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25.01.2010

11:25 Uhr

Dialysekonzern

US-Gesundheitsreform lässt FMC kalt

VonMaike Telgheder

ExklusivDer Dialysekonzern peilt in Amerika starkes Wachstum an - er könnte dort auch von neuen Erstattungssätzen profitieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen der Branche fürchtet FMC keine starken negativen Folgen der US-Gesundheitsreform. Der Marktführer könnte sogar von einer Neuregelung profitieren.

Produktion von Dialysatoren bei Fresenius Medical Care (FMC). Der Marktführer strebt weiteres Wachstum in den USA an. Quelle: ap

Produktion von Dialysatoren bei Fresenius Medical Care (FMC). Der Marktführer strebt weiteres Wachstum in den USA an.

FRANKFURT. Weil die Zahl der Dialysepatienten jährlich um fünf bis sechs Prozent steigt, sieht sich der Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) weiter auf Wachstumskurs. Seit Jahren legt der profitable Konzern mindestens hoch einstellig zu, in diesem Jahr soll nach den Plänen von CEO Ben Lipps die Marke von 11,5 Mrd. Dollar Umsatz übersprungen werden (2008: 10,6 Mrd. Dollar). Hauptumsatzträger ist und bleibt der US-Markt, der zwei Drittel zum Umsatz des Dax-Konzerns aus Bad Homburg beiträgt.

Während sich die Pharma- und Medizintechnikwelt dort mit der Frage beschäftigt, ob und wie die geplante Gesundheitsreform von Präsident Obama das Geschäft verändern könnte, sieht Lipps das Thema gelassen. "Die US-Gesundheitsreform hätte keinen großen Einfluss auf uns", sagte er dem Handelsblatt. Denn die Reform habe ja vor allem das Ziel, den rund 45 Mio. Amerikanern, die nicht krankenversichert sind, eine Versicherung zu bieten. 80 Prozent der US-Patienten, die FMC versorgt, sind bereits über die staatlichen Krankenversicherungen für bedürftige und alte Menschen (Medicaid und Medicare) versichert.

Für diese Patienten sollen unabhängig von der Reform ab 2011 neue US-Erstattungsregeln für die Dialyse gelten. Seit Jahren ist eine Pauschalerstattung für die Dialysebehandlung in der Diskussion, ab Januar soll sie Wirklichkeit werden. Bislang gab es eine Basisrate für die Behandlung, notwendige und spezielle Medikamente, die bei der Blutwäsche eingesetzt werden, mussten extra abgerechnet werden. "Wir haben bislang eine Menge Geld dafür ausgegeben, gegenüber Medicaid zu rechtfertigen, warum wir welche Mengen von Medikamenten eingesetzt haben. Die neue Regelung verringert den bürokratischen Aufwand und das regulatorische Risiko für uns erheblich", sagt Lipps.

Die staatliche amerikanische Krankenversicherung, die CMS (Center for Medicare & Medicaid Services), wird voraussichtlich im Frühjahr die endgültigen Vergütungssätze bekannt geben, die ab 2011 gelten sollen. Die von der CMS bisher vorgeschlagenen Erstattungssätze, die allerdings auf Basis der Preisniveaus von 2006 und 2007 berechnet wurden, liegen in etwa auf dem Niveau der durchschnittlichen Kosten von 250 US-Dollar pro Dialysebehandlung. Diese Eckdaten wertet Leslie Iltgen, Analystin beim Bankhaus Lampe als gute Ausgangsbasis dafür, dass die tatsächliche Rate dann auch die aktuellen Kosten der Dialyseanbieter abdecken wird. "Ich gehe davon aus, dass FMC keine Nachteile durch die neue Regelung entstehen", sagt sie.

Ben Lipps hebt als Vorteil der geplanten Pauschale hervor, dass ab 2012 jedes Jahr ein automatischer Inflationsausgleich von zwei Prozent zur Pauschale hinzu kommt. In den vergangenen Jahren war ein Ausgleich des Kostenanstieg ein steter Diskussionspunkt zwischen der Dialyseindustrie und der CMS gewesen. Der FMC-CEO erwartet, dass die neue Pauschalerstattung für Fresenius "ergebnisneutral" zu werten sei.

Viele Analysten sehen angesichts der vertikalen Integration von FMC aber große Chancen, dass der Marktführer durch Synergien deutlich stärker von der Regelung profitiert als kleinere Anbieter. Fresenius Medical Care betreibt nicht nur Dialysekliniken, sondern stellt auch die für die Blutwäsche notwenigen Machinen und Apparaturen her und bietet - zum Teil über Lizenzvereinbarungen - die notwenigen Medikamente gegen Blutarmut und zur Regulierung des Mineralhaushalts an. Hauptwettbewerber DaVita beispielsweise bietet vor allem Dialysedienstleistungen an, während Gambro bei Dialysatoren und Dialysemaschinen mit FMC konkurriert und die amerikanische Baxter bei Medikamenten und der Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse). "Da Fresenius Medical Care praktisch in allen Bereichen der Dialyse vertreten ist, hat der Konzern größere Möglichkeiten als die Wettbewerber, die Dialysebehandlung effizienter und profitabler zu gestalten", meint Analystin Iltgen.

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