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01.08.2015

10:27 Uhr

Deutsche Industrie

Deutschlands Top-Konzerne auf Rekordkurs

Griechenland-Drama, Bremsspuren in China: Die meisten deutschen Börsenschwergewichte haben die jüngsten Turbulenzen gut weggesteckt. Die Geschäfte laufen gut, doch ganz ungetrübt ist das Bild dennoch nicht.

Schutzhelme mit dem Logo der Siemens AG: Der Konzern darf sich über steigende Umsätze freuen. dpa

Siemens-Helme

Schutzhelme mit dem Logo der Siemens AG: Der Konzern darf sich über steigende Umsätze freuen.

FrankfurtDie Zahlen sind eindrucksvoll: Deutschlands Topkonzerne scheinen allen Turbulenzen zum Trotz ungebremst auf Rekordkurs. Der Gesamtumsatz der Dax-Unternehmen, die bisher Bilanzen für April bis Juni vorgelegt haben, stieg um 12 Prozent auf 174,4 Milliarden Euro.

Der operative Gewinn der 14 Konzerne legte um 11 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro zu, wie aus einer Zwischenbilanz des Beratungsunternehmens EY hervorgeht. „Es ist allerdings vor allem der schwache Euro, der die Umsatzentwicklung antreibt und so den deutschen Top-Konzernen die Bilanzen rettet“, sagt EY-Partner Thomas Harms.

Von der Schwäche der Gemeinschaftswährung profitieren vor allem Unternehmen, die viel exportieren. Ihr Waren werden auf dem Weltmarkt günstiger. Zugleich nehmen sie für Produkte, die beispielsweise in Dollar bezahlt werden, umgerechnet mehr ein.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

So legte der Umsatz des Elektrokonzerns Siemens von April bis Juni um acht Prozent auf 18,8 Milliarden Euro zu. Bereinigt um Währungseffekte sank er dagegen um 3 Prozent. Auch andere Börsenschwergewichte profitierten von der Schwäche der Gemeinschaftswährung - darunter Lufthansa, der Chemieriese BASF und der Autobauer Daimler.

Im zweiten Quartal verlor der Euro etwa gegenüber dem Dollar binnen Jahresfrist knapp 20 Prozent an Wert. Nach EY-Berechnungen brachte die Schwäche den Konzernen insgesamt einen Umsatzschub von mindestens zehn Milliarden Euro - bei einem Plus von insgesamt 19 Milliarden Euro.

Ein weiteres kleines Konjunkturprogramm sind für einige Unternehmen die niedrigen Rohstoffpreise. So wird die Lufthansa in diesem Jahr mit 6 Milliarden Euro voraussichtlich rund 200 Millionen Euro weniger für Kerosin ausgeben als bislang geplant. BASF leidet hingegen unter dem Ölpreisverfall. Er drückt die Erzeugerpreise für chemische Produkte.

Trotz insgesamt guter Quartalszahlen ist vielfach Sparen angesagt. Der seit Juli amtierende Deutsche Bank-Chef John Cryan sprach von „inakzeptabel hohen“ Kosten bei dem deutschen Branchenprimus. In einer E-Mail an die Mitarbeiter des Finanzriesen deutete er schmerzhafte Einschnitte an: „Veränderungen können belastend sein, aber den Status quo beizubehalten, ist keine Option.“

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