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16.05.2013

20:59 Uhr

„Deepwater Horizon“-Katastrophe

BP will Regierung um Hilfe bitten

Den BP-Managern sitzt offenbar die Angst im Nacken. Um nicht zu einem Übernahmekandidat zu werden, will sich der Konzern Geld vom Staat leihen – zu teuer sind die Entschädigungen für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.

Die brennende Ölplattform „Deepwater Horizon“ im April 2010: Die Entschädigungszahlungen drücken auf die BP-Bilanz. dpa

Die brennende Ölplattform „Deepwater Horizon“ im April 2010: Die Entschädigungszahlungen drücken auf die BP-Bilanz.

LondonDer Ölkonzern BP will die britische Regierung einem Bericht des Senders BBC zufolge im Streit um Entschädigungszahlungen nach der „Deepwater Horizon“-Katastrophe um Hilfe bitten. Dabei gehe es um ausufernde Kompensationsforderungen aus den USA, die die Erholung des Unternehmens gefährdeten und es möglicherweise zum Übernahme-Kandidaten werden lassen könnten, berichtete die BBC am Donnerstag unter Berufung auf nicht näher genannte BP-Quellen.

BP wolle den britischen Premierminister David Cameron bitten, beim G8-Gipfel in Nordirland im Juni mit der US-Regierung über das Thema zu reden. BP dementierte am Abend, dass es bereits Gespräche gegeben hat. „Wir sprechen dauernd mit der Regierung über eine große Zahl von Themen, um sie über Vorgänge in der ganzen Welt auf dem Laufenden zu halten, auch über Dinge in den USA, aber dies hat BP nicht mit dem Premierminister diskutiert.“

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Die größte Umweltkatastrophe der USA

Die Explosion der vom BP-Konzern geleasten Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Bei dem Unglück starben elf Menschen, zwei weitere kamen später bei Rettungsarbeiten ums Leben.

Fatales Öl-Leck

Aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe waren fünf Monate lang insgesamt bis zu 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. Bei Fischern und Anwohnern des Katastrophengebiets bleibt die Sorge um Spätschäden infolge des Öls und knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel.

Verheerende Folgen

Mehr als 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. Hunderttausende Tiere wie Meeressäuger, Fische, Pelikane und Schildkröten starben an den Folgen. Die Tourismusbranche und Fischer aus der Region erlitten schwere Einbußen.

Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“

Die im Golf von Mexiko gesunkene Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war auf die Erkundung von Tiefseevorkommen spezialisiert. Im September 2009 erreichte sie bei einer Bohrung im Meeresboden die Rekordtiefe von mehr als 10.600 Metern.

Tiefsee-Plattform

Die schwimmende Plattform konnte in bis zu 3000 Meter tiefen Gewässern eingesetzt werden. Sie wurde vom Tiefsee-Spezialisten Transocean betrieben und war für den britischen Ölkonzern BP im Einsatz.

Größer als ein Fußballfeld

Die 121 Meter lange und 78 Meter breite „Deepwater Horizon“ war größer als ein Fußballfeld. Sie wurde 2001 in Südkorea fertiggestellt und konnte auch in orkanartigem Sturm mit neun Meter hohen Wellen arbeiten.

Auch ein Sprecher Camerons erklärte, Cameron habe mit BP nicht über das Thema gesprochen und es auch bei seinem USA-Besuch in dieser Woche nicht erwähnt: „Dies ist letztendlich die Sache von BP.“ Cameron habe aber generell ein offenes Ohr für Probleme britischer Unternehmen.

Bei dem Unfall vor drei Jahren auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko waren 11 Menschen getötet worden. Wochenlang lief Öl aus und schädigte die Natur und die Wirtschaft in der Region. Bisher rechnet BP insgesamt mit Kosten von 42 Milliarden US-Dollar (32,6 Milliarden Euro) für die Ölkatastrophe.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Schadensexperte

16.05.2013, 22:10 Uhr

Ja, ja, es ist brandgefährlich mit den USA Geschäfte zu machen und dabei Fehler zu begehen. Die ganze Wucht der US Rachejustiz kann ein Unternehmen dann völlig fertig machen. Am Golf läuft inzwischen nahezu jeder mit einer goldenen Nase herum. Alleine die Anwälte sollten bisher 600 Mio.$ eingestrichen haben. Länder die vom oel spill kaum tangiert wurden wie z.B. Florida, stellen ausufernde Schadensersatzforderungen. Die Schadenssumme beläuft sich nach bisherigen Informationen auf bisher 49 Mrd. $, es können aber auch leicht 90 Mrd.$ werden.

Wenn ich daran denke, wie sich die Amerikaner aus ihren Schadensfälle bisher geschlichen haben. In Bophal Indien, wo eine Chemiekatastrophe bei Union Carbide in den 80ziger Jahren mehr als 10 Td. Tote verursache und unermesslich Umweltschäden, die bis heute nicht restlos beseitigt sind, ist man mit 400 Mio. $ davon gekommen. Ebenso auf dem Bikini Atoll, dass durch die US Nukleartests in den 50er auf lange Zeit verstrahlt wurde, zahlt man den Eingeborenen eine kleine Rente von 70 $ monatlich. Eine Verurteilung, 1 Mrd. $ Schadensersatz nachträglich zu zahlen, hält man erfolgreich seit Jahren auf.
Auch die Umweltschäden, die amerikanische Ölfirmen erst jüngst im Regenwald Ecuadors und in Angola anrichteten, harren noch der Schadensregulierung. Vermutlich wird man sich auch hier drücken. Das Equipment wird schon mal außer Landes geschafft, damit es nicht gepfändet werden kann.

maxmorlck

17.05.2013, 04:34 Uhr

guter sahlicherBeitrag der den nagel auf den Kopf trifft.
Dke dafue.

Michael1964

19.05.2013, 13:06 Uhr

Toller Kommentar, finde ich echt klasse. Die Amis überdrehen mal wieder das Rad gewaltig gegen BP. Die sollten mal lieber stolz darauf sein, dass BP in den USA Mitarbeiter nach deutschem Standard ausbildet und dort viele Arbeitsplätze geschaffen hat. Ich würde BP empfehlen sich aus den USA ganz zurückzuziehen

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