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29.01.2010

15:01 Uhr

Das Testat

Ohne die Tochter geht es nicht

VonMaike Telgheder

Bei Fresenius sind Mutter und Tochter gemeinsam im Dax. Zwar laufen die Ratings der beiden Unternehmen meist im Gleichklang - doch haben die beiden Unternehmen durchaus unterschiedliche Geschäftsmodelle. Es gilt: Die Fresenius SE kann nicht ohne ihre größere Tochter Fresenius Medical Care sein.

Bei Fresenius verdient die Tochter mehr als die Mutter. ap

Bei Fresenius verdient die Tochter mehr als die Mutter.

FRANKFURT. Mutter und Tochter gemeinsam im Dax, das gibt es nicht oft. Die Post und die Postbank waren mehrere Jahre ein Beispiel, die Gesundheitsunternehmen Fresenius SE und Fresenius Medial Care sind seit zehn Monaten ein weiteres. Doch während die Postbank bis spätestens 2012 von der Deutschen Bank übernommen wird, gibt es bei der Fresenius SE keinerlei Anzeichen, den Spross loszulassen. Schließlich liefert der weltweit größte Dialysekonzern FMC der Mutter einen satten Umsatzbeitrag von rund 60 Prozent und sogar zwei Drittel des operativen Ergebnis (Ebit).

Analysten und Ratingagenturen kritisieren diese engen Familienbande bisweilen, weil Ereignisse, die die eine betreffen, immer auch irgendwie auf die andere wirken. Die Ratings und auch die Kaufempfehlungen für FMC und FSE laufen zumeist im Gleichklang, auch wenn beide Unternehmen durchaus unterschiedliche Geschäftsmodelle haben. FMC ist mit dem Dialysegeschäft sozusagen der „Pure Play“ in der Familie, Fresenius SE dagegen mit der Ernährungs- und Infusionslösungssparte Kabi, der Klinikkette Helios sowie Klinikdienstleistungen deutlich breiter aufgestellt.

Der Grund für die enge Mutter-Tochter-Beziehung ist in der Historie zu suchen. Als die ehemalige Fresenius-Inhaberin Else Kröner ihre Firmenanteile der von ihr gegründeten Stiftung vererbte, verfügte sie, dass das Unternehmen möglichst als Ganzes erhalten und fortgeführt werden sollte. Dieser Wille hat auch bisherige Akquisitionen von Fresenius maßgeblich beeinflusst. Als Fresenius Mitte der 90er-Jahre in den USA die viel größere Dialyse-Firma National Medical Care kaufen wollte, wurde der Deal unter anderem finanziert, indem NMC mit den Dialyse-Aktivitäten von Fresenius zur Fresenius Medical Care fusioniert und im Herbst 1996 an die Börsen von New York und Frankfurt gebracht wurde. Um die Verschuldung abzubauen, gab FMC unter anderem auch Vorzugsaktien heraus. Fresenius behielt aber mit mehr als 50 Prozent der Aktien die Mehrheit. 2005/06 dann wandelte Fresenius die Tochter in eine KGaA um; die nunmehr 36 Prozent der Stimmrechte sichern einen maßgeblichen Einfluss.

Am Börsenwert gemessen war die Tochter stets viel größer als die Mutter, erst seit die Fresenius SE im März 2009 zur Tochter in den Dax aufstieg, hat sich der Abstand deutlich verringert. Dabei liefen die Dinge gerade für Fresenius SE im vergangenen Jahr nicht so gut wie zunächst geplant, während FMC zuletzt die Ertragsprognose anhob. Nicht, dass man bei Fresenius befürchtet, die Ziele für 2009 nicht zu erreichen. Aber der milliardenschwere Zukauf von APP-Pharmaceutical, des US-Herstellers von intravenös zu verabreichenden Generika, hat noch nicht die Erwartungen erfüllt. Zum einem hinkt APP in der Produktzulassung den Vorjahren hinterher. Und drei der sieben im Jahr 2009 zugelassenen Medikamente zielen auf Originalprodukte, für die das Marktforschungsinstitut IMS Health einen vergleichsweise kleinen Markt von 12 bis 18 Mio. Dollar veranschlagt hat.

Wachstum könnte flacher ausfallen

Zudem droht beim Hauptprodukt Heparin, mit dem APP/Fresenius Kabi einen Großteil des Umsatz von zuletzt 777 Mio. Dollar Gemacht hat, neue Konkurrenz. Wettbewerber Hospira knackte im Herbst das Monopol von APP, das die Firma 2008 erreicht hatte. Fresenius zeigt sich zwar zuversichtlich, auch in diesem Jahr noch einem maßgeblichen Umsatz im HeparinGeschäft erzielen zu können. Erste Aussagen des Managements interpretieren Analysten aber bereits dahingehend, dass das organische Wachstum 2010 flacher ausfallen könnte als noch im Vorjahr.

Umso wichtiger wird dann erneut der solide Umsatz- und Ergebnisbeitrag der Tochter FMC sein, die vom stetig wachsenden Dialysemarkt profitiert und deren Geschäft von einer immer noch möglichen amerikanische Gesundheitsreform kaum beeinflusst ist.

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