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30.01.2009

14:43 Uhr

Deutsche Bahn

Mein Name ist Mehdorn, ich weiß von nichts

VonDaniel Delhaes

Hartmut Mehdorn ist schwere Momente gewöhnt, aber den heutigen Tag dürfte der Bahn-Chef so schnell nicht vergessen. Die Deutsche Bahn hat die Staatsanwaltschaft in Berlin eingeschaltet, um Vorwürfe über Verstöße beim Datenschutz der Bahn klären zu lassen. Heute musste Mehdorn rechtfertigen, was vielleicht gar nicht zu rechtfertigen ist.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn auf der Pressekonferenz. Foto: ap ap

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn auf der Pressekonferenz. Foto: ap

BERLIN. Die Uhr zeigt fünf nach Zwölf, als Hartmut Mehdorn den Pressesaal betritt. Zufall, natürlich, aber auch ein Zeichen an diesem Tag. Mehdorn stellt sich an diesem Freitag den Medien im 21. Stock des Bahn-Towers am Potsdamer Platz. Stünden nicht so viele Journalisten hier, dann könnte er jetzt den Blick über Berlin genießen, das Kanzleramt sehen und den Reichstag, die Arbeitsorte seines Arbeitgebers, dem Bund, der ihm seit Tagen keine Ruhe mehr lässt. "Guten Morgen", ruft er im militärischen Ton den Journalisten zu, die er gleich mit Kritik überziehen wird. "Es ist an der Zeit", sagt er, "dass wir uns endlich auch mal zu Wort melden."

Mehdorn hat es wieder einmal kalt erwischt in einer Zeit, in der er Ruhe wähnte. Der Börsengang ist seit Oktober fürs Erste passé. Danach wurde es still um ihn und die Bahn, die seit dem nicht so recht weiß, wie es weitergehen soll. Dann der Tarifstreit mit den Gewerkschaften, die nicht zwei oder drei, sondern zehn Prozent mehr Lohn fordern und nun auch noch zeitgleich zu allem Überfluss ein Datenschutzskandal, weil der Konzern seine Mitarbeiter dahingehend überprüft hat, ob sie die Bahn bestehlen und Aufträge verschieben. "Wir haben schrittweise eine schlagfertige Organisation geschaffen", sagt Mehdorn.

Im Kampf gegen Korruption habe die Bahn seit seinem Antritt 1998 mehr als 500 Mitarbeiter strafrechtlich verfolgen lassen und so mehr als 25 Millionen Euro dem Unternehmen gerettet - und damit dem Steuerzahler, dem das Bundesunternehmen Bahn ja gehört. "Wir haben von Transparency International viel Lob bekommen"; sagt Mehdorn den zahlreichen Journalisten, die sich im Halbkreis um ihn gestellt haben.

Nun aber hagelt es Kritik, weil die Bahn die Daten von 173 000 Mitarbeitern und damit von rund zwei Drittel seiner Mitarbeiter abgeglichen und mit den Namen und Adressen der rund 80 000 Unternehmen verglichen hat, die für die Bahn arbeiten. 300 Mal, so Mehdorn, habe es Übereinstimmungen gegeben. Die Verdächtigen seien informiert und interviewt worden, sagt er, was so klingt als seien es unangenehme Verhöre gewesen.

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