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06.01.2009

14:40 Uhr

Desaströse Zahlen

Auto-Schreckensjahr – Neuzulassungen geschrumpft

Deutschland, Japan, und die USA: Gleich auf mehreren Märkten musste die Autobranche üble Zahlen verkraften. Der Export deutscher Pkw ist im Dezember um 22 Prozent auf 222 900 Fahrzeuge eingebrochen. Der japanische Branchenprimus Toyota zog kürzlich die Reißleine und machte zwölf seiner inländischen Werke dicht. Auch andere Hersteller reagieren.

Bei der Autokrise helfen nur noch höhere Mächte. Ein Shinto-Priester reinigt einen Lexus von Toyota. Foto: ap ap

Bei der Autokrise helfen nur noch höhere Mächte. Ein Shinto-Priester reinigt einen Lexus von Toyota. Foto: ap

fmk HB DÜSSELDORF/FRANKFURT/TOKIO. Der Export deutscher Pkw ist im Dezember um 22 Prozent auf 222 900 Fahrzeuge eingebrochen, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Dienstag in Frankfurt am Main berichtete. Auch die Produktion ging um 22 Prozent auf 274 800 Einheiten zurück. Die Neuzulassungen schrumpften im letzten Monat des Jahres 2008 um sieben Prozent auf 226 000 Fahrzeuge. Dabei büßten inländische Marken vier Prozent ein, ausländische Hersteller verloren 14 Prozent.

Im Gesamtjahr 2008 ging der Export laut VDA um vier Prozent auf rund 4,129 Mio. Pkw zurück. Die Produktion sank um drei Prozent auf rund 5,527 Mio. Einheiten. Die Neuzulassungen gaben um insgesamt zwei Prozent auf 3,090 Mio. Pkw nach.

Für die Autobranche beginnt das neue Jahr mit schrecklichen Zahlen aus dem gerade vergangenen Jahr. Der japanische Automarkt ist 2008 so stark geschrumpft wie seit der Ölkrise in den 70er-Jahren nicht mehr. In Frankreich gab der Markt um über 15 Prozent nach. Toyota zieht nun die Konsequenzen. Der japanische Autobauer hat eine weitere Drosselung der Produktion beschlossen. Wie Toyota mitteilte, sollen im Februar und März in zwölf inländischen Werken die Bänder für elf Tage stillstehen.

Zuvor hatte Toyota bereits eine dreitägige Produktionsunterbrechung für Januar in fast allen japanischen Werken angekündigt. Außerdem soll die Produktion in 13 Teilefabriken inner- und außerhalb des Landes zurückgefahren werden. "Das Unternehmen hat keine andere Wahl als die Produktionskürzungen auszuweiten", sagte Koji Endo, Analyst der Credit Suisse, zur Nachrichtenagentur Bloomberg. Wobei Toyota-Präsident Katsuaki Watanabe ankündigte, dass Toyota versuchen werde, die Stammbelegschaften zu halten.

Erst kürzlich hatte Toyota seine Verkaufserwartung für das vergangene Jahr um vier Prozent auf 8,96 Millionen Fahrzeuge gesenkt. In den USA waren die Verkäufe von 224 388 im Vorjahresmonat auf nun 141 949 abgesackt. Erstmals in der Firmengeschichte geht der Hersteller für das Fiskaljahr 2008 auch von einem operativen Verlust aus.

Gewinner in den USA ist Daimlers Kleinwagen Smart. Seit der US-Einführung Mitte Januar 2008 verkaufte Daimler dort 24 622 Smarts, mehr als die zunächst erwarteten 20 000 Stück. Daher ging der Mercedes-Absatz insgesamt nur um 1,5 Prozent zurück. Ohne die Neueinführung wären es 11,2 Prozent gewesen. Porsche verkaufte 25,5 Prozent weniger Autos. Die Sport- und schweren Geländewagen litten besonders unter dem zeitweiligen Benzinpreis-Schock der Amerikaner und der heraufziehenden Konjunkturkrise. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte mehrfach beteuert, der Luxuswagenbauer werde keinesfalls die Preise senken und lieber weniger Autos verkaufen. Der Hersteller litt zusätzlich unter einem Modellwechsel. Allerdings habe sich der Einbruch im Dezember stabilisiert, teilte Porsche am Montagabend mit.

Opel versucht dagegen die Kundschaft offensiv mit Preissenkungen zu locken. Zu Jahresbeginn wurden die Modelle Astra, Corsa, Zafira und Meriva offiziell um gut acht Prozent billiger. VW, BMW und Daimler hatten vor kurzem trotz sinkender Verkaufszahlen die Preise noch erhöht. Zum Listenpreis gehen ohnehin derzeit nicht viele Neuwagen an den Kunden. Händler werben aggressiv mit Rabatten oder nutzen sogenannte Tageszulassungen, um praktisch neue Fahrzeuge als Gebrauchtwagen zu verkaufen.

Volkswagen verzeichnete 2008 mit der eigenen Marke ein Minus von 3,2 Prozent. „Wir haben fünf neue Modelle auf den Markt gebracht, mit denen wie uns gegen den wirtschaftlichen Abschwung stemmen konnten“, bilanzierte USA-Vertriebschef Mark Barnes. Im Dezember stand ein Minus von 14,4 Prozent zu Buche. „VW of America hat einen Plan für eine erfolgreiche Zukunft hier in den USA“, sagte Barnes. Die VW-Oberklassemarke Audi setzte 2008 in den USA 6,1 Prozent weniger Autos ab. Alle deutschen hielten sich in den USA besser als Toyota.

Die Japaner leiden in Übersee unter der besonderen Absatzschwäche des Vorzeigeprodukts: Der umweltfreundliche Hybridwagen Prius verkaufte sich in den USA signifikant schlechter, wie Daten des Marktforschers Autodata zeigen. Demnach gehen die Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor nur noch halb so gut weg wie vor einem Jahr. Hybridfahrzeuge sparen bis zu einem knappen Drittel an Kraftstoff, kosten aber in der Anschaffung mehr. In Zeiten der Wirtschaftskrise scheinen sich immer weniger Amerikaner diese Ausgabe leisten zu können. Zudem ist zuletzt der Benzinpreis gefallen. Toyota verlor im Dezember mit 37 Prozent in den USA sogar noch mehr Absatz als Ford mit 32 Prozent. Marktführer General Motors verlor im Dezember 31,4 Prozent Absatz, im Gesamtjahr 22,9 Prozent auf nur noch 2,98 Mio. Fahrzeuge. Nur Chrysler war mit einem Einbruch von 53 Prozent schlechter.

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