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08.03.2013

14:39 Uhr

Debatte um gefährliche Kühlmittel

Auch VW will künftig CO2 in Klimaanlagen nutzen

Um bis 2018 der ökologisch nachhaltigste Autohersteller der Welt zu sein, will VW künftig Kohlendioxid als Kältemittel in Klimaanlagen einsetzen. Vorreiter mit dieser Idee sind die Wolfsburger allerdings nicht.

Volkswagen will bei Klimaanlagen künftig auf Kohlendioxid setzen. Das ist umweltfreundlicher. dpa

Volkswagen will bei Klimaanlagen künftig auf Kohlendioxid setzen. Das ist umweltfreundlicher.

Wolfsburg/MünchenWie der Autobauer Daimler setzt auch Branchenriese VW künftig auf Kohlendioxid (CO2) als Kältemittel in Auto-Klimaanlagen. Der Wolfsburger Konzern teilte am Freitag mit, die Technologie solle „sukzessive in der gesamten Fahrzeugflotte ausgerollt“ werden, um das geplante Ziel zu erreichen, bis 2018 der ökologisch nachhaltigste Autohersteller der Welt zu werden. CO2, als Kältemittel unter der Bezeichnung R744 bekannt, habe als natürliches Gas ein deutlich geringeres Treibhauspotenzial als herkömmliche Kältemittel. Damit könnte künftig das bisher übliche, allerdings als Klimakiller verschriene Mittel R134a und auch das klimaschonendere, aber als gefährlich eingestufte neue Kältemittel HFO 1234yf aus Autos verbannt werden.

Auch BMW setzt künftig auf die CO2-Technologie. Ein BMW-Sprecher bestätigte die neue Strategie auf Nachfrage.

Konkurrent Daimler hatte bereits am Mittwoch den gemeinsamen Technologie-Schwenk verkündet. So wollen die Stuttgarter ihren monatelangen Streit mit den Behörden über das Kältemittel HFO 1234yf beenden. Bei Tests im vergangenen Jahr hatte Daimler festgestellt, dass sich das klimafreundlichere Kältemittel bei Leckagen in Autoklimaanlagen im Motorraum entzündet und ätzende Flusssäure-Schwaden freisetzt. Der Konzern erklärte das Mittel daher für zu gefährlich, rief hunderte Autos zurück und befüllt seitdem die Fahrzeuge wieder mit dem Mittel R134a. Dieses als Klimakiller eingestufte Gas soll nach dem Willen der EU 2017 aus Neuwagen endgültig verbannt werden. Die US-Hersteller der Chemikalie R1234yf kritisieren Daimlers Tests als unrealistisch. Volkswagen und BMW haben nach eigenen Angaben selber bislang keine Sicherheitslücken entdeckt.

Anders als die Stuttgarter haben Hersteller wie VW, Opel und BMW neue Fahrzeugmodelle noch nicht mit dem neuen Kältemittel HFO 1234yf, sondern mit dem alten Mittel zertifizieren lassen. Daher besteht für sie kein Handlungsdruck. Anders bei Daimler: Das neue Flaggschiff, die Mercedes-Benz S-Klasse, wird im Sommer auf den Markt kommen. Da dieses Fahrzeug mit dem neuen Mittel zertifiziert ist, droht ein Verkaufsverbot.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

BMW will nach aktueller Planung das Elektroauto i3, das Ende des Jahres auf den Markt kommt, mit dem neuen Mittel ausliefern. Die Entwicklungsarbeit für neue Klimaanlagen werde „eher Jahre als Monate“ in Anspruch nehmen, sagte der Sprecher. Damit die Systeme mit CO2 laufen können, müssen sie einen sehr viel höheren Druck erzeugen als heutige Modelle.

Nach einer Beratung im Branchenverband VDA in Genf kündigte Daimler diese Woche an, die Entwicklung von CO2-Klimaanlagen gemeinsam mit VW, Audi, BMW und Porsche vorantreiben zu wollen. Das Umweltbundesamt plädiert seit langem für Autoklimaanlagen mit Kohlendioxid, was aber bei Leckagen zu Schläfrigkeit der Insassen führen kann. Die Autobauer forschen an solchen Systemen, Daimler will nun bis 2016 die Serienreife erreichen. Bei BMW hieß es, man halte CO2 als Kältemittel „für eine nachhaltige Lösung, die allerdings aber nicht kurzfristig ohne konstruktive Eingriffe umsetzbar ist“. Die Entwicklungsabteilung beschäftige sich seit einiger Zeit mit dem Thema, der flächendeckende Einsatz von CO2 als Kältemittel sei aber „eher mittel- bis langfristig“ denkbar.

Kommentare (4)

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ferdinandplietsch

08.03.2013, 15:35 Uhr

ja ist denn schon weihnachten? wurde hirn verschenkt? toll, die entscheidung hätten intelligente manager schon vor jahren treffen sollen, die anderen treffen sie nun... nachdem sie vielleicht erkannt haben, dass sie selber in einem wagen sitzen könnten, in dem man bei einem unfall mit brand vielleicht besser nicht sitzen sollte...

DownDown

08.03.2013, 18:16 Uhr

"Nach einer Beratung im Branchenverband VDA in Genf kündigte Daimler diese Woche an, die Entwicklung von CO2-Klimaanlagen gemeinsam mit VW, Audi, BMW und Porsche vorantreiben zu wollen."

Hey, das kommt einem so vor als wird das alte DDR-Konzept wieder eingeführt durch die Hintertür! Bald haben wir dann auch nur noch einen Autotypus. Oder anders gelesen, keine der Automarken kann noch irgendwas selbst entwickeln. Ich lach mich tot!

Cashier

09.03.2013, 01:26 Uhr

Auch sehr schön anzusehen dass sobald das Patent für das alte Kältemittel R134a abläuft, es als zu gefährlich eingestuft wird und nur noch das "neue" Kältemittel HFO 1234yf verwendet werden darf. Einzige Firma die sowohl das alte, als auch das neue Kältemittel herstellen: Honeywell. Da erzähl mir noch einer dass das alles mit rechten Dingen bei uns in der EU abläuft.

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