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20.01.2012

13:54 Uhr

Der große Konkurrent

Auch General Electric schwächelt

An der Schuldenkrise in Europa kommt auch der amerikanische Mischkonzern nicht vorbei. Das Schlussquartal beschert ihm einen Umsatzrückgang. Für das laufende Jahr peilt Konzernchef Immelt aber zweistelliges Wachstum an.

Glühbirne mit dem Logo von GE: Konzern muss Dämpfer verkraften. dapd

Glühbirne mit dem Logo von GE: Konzern muss Dämpfer verkraften.

BostonDer US-Mischkonzern General Electric hat angesichts der Konjunkturflaute in den USA und der Euro-Schuldenkrise einen Umsatzrückgang verbucht. Im vierten Quartal seien 38 Milliarden Dollar nach 41,4 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum eingenommen worden, teilte der Siemens-Konkurrent am Freitag vor US-Börseneröffnung mit. Analysten hatten mit einem Umsatz von 40,03 Milliarden Dollar gerechnet. Den Betriebsgewinn gab der Hersteller von Flugzeugtriebwerken, Eisenbahnlokomotiven und medizinischen Geräten mit 0,39 Dollar je Aktie an.

GE-Chef Jeff Immelt will das Europa-Geschäft umbauen, „um damit auf die Marktbedingungen einzugehen“. Er nannte zunächst keine Details. Immelt zeigte sich zuversichtlich, in diesem Jahr ein zweistelliges Gewinnwachstum in der Industrie und in der Finanzsparte zu erreichen.

Die GE-Aktie gab nach Vorlage der Ergebnisse im vorbörslichen Handel knapp drei Prozent ab. Zuletzt hatte der Konzern seinen Ausblick für das Jahr 2012 bekräftigt. General Electric erwartet trotz unsicherer Wirtschaftslage und schwieriger Marktbedingungen in Europa einen deutlichen Gewinnanstieg.

"2011 läuft nach Plan, wir werden das Jahr gut abschließen, und wir erwarten ein starkes Wachstum im zweistelligen Bereich im nächsten Jahr", sagte GE-Chef Jeff Immelt bei einer Präsentation für Investoren in New York im Dezember. Beim Umsatz peilt der Hersteller von Flugzeugturbinen, Lokomotiven und Industriemaschinen für 2012 ein Plus von fünf Prozent an.

Die Stärken und Schwächen von General Electric

GE hat turbulente Jahre hinter sich

Das Unternehmen ist ein riesiger Mischkonzern: Handelsblatt Online zeigt, wo der Elektronikriese stark ist - und wo Gefahren lauern.

Stärke 1: Das Geschäft in den USA

Auf dem großen Heimatmarkt hat General Electric eine starke Stellung. Das schützt das Unternehmen in schwierigen Zeiten.

Stärke 2: Gesundes Finanzpolster

Der Konzern verfügt über eine enorme Finanzkraft - und kann so auch in Zukunft durch Übernahmen wachsen.

Stärke 3: Großes Sortiment

Über die Jahrzehnte hat GE ein breites Sortiment an Industrieprodukten aufgebaut. Das senkt das Risiko, wenn einzelne Märkte schwächeln.

Stärke 4: Hohe Bekanntheit

Die Marke gehört zu den renommiertesten der Welt. Sie steht für Solidität und Stärke - ein Merkmal, dass die Produkte des Unternehmens von der Konkurrenz abhebt.

Schwäche 1: Die Finanzgeschäfte

Zwar hat die große Finanzsparte des Konzerns sich zuletzt erholt - aber der Geschäftsbereich birgt nach wie vor große Risiken. Er ist stark vom Wirtschaftsklima in Amerika abhängig.

Schwäche 2: Schwerfällige Erholung

Seit dem letzten Halbjahr befindet sich GE wieder im Aufschwung - doch der Konzern hat ein grundsätzliches Problem: Er erholt sich von Krisen weitaus langsamer als die Konkurrenz.

Schwäche 3: Atomkraft unsicher

Kernenergie galt lange als großer Zukunftsmarkt - doch spätestens seit dem Desaster in Japan ist die Zukunft der Branche auf der ganzen Welt unsicher. Damit steht auch das Geschäftsfeld von GE in Frage.

Schwäche 4: Investoren sind misstrauisch

Inzwischen dürften die Anleger sich wieder beruhigt haben - aber sie beobachten noch immer argwöhnisch jeden Schritt des Konzerns. Zu groß war die Unsicherheit in den Krisenjahren.

Dank der starken Nachfrage aus Schwellenländern in Asien und Nahost sei in der Industriesparte sogar mit einem Umsatzanstieg von bis zu zehn Prozent zu rechnen. Analysten erwarten für 2012 im Schnitt, dass GE einen Gewinn von 1,56 Dollar je Aktie einfährt, nach schätzungsweise 1,37 Dollar in diesem Jahr. Beim Umsatz rechnen Analysten mit einem Anstieg auf 150,8 Milliarden Dollar nach voraussichtlich 149,7 Milliarden Dollar 2011.

Im dritten Quartal konnte das Unternehmen zuletzt seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf unterm Strich 2,3 Milliarden Dollar steigen. Ende September hatte der US-Industriekoloss so viele Bestellungen wie noch nie in den Büchern stehen. Im Vorquartal hatten sich die Bestellungen auf 189 Milliarden Dollar summiert. Sie stiegen weiter trotz vieler Unkenrufe, die angesichts der überbordenden Schulden in Europa vor der Gefahr einer neuerlichen Rezession warnen.

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