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18.02.2011

08:19 Uhr

Industrie

Das Buch der 1001 Chancen

VonMatthias Eberle

Die Golfregion bietet viele Chancen für deutsche Unternehmen. Das erkennt Michael Backfisch in "Die Scheich-AG" und beschreibt, warum man dem Ruf nach Arabien unbedingt folgen sollte.

Die Golfregion boomt weiter. Quelle: Reuters

Die Golfregion boomt weiter.

DüsseldorfDas Wirtschaftswunder am Golf ist Realität. Wer seinen Blick nach Katar richtet, sieht zwar keine blühenden Landschaften. Aber er staunt über Wachstumsraten, die selbst China, die Mutter aller Boom-Länder, blass aussehen lassen. Der IWF sagt für Katar 2011 ein Wirtschaftswachstum von fast 19 Prozent voraus, nach 16 Prozent im Vorjahr. Getragen von hohen Energiepreisen, schwimmt der weltgrößte Flüssiggas-Exporteur in Geld – genau wie einige Nachbarn auf der Arabischen Halbinsel, die gemeinsam über 37 Prozent der nachgewiesenen Ölreserven verfügen.

Michael Backfisch, ehemals stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts und zuletzt dessen Nahost-Korrespondent, hat den wirtschaftlichen Aufbruch der Golf-Region ausführlich studiert. Er lebt seit 2006 in Dubai und hat in einer Region, die als sehr verschlossen gilt, exklusive Kontakte zu Entscheidern aus Wirtschaft und Politik aufgebaut. In seinem Buch „Die Scheich-AG“ beschreibt er, wie deutsche Unternehmen vom Wirtschaftswunder am Golf profitieren können. „Made in Germany“ hat in dieser Region einen besonders famosen Ruf. Das ist verbrieft, seit Staatsfonds aus Abu Dhabi und Katar 2009 als Großaktionäre bei Daimler und VW einstiegen.

Backfisch redet Deutschland ins Gewissen, den umgekehrten Weg zu wählen: „Auf nach Arabien!“ heißt sein Rat. Er sieht große Chancen für Konzerne, Mittelständler und kleinere Firmen – „vorausgesetzt, sie bringen Geduld und die Bereitschaft mit, sich auf eine völlig andere Kultur mit anderen Gepflogenheiten einzulassen“. Ob Dubai und Abu Dhabi, Doha oder Dschidda: „Was mir an diesen Städten imponiert, ist der Wille der Regierungen, der Wüste ein Stück Modernität abzutrotzen“, schreibt Backfisch.

Der Leser spürt die Begeisterung des Autors immer dann, wenn Backfisch zu jenen Superlativen greift, die einst in Dubai inflationär Verwendung fanden: Vom „Exportparadies“ ist die Rede, von der „Wachstumsmaschine Arabien“ und einem „Wandel mit Lichtgeschwindigkeit“. Das liest sich als Einladung, bisweilen regelrecht als Aufforderung, in dieser Region rasch zu investieren, bevor es Chinesen oder Koreaner tun.

Unterm Strich ist Backfischs Buch, gespickt mit einer Vielzahl hochkarätiger Interviewpartner, ein optimistisches, fast stürmisches Brevier der 1001 Chancen geworden. Die Risiken dieses Standorts, der an eine ganze Reihe von Krisenherden angrenzt, tauchen auf 220 Buchseiten zwar hin und wieder auf, nehmen aber vergleichsweise wenig Platz ein.

Die jüngsten Schlagzeilen beleuchten diese Risiken umso ausführlicher, weil der menschliche Drang nach Freiheit in Nahost wie eine Epidemie um sich greift. Protestaufrufe in Kuwait, „Tage des Zorns“ im Jemen und Massendemonstrationen in Bahrain beginnen ganz Arabien nervös zu machen.

Sie widerlegen nicht die These der „Wachstumsmaschine“. Exportparadiese aber wünscht man sich ruhiger und mit friedlichen Nachbarn, die sich vom Fortschrittsglauben in Abu Dhabi, Dubai und Katar anstecken lassen. Sollte das Nordafrika-Virus selbst die Golfstaaten infizieren, wird wohl bald das Buch der 1001 Risiken geschrieben – womöglich noch im laufenden Jahr.

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