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22.06.2017

10:49 Uhr

Deloitte-Studie

Harter Brexit bedroht 18.000 deutsche Auto-Jobs

VonKerstin Leitel

Im Falle eines harten Brexit würden sich in Deutschland gebaute Autos in Großbritannien deutlich verteuern. Das dürfte Auswirkungen auf die Nachfrage haben. Einer Studie zufolge wären 18.000 deutsche Jobs in Gefahr.

Neue Studie

Der Brexit bringt tausende Jobs in Gefahr

Neue Studie: Der Brexit bringt tausende Jobs in Gefahr

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LondonDer Brexit wird der Wirtschaft viele Nachteile bringen, da sind sich Experten einig. Zu den größten Verlierern dürfte ihrer Meinung nach die Automobilbranche gehören. Nach dem EU-Austritt Großbritanniens droht der Wegfall Tausender Arbeitsplätze in der deutschen Autobranche, warnen die Experten des Beratungsunternehmens Deloitte. Europas Autohersteller müssten bei einem harten Brexit – also einem Abgang auch aus Europas Binnenmarkt – mit Absatzeinbußen von bis zu 20 Prozent rechnen, heißt es in der am Donnerstag publizierten Untersuchung des Beratungsunternehmens. So heftig waren die Einbußen zuletzt in der Finanzkrise 2009.

Großbritannien ist als Absatzmarkt sehr wichtig für die heimischen Hersteller. Jedes fünfte aus Deutschland exportierte Auto geht in das Vereinigte Königreich. 2016 wurden dort 950.000 Autos von VW, BMW und Co. neu zugelassen. Den Angaben zufolge hängen hierzulande 60.000 Auto-Jobs an diesen Ausfuhren. 18.000 davon wären nach einem harten Brexit in Gefahr, so die Autoren.

Grund für den drohenden Rückschlag wäre demnach ein Kursverfall des britischen Pfunds, wodurch sich die in Deutschland hergestellten Autos im Vereinigten Königreich um etwa ein Fünftel verteuern würden und die Nachfrage sinken würde. Auch Zölle würden die Kostensteigerung verschärfen. In Deutschland hergestellte Autos dürften der Studie zufolge in Großbritannien nach einem harten Brexit um 21 Prozent teurer werden.

Das sind die rentabelsten Autokonzerne

Platz 10

Honda – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,2 Milliarden Euro*

Unter den japanischen Herstellern konnte keiner den Gewinn so stark steigern wie Honda. Im Jahresvergleich legte das Unternehmen um 31,5 Prozent zu. Dabei fiel die Ebit-Marge allerdingt mit 4,6 Prozent unterdurchschnittlich aus.

Quelle: CAM Bergisch-Gladbach; Stand: 12/ 2016 - Bei japanischen Herstellern wird das Kalenderjahr abgebildet

Platz 9

Nissan – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,7 Milliarden Euro

Das vergangene Jahr war für die Japaner durch Wechselkursschwankungen durchaus turbulent. Der Gewinn sank um 7,4 Prozent. Immerhin landete man mit einer Ebit-Marge von 6,2 Prozent im Mittelfeld aller Hersteller.

Platz 8

Hyundai – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6 Milliarden Euro

Heimlich schielt der viertgrößte Autokonzern der Welt immer noch Richtung Weltspitze. Doch 2016 war für die Koreaner ein Rückschritt. Der Absatz schrumpfte leicht, der Gewinn sogar um satte 8,8 Prozent. Und auch die Marge war mit 5,2 Prozent unterdurchschnittlich.

Platz 7

Fiat-Chrysler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6,1 Milliarden Euro

Die italienische Überraschung: Durch den Erfolg von Jeep hat sich der italo-amerikanische Konzern wieder erholt. Der Gewinn wurde mehr als verdoppelt, obwohl der Absatz nur leicht zulegte. Allein die Marge ist mit 5,5 Prozent immer noch bestenfalls mittelmäßig.

Platz 6

Volkswagen – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 7,1 Milliarden Euro

Der Dieselskandal drückt weiter kräftig auf den Gewinn. Doch innerhalb eines Jahres haben es die Wolfsburger geschafft, das Ergebnis um 11,2 Milliarden Euro zu verbessern. Und das obwohl die Marge mit 3,3 Prozent immer noch mager ausfällt.

Platz 5

BMW – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Für den jahrelangen Primus der Premiumbranche ist der Gewinn im vergangenen Jahr leicht gesunken. Das können die Münchener aber locker verschmerzen. Dank einer Marge von zehn Prozent erwirtschaftet kein Konkurrent mehr pro Auto.

Platz 4

Ford – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Den Titel als rentabelster Autokonzern Amerikas hat Ford dieses Jahr verloren. Denn beim Ertrag und Absatz schwächelt der Weltkonzern. Die Marge fällt mit 6,8 Prozent überdurchschnittlich aus.

