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12.09.2013

10:56 Uhr

Diabetes-Mittel

Sanofi zieht Zulassungsantrag zurück

Der französische Pharmahersteller stoppt das Zulassungsverfahren für ein Diabetesmittel in den USA. Sanofi erhofft sich von dem Medikament einen neuen Blockbuster. Und in Europa ist es bereits zugelassen.

Sanofi stoppt den Antrag in den USA für einen seiner Hoffnungsträger. Die Entscheidung stehe „nicht mit Fragen der Sicherheit oder Unzulänglichkeiten im Antragsverfahren“ im Zusammenhang. AFP

Sanofi stoppt den Antrag in den USA für einen seiner Hoffnungsträger. Die Entscheidung stehe „nicht mit Fragen der Sicherheit oder Unzulänglichkeiten im Antragsverfahren“ im Zusammenhang.

ParisDer französische Pharmahersteller Sanofi stoppt das Zulassungsverfahren für ein wichtiges, neues Diabetesmittel in den USA. Der entsprechende Antrag für das Medikament Lixisenatide werde zurückgezogen, teilte Sanofi am Donnerstag mit. Zunächst will Sanofi die Ergebnisse einer weiteren klinischen Studie zum Herzkreislauf-System von Patienten abwarten. Die Entscheidung stehe „nicht mit Fragen der Sicherheit oder Unzulänglichkeiten im Antragsverfahren“ im Zusammenhang. Die Zulassung werde 2015 noch einmal neu eingereicht, teilten die Franzosen mit. Das Diabetesmittel ist in Europa bereits seit Februar unter dem Namen Lyxumia zugelassen.

Das Medikament gilt als einer der Hoffnungsträger von Sanofi, sich zum Blockbuster zu entwickeln - also zu einem Mittel mit mehr als einer Milliarde Jahresumsatz. Sanofi leidet wie andere forschende Pharmaunternehmen unter dem Auslaufen von Patenten für wichtige Umsatzbringer und sucht fieberhaft nach neuen Arzneien.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Lyxumia gehört zur Medikamentenklasse der GLP-1-Agonisten. Diese wirken wie ein Turbo, indem sie die Insulin-Ausschüttung bei zu hohem Blutzuckerspiegel anregen. Auch der dänische Konkurrent Novo Nordisk hat mit Victoza eine solche Arznei auf dem Markt. Die Präparate Byetta und das neuere Mittel Bydureon, die Teil der Diabetes-Allianz von Bristol-Myers Squibb und AstraZeneca sind, zählen ebenfalls dazu.

Die Diabetes-Medizin ist eines der am stärksten wachsenden Therapiefelder. Dass immer mehr Menschen an Diabetes erkranken liegt unter anderem an der Zunahme ungesunder Lebensweisen, auch in vielen Schwellenländern. Falsche Ernährung, Übergewicht, wenig Bewegung und Dauerstress sind weltweit auf dem Vormarsch. Die USA gelten bei Diabetes-Mitteln als besonders vielversprechender Markt.

Von

rtr

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