet. Zwar verkauft der Hersteller dort nur etwas mehr als ein Prozent seiner Lkw. „Wir sind wild entschlossen, den afrikanischen Kontinent nicht allein unseren Wettbewerbern zu überlassen.“

Im Iran hatte Daimler-Vorstand Bernhard kürzlich Absichtserklärungen für Vertriebs-Kooperationen geschlossen. „Wir glauben, dass Iran ein Markt ist, der in der Größenordnung so groß sein könnte wie die Türkei“, sagte Bernhard. Das seien etwa 40.000 Lkw im Jahr.

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