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17.03.2016

10:28 Uhr

Deutz

Sinkende Nachfrage setzt Motorenbauer unter Druck

Deutz kämpft mit massiven Absatzrückgängen. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der vom Unternehmen verkauften Motoren um fast ein Drittel. Erst 2017 rechnet Firmenchef Helmut Leube mit einer Erholung des Marktes.

Der Absatz des Motorenbauers ist stark zurückgegangen. dpa

Deutz-Werk in Köln

Der Absatz des Motorenbauers ist stark zurückgegangen.

KölnDer Motorenbauer Deutz hat im vergangenen Geschäftsjahr deutlich weniger verdient und erwartet auch 2016 keine großen Sprünge. Das operative Ergebnis (Ebit vor Einmaleffekten) fiel auf 4,9 Millionen Euro – ein Minus von 84,5 Prozent, wie die Kölner am Donnerstag mitteilten. Die Zahl der vom Unternehmen verkauften Motoren sank um 29,8 Prozent auf knapp 138.000.

Vor allem in der zweiten Jahreshälfte hätten sich die Kunden mit Investitionen zurückgehalten. Der Nettogewinn schrumpfte um über 80 Prozent auf 3,5 Millionen Euro. Trotzdem schlägt das Management eine Dividende auf dem Vorjahresniveau von sieben Cent je Aktie vor. Kleinanleger hatten den Vorstand wegen der schwächelnden Geschäfte immer wieder scharf kritisiert.

Finanzvorstand Margarete Haase sagte, das Ergebnis entspreche der „strategischen Zielrichtung, auch in Abschwungphasen eines Geschäftszyklus schwarze Zahlen zu erwirtschaften“ und belege die Wirksamkeit der eingeleiteten Effizienzmaßnahmen.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

„Für das Geschäftsjahr 2016 stellen wir uns auf ein weiterhin schwieriges Geschäftsumfeld ein, zumal Anzeichen für eine Markterholung bis dato noch nicht erkennbar sind“, schrieb der Vorstand um Konzernchef Helmut Leube den Aktionären. Er gehe von einem stagnierenden bis allenfalls leicht wachsenden Umsatz aus. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) von zuletzt 0,4 Prozent werde wohl nur moderat ansteigen – und dies auch in erster Linie nur dank der Kostensenkungen.

2017 rechnet Leube mit einer Markterholung, die zu einer deutlich spürbaren Verbesserung von Umsatz und Profitabilität führen solle. Das Geschäft von Deutz gilt als sehr konjunkturanfällig. Eine wirtschaftliche Flaute macht sich umgehend im Verkauf von Motoren für Lastwagen und Bau- oder Landmaschinen bemerkbar.

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