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12.06.2014

10:54 Uhr

Der große Kampf um Alstom

Auch Hitachi schlägt sich auf Siemens' Seite

Das Bietergefecht um den französischen Industriekonzern Alstom wird komplexer. Mitsubishi Heavy und Hitachi buhlen mit Siemens um die Firma. Die französische Regierung pocht auf bessere Offerten.

Siemens gegen GE

Der Bieterkampf um Alstom

Siemens gegen GE: Der Bieterkampf um Alstom

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TokioEin weiteres Unternehmen hat sich in das Bieterrennen um den französischen Alstom-Konzern eingeschaltet: Die japanische Hitachi gesellt sich nun ebenfalls zu Siemens, nachdem sich die Münchener am Mittwoch bereits mit Mitsubishi Heavy gegen den US-Rivalen General Electric verbündet hatten.

Hitachi führe Gespräche, um sich dem gemeinsamen Vorhaben anzuschließen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Mitsubishi und Hitachi betreiben seit Februar die Gemeinschaftsfirma MHPS, die konventionelle Kraftwerkstechnik herstellt. MHPS gehört zu 65 Prozent Mitsubishi, den Rest hält Hitachi. Siemens wollte zunächst keine Stellung zu den Plänen nehmen.

Das von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) erwogene Angebot für den französischen Rivalen Alstom beläuft sich nach japanischen Informationen auf umgerechnet 7,2 Milliarden Euro (eine Billion Yen). Das berichtete die führende japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ am Donnerstag ohne Nennung von Quellen. Demnach will MHI zusammen mit der heimischen Hitachi-Gruppe ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um die Dampfturbinen-Sparte von Alstom für 500 Milliarden Yen zu übernehmen.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Das Geschäft mit Stromnetzen von Alstom sei dabei nicht Teil der Planung, hieß es. Siemens holte Mitsubishi Heavy Industries als Partner ins Boot, um einer Offerte von General Electric (GE) für Alstom Paroli zu bieten. Die Offerte liegt eigentlich deutlich unter dem Angebot von GE, das sich auf mehr als 12 Milliarden Euro beläuft. Allerdings sieht das deutsch-japanische Gebot eine Aufteilung einzelner Alstombereiche und zugleich eine Stärkung des Zuggeschäfts der Franzosen vor.

Der US-Konzern General Electric gibt sich aber keineswegs geschlagen. Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens zufolge gibt es eine weitere Runde von Lobby-Gesprächen mit Vertretern Frankreichs über das GE-Angebot für das Energie-Geschäft von Alstom. Steve Bolze, Chef der Energie- und Wassersparte von GE, sowie John Flannery, der Verhandlungsführer des Konzerns, seien in dieser und der kommenden Woche zu Gesprächen in Frankreich, so eine über die Vorgänge informierte Person gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Offerte von GE läuft noch bis zum 23. Juni.

Kommentare (2)

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12.06.2014, 11:00 Uhr

Ein gemeinsamer Ansatz mit den japanischen Freunden wäre sicherlich der einzig gangbare, ansonsten setzt sich Siemens unkalkulierbaren Risiken in Frankreich aus. Viele Merger mit französischen Unternehmen haben am Ende immer nur Nachteile für die deutsche Seite gebracht, zB sei an den Hoechst-Aventis-Sanofi Deal erinnert, oder noch prominenter die Entwicklung der EADS. In jedem Fall wurde aus Gemeinschaftsunternehmen mit einem franz. Unternehmen am Ende immer eine völlig französische Veranstaltung. Dieses strategische Vorgehen des politisch-großindustriellen Netzwerkes in Frankreich haben die naiven deutsche Politiker leider nie durchschaut.
Ein gemeinsamer Ansatz von Siemens mit den Japanern könnte dagegen die Möglichkeit bieten, letzte politische Netzwerke in den dann stark zerlegten Alstom-Einheiten zu zerschlagen und der kommerziellen Vernunft Vorfahrt zu verschaffen.

Account gelöscht!

12.06.2014, 11:08 Uhr

Das sehe ich GANZ genau so!

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