Platz 3

General Motors – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,8 Milliarden Euro

Unter Mary Barra gilt die Devise: Profit zuerst. Das war auch 2016 aus den Zahlen abzulesen. Der Gewinn konnte um fast 20 Prozent zulegen. Und mit 7,5 Prozent ist auch die Marge für einen Volumenhersteller sehr zufriedenstellend.

Platz 2

Platz 2 – Daimler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 12,9 Milliarden Euro

Der profitabelste Premiumhersteller kommt aus Stuttgart. Im Vergleich zum Vorjahr schneiden die Schwaben zwar etwas schlechter ab. Doch eine Marge von 8,4 Prozent reicht immer noch für einen zweistelligen Milliardengewinn.

Platz 1

Toyota – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 17 Milliarden Euro

Wenn der Gewinn um fast 24 Prozent einbricht, würden die meisten anderen Konzerne wohl etliche Plätze einbüßen. Toyota nicht. Die Japaner sind weiterhin profitabler als alle anderen Hersteller. Vor allem wegen einer Marge von 7,8 Prozent, die zwar deutlich kleiner ausfällt als im Vorjahr – doch das ist immer noch besser als bei allen Konkurrenten.

Nach Hochrechnungen des britischen Automobilverbands könnten allein Importzölle dazu führen, dass importierte Autos um durchschnittlich 1700 Euro teurer werden. Eine happige Summe für britische Verbraucher – die dann vielleicht doch lieber ein anderes Auto kaufen.

Hersteller aus Kontinentaleuropa wären nach Einschätzung von Deloitte die großen Verlierer. „Wenn Automobilhersteller die steigenden Kosten eins zu eins an die Verbraucher weitergeben, gehen die Absatzzahlen und somit die Umsätze entsprechend zurück“, warnt Thomas Schiller von Deloitte. Die Hersteller müssten sich Gegenmaßnahmen überlegen.

Das macht beispielsweise der bayerische Autohersteller BMW – und bringt damit eine Ikone der Briten in Gefahr: den Mini. Seit 2001 wird das kleine Gefährt im britischen Oxford produziert, das Sagen haben jedoch die Manager des Mutterkonzerns BMW. Und die fürchten offenbar, dass im Zuge des Brexit die Gewinne sinken könnten. Deswegen wird in München überlegt, das neue Mini-Modell mit elektrischem Antrieb nicht in Großbritannien, sondern in Werken auf dem europäischen Kontinent zu bauen. Bis zum Ende des Jahres soll eine Entscheidung fallen.

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BMW beschäftigt auf der Insel mehr als 24.000 Mitarbeiter und gehört zu den drei größten Autobauern Großbritanniens. Mit Rolls-Royce und Mini haben gleich zwei Konzernmarken dort ihren Sitz, acht von zehn Autos, die BMW in England baut, werden exportiert. Dass BMW überlegt, das neue Mini-Modell nicht in England bauen zu lassen, überrascht Experten nicht.

„Wenn es wirklich zum harten Brexit kommt, würde die Mehrheit, fast 60 Prozent der deutschen Automobilindustrie ihre Investitionen im Vereinten Königreich reduzieren“, meint Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. Das wäre ein herber Rückschlag für die Briten. Auf der Insel ist die Automobilbranche mit einem Umsatz von etwa 60 Milliarden Pfund (rund 68 Milliarden Euro) und rund 731 .00 Beschäftigten eine der wichtigsten Branchen.

Möglicherweise würden Firmen aus Großbritannien und aus Staaten außerhalb der EU im Zuge des Brexit zwar kurzfristig Absatzanteile hinzugewinnen, doch auch sie müssten mit höheren Produktionskosten rechnen. Sie beziehen viele Fahrzeugteile von Zulieferern aus der EU – und diese Teile würden ja ebenfalls teurer. Der Brexit wird wohl alle Autohersteller ausbremsen, egal ob deutsche, europäische oder britische.

Mit Material von dpa.

Kommentare (2)

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Herr Herbert Maier

22.06.2017, 10:28 Uhr

Achso! So langsam verstehe ich, warum die anderen EU-Staaten so sehr gegen den Brexit sind: die wollen das UK als Absatzmarkt behalten. Und die Briten wollen stattdessen wohl entsprechende Arbeitsplätze im UK schaffen. Auch wenn ich objektiv Verständnis für diesen Egoismus der Briten habe, möchte ich als Deutscher dann doch lieber, dass die in der EU bleiben und lieber meinen Wohlstand mit finanzieren!

Herr Hans Henseler

22.06.2017, 10:54 Uhr

Niemand weiss, welche Zoelle moeglicherweise erhoben werden und zu welchem
Satz. Ich gehe davon aus, dass UK Autos einfuhren muss, da im Land nicht genuegend gebaut werden, und die Inlandsproduktion laesst sich nicht so schnell
hochfahren. Im uebrigens ist Autokauf sehr emotional, die Leute wollen nicht irgendein
Auto sondern ein bestimmtes. Insofern halte ich solche Studien fuer sehr spekulativ -
die Leute haben halt nichts anderes zu tun.

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