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26.01.2012

18:39 Uhr

Der Fluch des Staates

EADS in den Fängen von Berlin und Paris

VonMarkus Fasse, Thomas Hanke

Es muss frustrierend sein: Jahrelang will sich Airbus von Frankreich emanzipieren. Doch stattdessen steigt nun auch noch Deutschland beim Mutterkonzern EADS ein. Lösen könnte das Problem notfalls die Schuldenkrise.

Militärtransporter von Airbus: Langfristig sollen sich die die Regierungen aus Paris und Madrid aus EADS zurückziehen. dpa

Militärtransporter von Airbus: Langfristig sollen sich die die Regierungen aus Paris und Madrid aus EADS zurückziehen.

München/ParisManfred Bischoff hatte bei der Gründungsfeier am 14. Oktober 1999 ein ungutes Gefühl. Der Chef der Daimler-Luftfahrttochter Dasa konnte den Vertrag zur Gründung von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS erst nach scheinbar endlosen Verhandlungen mit seinen französischen Partnern unterzeichnen. Sein Gefühl trog nicht: Der Tag war auch die Geburtsstunde eines Dauerstreits zwischen Frankreich und Deutschland um Arbeitsplätze, Prestige und vor allem auch um Macht.

Anders als von Bischoff gefordert, bekam der französische Staat gleich zu Beginn ein Aktienpaket an dem neuen Luft- und Raumfahrtkonzern. Für Frankreich, erläuterte der damalige französische Staatschef Jacques Chirac, seien zwei Dinge wichtig: Kultur und Luftfahrt. „Das ist eben die Kröte die wir schlucken mussten“, bemerkte Bischoff flapsig.

Die Deutschen hofften auf die vage Zusage, dass sich die Regierungen aus Paris und Madrid langfristig aus EADS zurückziehen. Doch entgegen allen Beteuerungen ist Frankreich bei der EADS immer noch nicht ausgestiegen. Obwohl der französische Medienunternehmer Arnaud Lagardère die Verantwortung für die französischen Anteile tragen sollte, entscheidet faktisch die Politik.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Den deutschen Gründungsaktionär Daimler schreckten die politischen Ränkespiele zunehmend ab. Einen Anteil von 7,5 Prozent an EADS übernimmt nun die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau, 2013 dürften weitere 7,5 Prozent dazukommen, wenn ein von Daimler geparktes Aktienpaket frei wird. Dann wird Daimler seinen Anteil von ursprünglich 30 auf nur noch 7,5 Prozent abgeschmolzen haben.

Der Analyst einer französischen Großbank versteht den Daimler-Frust: „Man kann von keinem Industrieunternehmen verlangen, einen Anteil an einem anderen Konzern aus einer fremden Branche zu halten, ohne Einfluss auf die Geschäftspolitik zu haben.“ Kein Wunder, dass Berlin trotz monatelanger Suche keinen privaten deutschen Investor fand. Das deutsch-französische Machtspiel schreckt die Privaten ab. Der geplante Einstieg der KfW schürt nun wiederum das Misstrauen der Franzosen. Auch deshalb verschleppen sie den eigentlich schon 2007 vereinbarten Chefwechsel.

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