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12.07.2013

11:02 Uhr

Daimlers Kältemittel-Streit

Regierung will den kalten Krieg entschärfen

Die Bundesregierung setzt im Streit mit Frankreich um das Kältemittel R1234y auf Entspannung. Derweil bleibt der Zulassungsstopp für einige Daimler-Modelle bestehen. Politiker wittern eine Retourkutsche der Franzosen.

Ausgebremst: Beim Autosalon Paris feierte der Daimler-Chef Zetsche die Premiere des SLS AMG. Derzeit haben Frankreichs Behörden einige Mercedes-Modelle wegen der Nutzung eines umstrittenen Kältemittels gestoppt. dpa

Ausgebremst: Beim Autosalon Paris feierte der Daimler-Chef Zetsche die Premiere des SLS AMG. Derzeit haben Frankreichs Behörden einige Mercedes-Modelle wegen der Nutzung eines umstrittenen Kältemittels gestoppt.

BerlinDer Streit mit Frankreich wegen der Verwendung eines Klimaanlagen-Kältemittels in Mercedes-Fahrzeugen wird zum Politikum. „Wir beobachten die Sache aufmerksam“, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Bundesregierung stehe dazu in Kontakt mit der EU-Kommission und den französischen Behörden.

Die Bundesregierung bemüht sich, Schärfe aus dem immer heftiger geführten Streit zu nehmen. Eine Versachlichung der Diskussion wäre wünschenswert, hieß es im deutschen Wirtschaftsministerium. Was den Streitgegenstand selbst angeht, so muss nach Einschätzung des Ministeriums die bisherige Risikoabschätzung für das Kältemittel R1234yf überprüft werden.

Derzeit haben Frankreichs Behörden einige Mercedes-Modelle wegen der Nutzung eines umstrittenen Kältemittels gestoppt. Die Klimaanlagen der Fahrzeuge sind mit dem nach EU-Vorschriften unzulässigen Kühlmittel R134a ausgerüstet. Eine vom Kraftfahrtbundesamt nachträglich erteilte Genehmigung, die den Einsatz in den Kompaktmodellen der A- und B-Klasse sowie im Sportwagen SL dennoch erlaubt, wollen die Franzosen nicht anerkennen. In diese Neuwagen müsste gemäß der ursprünglichen Zulassungsgenehmigung seit Jahresbeginn das klimaschonendere Kältemittel R1234yf eingefüllt werden. Diese Vorgabe boykottiert Daimler allerdings, da der Autobauer dieses Kältemittel für zu gefährlich hält. Bei einem Unfall und einem Leck im Klimasystem könnte es sich entzünden, argumentiert der Konzern.

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Frankreich stoppt die Zulassung für neue Kompaktmodelle und Sportwagen von Mercedes. Die Klimaanlage entspreche nicht den EU-Vorgaben, sagen die Pariser Behörden. Die Deutschen halten das Vorgehen für rechtswidrig.

Je nach Dauer des Zulassungsstopp könnten bis zu 30.000 Fahrzeuge betroffen sein. Die in Frankreich verkauften Wagen der A-, B- und SL-Klasse machen hochgerechnet im Jahr etwa zwei Prozent der weltweiten Fahrzeugregistrierungen von Mercedes aus . „Wir stehen mit den französischen Behörden in Kontakt, haben aber derzeit keine Erklärung für das Verhalten“, ergänzte ein Sprecher. Alle von dem Zulassungsstopp betroffenen Autokäufer in Frankreich erhielten einen Leihwagen.

EU-Industriekommissar Antonio Tajani droht Deutschland seit Monaten mit einem Vertragsverletzungsverfahren. Im Bundestag wird die französische Haltung auch als Retourkutsche für die jüngste Blockade Deutschlands bei der Verschärfung der CO2-Emissionen von Neuwagen ab 2020 eingeschätzt. „Die kontroverse CO2-Debatte zeigt, dass die führenden Spieler in Europa mit divergierenden Interessen ringen“, sagte der CDU-Abgeordnete Steffen Bilger, der dem Verkehrsausschuss angehört. Der Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter sagte, Paris nutze die Gelegenheit „um zurückzuschießen“.

Kommentare (4)

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Wolf

12.07.2013, 11:56 Uhr

Frankreich stützt seine Autobauer mit massiven Krediten zu Sonderkonditionen. Man könnte ja mal darauf hinweisen, dass das nicht mit den Wettbewerbsbestimmungen des Binnenmarktes konform geht. Statt dessen will unsere Regierung die Situation entschärfen. In allen Dingen nachzugeben gilt in Berlin wohl als gute Politik.

nobum

12.07.2013, 12:15 Uhr

Hat Daimler denn einen verletzten Autofahrer als Beweis für seine These?

ROMA

14.07.2013, 17:31 Uhr

Dann soll Mercedes doch die Autos für Frankreich mit dem Kältemittel R1234yf befüllen. In diesem Feldversuch kann dann die Gefährlichkeit dieses Killermittels belegt werden.

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