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01.02.2005

10:40 Uhr

Die Börse bewertete den Bayer-Ableger am ersten Handelstag mit gut einer Milliarde Euro

Chemiekonzern Lanxess stellt Ertrag vor Marktanteile

Bei dem neuen Chemiekonzern Lanxess soll in den kommenden Jahren die Ertragssteigerung klar im Vordergrund stehen.

shf FRANKFURT/M. Das bekräftigte der Vorstandsvorsitzende Axel Heitmann gestern, am Tag der Börseneinführung von Lanxess. "Wir wollen und müssen den Cashflow von Lanxess sofort und spürbar verbessern", sagte Heitmann. Dazu sei man bereit, auf Marktanteile zu verzichten und unpopuläre Maßnahmen einzuleiten.

Lanxess, mit rund 6,5 Mrd. Euro Umsatz der drittgrößte reine Chemiekonzern Deutschlands, ist zum Jahresende durch einen Spin-off aus dem Bayer-Konzern entstanden. Aktionäre des Chemie- und Pharmariesen haben dabei für je zehn Bayer-Aktien eine Aktie von Lanxess erhalten und konnten diese gestern erstmals an der Börse handeln.

Bei Handelsschluss lag der Lanxess-Kurs bei 14,84 Euro, was einem Börsenwert von gut einer Mrd. Euro entspricht und 5,8 Prozent unter dem Eröffnungskurs von 15,75 Euro liegt. Die addierte Marktkapitalisierung von Bayer und Lanxess war um etwa 500 Mill. Euro oder drei Prozent höher als die von Bayer am vergangenen Freitag. Für die Aktionäre des Leverkusener Konzerns ging die Abspaltung so gesehen mit einem Wertzuwachs einher.

Allerdings bleibt abzuwarten, ob der Chemieableger seine Bewertung in den kommenden Wochen auch halten kann. Selbst das Lanxess-Management schließt nicht aus, dass der Kurs in den nächsten Tagen noch unter Druck geraten könnte, wenn institutionelle Investoren ihre Anteile umschichten. Dazu dürften insbesondere Fonds gehören, die auf Grund ihrer Satzungen nur Dax- oder Pharmawerte halten dürften.

Mehr als 18 Prozent des Lanxess-Kapitals wechselten am ersten Handelstag den Besitzer. Um die Umschichtungen zu erleichtern, wurde die Lanxess-Aktie gestern für einen Tag als 31. Wert im Dax-Index gehandelt. Ab heute wird sie nur noch als regulärer Wert im Prime Standard der Börse gehandelt, dabei aber zu den Kandidaten zählen, die in den M-Dax aufrücken könnten.

Unsicherheit im Analystenlager

Unterdessen herrscht im Analystenlager nach wie vor gewisse Unsicherheit, wie der neue Konzern einzustufen ist. Schätzungen für den fairen Wert der Aktie bewegten sich im Vorfeld der Abspaltung zwischen 12 und 18 Euro.

Als Hypothek für Lanxess gilt die Tatsache, dass Bayer in dem Konzern überwiegend Aktivitäten mit schwächerem Wachstum und Erträgen gebündelt hat. Das Produktprogramm umfasst unter anderem Chemikalien für die Papier und Textilindustrie, chemische Zwischenprodukte, Kunststoffe und Synthese-Kautschuk. Zudem hat sich der Konzern die Zustimmung zur Aufspaltung mit einer Beschäftigungsgarantie gegenüber der Belegschaft erkauft, an die zunächst auch Lanxess gebunden ist.

Dessen ungeachtet kündigte Heitmann gestern weitere Schritte zur "Optimierung der Strukturen" an. Kostenreduktion habe absolute Priorität bei Lanxess. "Derzeit stehen alle Geschäftsprozesse auf dem Prüfstand", sagte er. Bereits Mitte Januar einigte sich Heitmann mit dem Betriebsrat auf Kürzungen von 20 Mill. Euro bei den übertariflichen Leistungen.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll sich in den kommenden beiden Jahren weiter deutlich verbessern, die Ebitda-Marge bis zum Jahr 2006 einen Wert von neun bis zehn Prozent erreichen. Zu Gute kommen dürfte dem Konzern dabei eine starke Chemiekonjunktur, die möglicherweise erst 2007 ihren Höhepunkt erreicht.

In den ersten neun Monaten erreichte die Ebitda-Rendite bereits 7,6 Prozent bei rund fünf Mrd. Euro Umsatz. Doch dürfte das vierte Quartal auf Grund saisonbedingt geringerer Nachfrage aus Branchen wie Bau und Kautschuk-Verarbeitung etwas schwächer ausgefallen sein. Für das Gesamtjahr wird daher eine operative Rendite von lediglich sieben Prozent erwartet.

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