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20.05.2015

14:05 Uhr

Deutsche Industrie

BDI-Chef hält Russland-Sanktionen für sinnvoll

Kein Waffenstillstand, kein Ende der Sanktionen: Nach Ansicht von BDI-Chef Ulrich Grillo soll die Bundesregierung Wirtschaftssanktionen gegen Russland beibehalten. Rechtssicherheit sei wichtiger als Gewinne, so Grillo.

Schon im Juni 2014 unterstützte BDI-Chef Ulrich Grillo die deutsche Politik in der Frage nach Wirtschaftssanktionen gegen Russland. dpa

Unterstützer der Politik

Schon im Juni 2014 unterstützte BDI-Chef Ulrich Grillo die deutsche Politik in der Frage nach Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

BerlinDie deutsche Industrie sieht ihrem Verband zufolge noch keinen Anlass für eine Rücknahme der wirtschaftlichen Strafmaßnahmen des Westens gegen Russland. „Natürlich wäre es der Wunsch der deutschen Wirtschaft, (...) die Sanktionen wieder runterzufahren“, sagte der Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, am Mittwoch in Berlin.

Dazu müssten aber grundlegende Bedingungen erfüllt sein, wie etwa die Umsetzung des Abkommens von Minsk über eine Waffenruhe in der Ostukraine. „Einseitig diese Sanktionen zurückzunehmen, wäre der falsche Weg“, sagte Grillo am Rande eines Treffens mit Kollegen der Partnerorganisationen seines Verbandes in den anderen Ländern der Gruppe der sieben führenden Industrieländer (G7).

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Die Sanktionen gegen Russland gebe es wegen russischer Verstöße gegen das Völkerrecht, erläuterte Grillo. Er habe immer die Position vertreten, dass langfristige Rechtssicherheit wichtiger sei als kurzfristige Gewinne. Daher habe sein Verband auch die Politik der deutschen Regierung von Anfang an unterstützt. Der deutsche Außenhandel mit Russland ist wegen der Wirtschaftsprobleme in Russland, die auch eine Folge der Sanktionen sind, in den vergangenen Monaten stark eingebrochen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr der Ringe

20.05.2015, 14:40 Uhr

>> Nach Ansicht von BDI-Chef Ulrich Grillo soll die Bundesregierung Wirtschaftssanktionen gegen Russland beibehalten. Rechtssicherheit sei wichtiger als Gewinne, so Grillo. >>

Wenn ein Völkermord in der Ostukrainer für diesen "GEGRILLTEN" ( wohl von der Murksel ) Rechtssicherheit bedeutet, so ist es nicht weit her mit der Deutschen Industrie.

Ein Dampfplauderer, der die Interessen der Deutschen Industrie mit Füssen tritt, Hunderttausende Arbeitslose wegen der sinnlosen Sanktionen in Kauf nimmt, Umsatzverluste Deutscher Firmen ignoriert, har als BDI-Vorsitzender ausgedient.

Die Deutsche Industrie sollte den Dilettanten so schnell wie möglich in die Wüste schicken, um weitere Schäden der Deutschen Wirtschaft zu minimieren.

Die Umsätze der Deutschen Wirtschaft haben sich mit Russland nach Verhängung der Sanktionen, die die Amis den bescheuerten EUtopisten aufgedrückt haben, mehr als halbiert.

Was hat es gebracht....?

NICHTS !

Profitiert aber haben wieder mal die Amis, die den Keil zwischen D und RU so richtig tief reingeschlagen haben. Um die Kriegsfalken und Schurken der Amis, a la Mc' Cain, Nuland, Clinton, Biden, Obama , etc. bei Laune zu halten.

Armselige Vorstellung der Europäer. Und der Deutschen Industrie, die den verkommenen, Ami-gehörigen Politkaste Folge leistete.


Herr Dr. Wolfgang Strecker

20.05.2015, 18:53 Uhr

Die bisherigen Beiträge von Grillo waren "wenig hilfreich", um ausnahmsweise im Kanzlerinnen-Jargon zu reden. Er sollte sich mal mit Herrn Weiss von SMS, Herrn Claas aus Harsewinkel oder auch anderen Unternehmesführern unterhalten, was die von seinen Bemerkungen halten. Er ist und bleibt ein "Jubelperser" unserer sonderbaren Ausspähung durch die USA tolerierenden Regierung.

Herr Wolfgang Trantow

20.05.2015, 19:07 Uhr

Rechtssicherheit? Was ist mit unserer Justiz? Lebenslange haft? Nach ein paar Jahren frei, ist man Ausländerr, Islamist dann nach Wochen. Wo ist das Menschenrecht für die Opfer? Das Embargo gegen Russland muss sofort weg! Es ist nur gegen Deutschland gerichtet und schadet uns vorsätzlich, nur weil Frau Merkel so Ihren persönlichen Hass auslebt!

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