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27.01.2015

11:35 Uhr

Datsun

Nissans Billigmarke kommt nicht in Fahrt

Die Marke Datsun sollte dem japanischen Autobauer Nissan mehr Wachstum in den Schwellenländern bescheren. Doch das Billig-Image wird zum Hemmschuh für die Verkäufe. Der Erfolg bleibt bisher aus.

Düstere Bilanz für Konzernchef Carlos Ghosn: Nissans Billigmarke Datsun bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück. AFP

Düstere Bilanz für Konzernchef Carlos Ghosn: Nissans Billigmarke Datsun bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück.

DüsseldorfRenault hat es vorgemacht: Ihre Billigmarke Dacia gehört seit Jahren zu den großen Gewinnern auf dem europäischen Automarkt. Ein Erfolg, den die Schwestermarke Nissan in aufstrebenden Märkten wie Indien und Russland wiederholen wollte. Darum wurde im vergangenen Jahr die Billigmarke Datsun wiederbelebt. Doch die ersten Zahlen sorgen für Ernüchterung.

Besonders in Indien kommen die Japaner viel langsamer voran als gedacht, berichtet das „Wall Street Journal“. In Indien fehle weiterhin ein geeignetes Händlernetz, damit Datsun auch die wenig entwickelten Regionen erreicht, in denen niedrigpreisige Fahrzeuge besonders gefragt sind. Bisher gibt es nur 15 eigene Datsun-Händler, der Rest wird über das 160 Händler starke Nissan-Netzwerk verkauft. Doch in den großen Städten ist das Billigimage für den Verkauf aber eher hinderlich – eine Erfahrung, die schon der indische Autobauer Tata mit dem Kleinstwagen Nano machen musste.

Welche Automarken den indischen Markt beherrschen

Platz 10

Volkswagen – Marktanteil: 1,7 Prozent

Die Wolfsburger sind auf dem indischen Markt erst seit 2007 vertreten. Die Modelle Jetta, Polo und Vento baut VW im indischen Werk Chakan.

Quelle: Society of Indian Automobile Manufacturers

Platz 9

Nissan – Marktanteil: 1,7 Prozent

Die Japaner sind mit ihrer Marke Datsun auch im Billigsegment unterwegs. Unter dem eigenen Logo werden in Indien unter anderem der Nissan Teana und der Micra verkauft.

Platz 8

General Motors – Marktanteil: 2,1 Prozent

Auf dem indischen Markt arbeiten die Amerikaner mit den chinesischen Hersteller SAIC zusammen. Insgesamt bietet GM derzeit acht verschiedene Modelle der Marke Chevrolet an.

Platz 7

Ford – Marktanteil: 3 Prozent

Der Ecosport aus Indien schaffte sogar den Sprung nach Europa. Seit 1995 sind die Amerikaner wieder auf dem indischen Markt vertreten, zunächst durch ein Joint Venture mit dem lokalen Hersteller Mahindra.

Platz 6

Toyota – Marktanteil: 5,5 Prozent

Zuletzt belasteten massive Arbeitskämpfen in den Werken die Bilanz der indischen Tochter der Japaner. In den beiden Toyota-Fabriken nahe Bangalore im Süden Indiens musste sogar kurzfristig die Produktion eingestellt werden. Dort arbeiten rund 6400 Menschen.

Platz 5

Tata Motors – Marktanteil: 6 Prozent

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover ist auf dem Heimatmarkt längst nicht so stark, wie man annehmen könnte. Jüngster Flop der Inder war der Billigwagen Nano, der nur wenig Anklang fand.

Platz 4

Honda – Marktanteil: 6,9 Prozent

Die Japaner planen gerade ihr drittes Werk in Indien. Die Verkäufe entwickeln sich positiv. Immerhin ist die Marke schon seit 1995 auf dem Markt vertreten.

Platz 3

Mahindra & Mahindra – Marktanteil: 8,6 Prozent

Der indische Hersteller ist spezialisiert auf Pickups, leichte Nutzfahrzeuge und Dreirad-Autos. Damit ist die Marke der stärkste rein lokale Hersteller und beschäftigt landesweit 11.600 Menschen.

Platz 2

Hyundai – Marktanteil: 16 Prozent 

Mit dem großen Überraschungserfolg des Santro begann 1996 die Erfolgsgeschichte der Koreaner in Indien. Mittlerweile hat Hyundai zwei Werke in Indien – und weiterhin große Wachstumspläne.

Platz 1

Maruti Suzuki – Marktanteil: 45 Prozent

Das Unternehmen entstand 1981 als Joint Venture der Japaner mit der indischen Regierung und beherrscht seitdem den Markt. Vom Kleinwagen bis zum SUV hat der Hersteller alles im Portfolio, was das indische Autoherz begehrt.

Noch im Jahr 2013 hatte Nissan-Konzernchef Carlos Ghosn die Maßgabe ausgegeben, den Marktanteil in Indien bis März 2016 auf zehn Prozent zu steigern. Derzeit kommt Nissan in Indien auf einen Marktanteil von zwei Prozent.

Zeit, ein wenig auf die Euphoriebremse zu treten. „Wir sollten vernünftig sein und der Marke Zeit geben, sich zu etablieren“, zitiert das Wall Street Journal Nissans Indien-Chef Guillaume Sicard. Tatsächlich haben sich schon ganz andere Autobauer am indischen Markt die Zähne ausgebissen: Ford, General Motors und Fiat konnten trotz großer Ambitionen nur wenige indische Autokäufer für sich gewinnen.

Mit einem Preis von umgerechnet rund 4711 Euro ist das Einstiegsmodell Datsun Go etwa 25 Prozent günstiger als das billigste Modell von Nissan und auch günstiger als die Konkurrenz von Toyota und Honda. In Indien wurden monatlich trotzdem nur 1.500 Exemplare verkauft – statt der prognostizierten 5000. Indiens Bestseller, der Maruti Suzuki Alto kommt auf 22.000 abgesetzte Fahrzeuge im Monat.

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