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09.08.2011

10:35 Uhr

Deutsche Energieriesen

RWE und Eon stehen mit dem Rücken zur Wand

VonTino Andresen

Die beiden deutschen Energieriesen RWE und Eon müssen sich nach der Energiewende schlagartig fit für eine atomfreie Zukunft machen. Das ist eine gewaltige Aufgabe, die aus den Konzernen Übernahmekandidaten machen könnte.

Das von RWE betriebene Atomkraftwerk Biblis ist in Folge der Energiewende endgültig stillgelegt. Quelle: dpa

Das von RWE betriebene Atomkraftwerk Biblis ist in Folge der Energiewende endgültig stillgelegt.

DüsseldorfEon und RWE zählten noch kürzlich zu Deutschlands mächtigsten Konzernen. Ihr Einfluss trug maßgeblich dazu bei, dass die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke (AKW) im Herbst 2010 verlängert wurden. Doch die Verlängerung ist nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März dieses Jahres kassiert. Stattdessen setzt die Bundesregierung jetzt auf die Energiewende.

Die Folgen für die Versorger bringt Thomas Deser auf den Punkt: „Deutschland als wichtigster Regionalmarkt hat extrem an Profitabilität eingebüßt. Ergebniswachstum ist hier fast nur durch Kostensparanstrengungen möglich“, sagt der Fondsmanager und Energieanalyst bei der Fondsgesellschaft Union Investment.

Der entgangene Atomstromgewinn wird auf mehr als 20 Milliarden Euro geschätzt. Davon betroffen sind die vier AKW-Betreiber. Von denen haben die Karlsruher EnBW und Vattenfall bereits Halbjahreszahlen vorgelegt. Abschreibungen und Rückstellungen durch die Energiewende belasteten beide Unternehmen mit jeweils 1,1 Milliarden Euro. Bei der EnBW führte das zu einem Nettoverlust von 590 Millionen Euro (im Vergleich zu einem Überschuss von 900 Millionen Euro vor einem Jahr).

Heute präsentierte nun RWE die Halbjahreszahlen, morgen folgt Eon. Die beiden Branchenführer haben als Folge des Atomausstiegs je zwei Kernkraftwerke sofort verloren. Die Belastungen für RWE beliefen sich inklusive der Brennelementesteuer auf 900 Millioenen Euro. Dazu kommen die nun früher und geballter fälligen Kosten für den Rückbau der Anlagen, die höhere Rückstellungen nötig machen. Folge: Das Ergebnis der Essener vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) brach von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch stärker ein als von Analysten erwartet - um 25 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Die Belastungen für den größten deutschen AKW-Betreiber, Eon, dürften sich laut Experten im zweiten Quartal auf rund eine Milliarde Euro oder sogar noch mehr belaufen.

Kommentar: RWE und Eon müssen endlich aufwachen

Kommentar

RWE und Eon müssen endlich aufwachen

Eon und RWE stehen beispielhaft für das Ende einer Ära - und für Konzeptionslosigkeit. Die Energiewende hat sie kalt erwischt.

RWE-Chef Jürgen Großmann musste die Prognose nach einer Korrektur im Mai gestern abermals senken. Für das Gesamtjahr rechnet er nun mit einem Schrumpfen des Ebitda um 20 statt bisher 15 Prozent. Das bereinigte Nettoergebnis werde sogar um 35 statt 30 Prozent einbrechen.

Analysten trauen auch Eon nicht zu, die vorsichtige Prognose für das Gesamtjahr zu erfüllen. Der Konzern rückte nach dem ersten Quartal nicht vom Jahresziel ab, obwohl das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von Januar bis März um 23 Prozent eingebrochen war und der Überschuss sogar um mehr als ein Drittel.

Das könnten die Aktionäre auch in Form von gekürzten Dividenden zu spüren bekommen. Die Anleger leiden ohnehin. Der Aktienkurs von Eon ist seit Jahresbeginn bis am Montag zum Börsenschluss um rund 25 Prozent eingebrochen. Das ist vor allem eine Folge der Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März. Die RWE-Aktie verlor sogar 35,5 Prozent. Zusammen büßten sie rund 20 Milliarden Euro an Wert ein.

Kommentare (2)

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Oelblase

09.08.2011, 12:35 Uhr

Hallo liebe Dinos - der Asteroid ist bereits auf dem Weg!

Aber bei aller Abneigung gegenüber diesem Säufer bei RWE, habe ich heute zu 28,6 € pro Aktie zugeschlagen - ein fairer Preis, um die Rendite abzuschöpfen.

Bei <20 € pro Aktie sind dann echte Kaufkurse, wo man wirklich nichts falsch machen kann, auch wenn so ein unfähiges, saufendes Ungestüm an der Unternehmensspitze sein Unwesen treibt und das auch noch selbstherrlich als Erfolg verkauft.

jogi

09.08.2011, 20:54 Uhr

Da haben wir es doch mal wieder geschafft. Nach den bereits erfolglosen Liberalisierungen und Privatisierungen in anderen Bereichen, ist doch bei den Energieversorgern noch was zu vernichten. Machen wir uns doch weiter multinational abhängig. Stahl, Kohle u.s.w. Zu bedenken gilt: Ohne Strom geht heute nichts mehr. Gar nichts!

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