Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.03.2012

15:40 Uhr

Deutscher Autozulieferer

Chinesen übernehmen Kiekert

Der weltgrößte Türschloss-Hersteller Kiekert kommt in chinesische Hände. Damit kann der Käufer Hebei Lingyun Industrial aus Peking seinen Umsatz mehr als verdoppeln.

Kiekert produziert jährlich über 36 Millionen Zentralverriegelungen und andere Schlösser. picture-alliance/ obsKiekert AG

Kiekert produziert jährlich über 36 Millionen Zentralverriegelungen und andere Schlösser.

Frankfurt/HeiligenhausErneut kommt ein deutscher Autozulieferer in chinesische Hände: Der weltgrößte Türschloss-Hersteller Kiekert AG aus Heiligenhaus bei Düsseldorf wird an die Hebei Lingyun Industrial aus Peking verkauft, die mit der Übernahme ihren Umsatz auf mehr als 1,3 Milliarden Euro fast verdoppelt, wie Kiekert am Dienstag mitteilte. Kiekert, der Erfinder der Zentralverriegelung für Autotüren, gehört seit gut fünf Jahren drei Finanzinvestoren, die sich in die Kredite eingekauft und damit die Private-Equity-Firma Permira hinausgedrängt hatten.

Seither wurde das Unternehmen mit 4000 Mitarbeitern saniert, heute sei es profitabel, hieß es in der Mitteilung. „Das Unternehmen ist für den Verkauf an einen strategischen Investor aus dem Automobilsektor bestens vorbereitet.“ Kiekert setze weit mehr als 500 Millionen Euro um.

China hat sich den Kauf von Unternehmen und Technologien in Europa zum großen Ziel gesetzt. Zu den strategischen Branchen, in die systematisch investiert werden soll, gehören die Auto-Industrie und der Maschinenbau. Hatten chinesische Käufer erst nur Sanierungsfälle wie Saargummi gekauft, greifen sie nun auch nach gesunden Unternehmen wie KSM Castings oder dem Betonpumpen-Hersteller Putzmeister.

Kiekert verspricht sich von der Übernahme durch Lingyun mehr Chancen im Geschäft mit asiatischen Autobauern. Umgekehrt sollen die Produkte der Chinesen - unter anderem Zierteile und Auto-Türelemente - auch an die Kunden von Kiekert in Europa und den USA verkauft werden. Bisher beliefert Lingyun vor allem die chinesischen Autohersteller und ihre Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Konzernen. Lingyun habe genug Geld, um Kiekert auch bei Zukäufen finanziell unter die Arme zu greifen, betonte das Unternehmen. 

Der rheinländische Autozulieferer war zu einem Sinnbild für die „Heuschrecken“-Debatte um die Rolle von Finanzinvestoren in der Wirtschaft geworden. Permira hatte im Jahr 2000 rund 530 Millionen Euro für die bis dahin börsennotierte Kiekert gezahlt und die Schulden auf das Unternehmen abgewälzt, das aber nach Verlusten mit den Zinsen überfordert war. Permira musste Kiekert schließlich an die Gläubiger abtreten - die Hedgefonds BlueBay und Silver Point sowie die Investmentbank Morgan Stanley. Die Verbindlichkeiten wurden drastisch reduziert.

Die Lingyun-Gruppe produziert mit 10.000 Beschäftigten an mehr als 40 Standorten unter anderem Zierteile, Spezialschläuche, Türelemente und Gelenkwellen und ist vor allem auf den chinesischen Markt ausgerichtet. Der Umsatz betrug zuletzt über 700 Millionen Euro. Lingyun ist nach Angaben der „Automobilwoche“ ein Tochterunternehmen des Norinco-Konzerns, der unter anderem in der Rüstungsindustrie aktiv ist. Die Zeitung hatte berichtet, der Verkauf von Kiekert an Lingyun stehe kurz bevor.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

EuroSkeptiker

13.03.2012, 15:57 Uhr

Die Chinesen machens richtig:
kaufen mit Monopolygeld (Dollar/Euro) KnowHow und Wirtschaftkapazität
Die deutschen Deppen lassen mit ihrem EZB-Geld die windigen Anleihen aus Griechnland und Co finanzieren

Soundcheck

13.03.2012, 16:33 Uhr

der anonyme Benutzer hat Recht - was irgendwann übrigbleibt
mutiert dann zum Wanderarbeiter

Account gelöscht!

13.03.2012, 16:33 Uhr

Armes Deutschland. Wir verschenken unsere Grundlagen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×