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11.01.2008

10:55 Uhr

Deutsche Möbelindustrie

Das Holz wird knapp und teuer

VonIngo Reich

Wegen der steigenden Nachfrage in Europa und Fernost und wegen des großen Bedarfs zur Energiegewinnung steigen die Beschaffungskosten für Holz weiterhin an. Die Industrie will die steigenden Rohstoffpreise durch Preiserhöhungen an den Handel weitergeben.

DÜSSELDORF. „Durch ein Stahlgewitter“ sei seine Branche in den vergangenen zehn Jahren gegangen, sagt Dirk-Uwe Klaas. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), der solche drastischen Vergleiche liebt, spürt aber jetzt schon im dritten Jahr in Folge, wie die erst noch zaghafte Aufwärtsbewegung der Möbelkonjunktur an Dynamik gewinnt.

Mit einem voraussichtlichen Plus von fünf Prozent bis Ende des letzten Jahres werde man mit mehr als 19 Mrd. Euro endlich wieder das Umsatzniveau von vor zehn Jahren erreichen, freut sich der Verbandschef. Doch Euphorie sei deshalb noch lange nicht angesagt. Denn steigende Materialpreise, unflexible Arbeitszeiten, hohe Arbeitskosten sowie die ihrer Meinung nach keineswegs auskömmlichen Preise, die der Handel für Möbel „Made in Germany“ zu zahlen bereit sei, verderben den meisten heimischen Möbelproduzenten schon wieder die Stimmung.

Beispielsweise bleibt auch in diesem Jahr das Grundmaterial Holz knapp und teuer. Denn wegen der weiter steigenden Nachfrage sowohl in Europa als auch in Fernost und wegen des großen Holzbedarfs zur Energiegewinnung legen die Beschaffungskosten kontinuierlich zu. Früher wurden die inzwischen sehr begehrten Holzpellets, die von einer rapide zunehmenden Benutzerzahl von Holzheizungen nachgefragt werden, aus Abfallholz hergestellt. Heute wird für diesen Zweck sogar extra Holz geschlagen. Die EU wird mit ihrer Forderung, bis zum Jahr 2020 den Anteil erneuerbarer Energien auf ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs zu steigern, die Situation noch verschärfen. Das Beratungsunternehmen AT Kearney erwartet einer Studie zufolge in den nächsten Jahren in Europa sogar schon ernste Versorgungsengpässe beim Holz.

Die Industrie will die steigenden Rohstoffpreise durch Preiserhöhungen, die sie auf drei bis fünf Prozent beziffert, an den Handel weitergeben. Doch angesichts des hochkonzentrierten deutschen Möbelhandels und der damit verbundenen Marktmacht, fürchtet Verbandschef Klaas die Verweigerungshaltung des Handels. „Dies schadet der gesamten Branche, weil sie die extreme Preisfixierung der Verbraucher ohne Not schürt“, wettert Klaas, der deshalb seinen Verbandmitliedern empfiehlt, ihr Heil auch im Ausland zu suchen (siehe unten).

Tatsächlich ist die Konzentration im Möbelhandel hier zu Lande einzigartig im Vergleich mit dem Rest Europas. Die hiesigen Möbelproduzenten sehen sich einer starken Marktmacht der großen Einkaufsverbände gegenüber. Die größten fünf, darunter Begros, Atlas, Union und VME, repräsentieren fast die Hälfte des Einzelhandelsumsatzes von zuletzt rund 30 Mrd. Euro.

Zusätzlich müssen sich die Möbelhersteller auch mit einem starken Wettbewerb aus dem Ausland auseinander setzen. Allen voran ist der schwedische Ikea-Konzern mit einem Umsatz von rund drei Mrd. Euro sogar Branchenprimus im hiesigen Markt. Ikea tritt zwar als Händler auf, lässt aber auch selbst herstellen und kann damit als Wettbewerber der Möbelindustrie betrachtet werden.

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