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30.07.2014

14:11 Uhr

Die Osram-Krise

Angst, Lähmung, Licht aus

VonCornelia Knust

Ein ehemaliger Manager packt aus: Bei dem Lampenhersteller ist die Stimmung unter null. Auch Siemens hat seinen Anteil an der Misere der ehemaligen Tochter.

Die Osram-Leuchte glimmt nur noch: Das Unternehmen begegnet dem wegbrechenden Geschäft mit Stellenabbau.

Die Osram-Leuchte glimmt nur noch: Das Unternehmen begegnet dem wegbrechenden Geschäft mit Stellenabbau.

MünchenNur die Börse konnte Osram-Chef Wolfgang Dehen am Mittwoch noch überraschen: Der Aktienkurs des Licht-Unternehmens stürzte im Tagesverlauf zeitweise um sieben Prozent ab. Der Umsatzeinbruch im traditionellen Lampengeschäft von 14 Prozent im dritten Quartal und eine weitere teure Entlassungsrunde haben die Anleger kalt erwischt.

Die Mitarbeiter von Osram dürften von den erneuten Hiobsbotschaften jedoch wenig überrascht gewesen sein. Schon seit einiger Zeit geht es mit der ehemaligen Siemens-Tochter bergab.

Gewerkschaftsvertreter betrachteten bereits im März 2014 mit zunehmender Sorge, wie schnell das Geschäft mit traditionellen Leuchtmitteln eingebrochen ist. Auf der anderen Seite schafft das Unternehmen es nicht, schnell neue Geschäftsbereiche aufzubauen. Die Einführung neuer Produkte auf Basis von Leuchtdioden, also optischen Halbleitertechnologien, verläuft schleppend. Gewinne werden in diesem neuen Feld bislang ohnehin nicht erzielt.

Die sanften Instrumente des Stellenabbaus wie Altersteilzeit und Abfindungen hat Osram-Chef Wolfgang Dehen längst ausgereizt. Im Werk Berlin gab es bereits Anfang des Jahres erste betriebsbedingte Kündigungen. In anderen Werken wurden Schichten gestrichen oder die ganze Belegschaft in den Kurzurlaub geschickt. Die Stimmung sank auf den Nullpunkt.

Als Technikvorstand Peter Laier Anfang Juni auch noch hinschmiss, schien sie sogar noch darunter zu sinken. Denn Laier, so verlautete selbst aus Kreisen des Aufsichtsrats, galt als Hoffnungsträger und treibende Kraft für neue Produkte. Und als langfristig orientierter Gegenpol zu Vorstandschef Wolfgang Dehen, der das Unternehmen mit harter Hand führen soll, in einer Art Regimentstil, mittels Druck und Angst.

Laier ist nur einer von vielen Führungskräften, die Osram in den letzten Wochen verlassen haben. Auch unter vielen von ihnen galt Dehen als harter Hund.

„Beliebt sein zu wollen, ist aber auch nicht die richtige Eigenschaft für diesen Posten“, verteidigt ein ehemaliger Osram Top-Manager, der jetzt im Ausland tätig ist, Dehen. „Und viele Manager sind nicht nur wegen Dehen gegangen, sondern einfach, weil ihnen klar war, dass sie bei Osram auf Jahre hinaus nur Restrukturierung betreiben dürfen und keine eigenen Visionen verwirklichen können.“

Die Größe der Aufgabe bei Osram sei gigantisch, sagt der Manager. Wenn 20.000 Menschen, die derzeit in den traditionellen Geschäften von Osram arbeiten, immer weniger gebraucht würden, führe das einfach zu Angst und Lähmung. Und es gibt wenig Hoffnung auf Besserung.

Kommentare (2)

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Herr Josef Schmidt

30.07.2014, 15:17 Uhr

Die Deindustrialisierung Deutschlands und Europas schreitet voran.

Ob das Geschäftsmodell Produktion und Entwicklung ins Ausland zu verlagern und in Deutschland nur noch Bonis kassieren und Luxuskarossen fürs Management zu leasen funktioniert, wird die nahe Zukunft zeigen.

China wird sich bald von westlichen Investoren trennen wenn ihre Industrie aufgebaut ist und das ganze Know How besitzen. Die ganzen Industriestandorte werden von den chinesischen Partner für lau übernommen dann heisst es Good Bye and Thanks.

Dann werden Einige hier erst aufwachen, leider zu spät.

Herr H-J. H.

31.07.2014, 09:06 Uhr

Leider hat die heutige Generation Topmanager weder Ethik bzw. Anstand, noch Stolz auf ihr Unternehmen, gelernt. Es geht nur noch um das raffgierige Füllen der eigenen Taschen über Sharholders Value. Was in deren Hände gerät hat langfristig keinen Bestand. Leider sind große Teile des größenwahngetriebenen Mittelstandes auch dabei, sich den Teppich unter den eigenen Füßen weg zu ziehen indem man meint sich nur noch an die "Großen" hängen zu müssen mit Auftragsvergaben etc. und dadurch Teile des Mittelstandes mit zerstört.

Dann ist diese blinde Gier, die auch viele nach China treibt. Wir haben bereits 1987 erkannt, wie die Chinesen den gierigen Westen mit seinen eigenen Stricken aufhängen wollte, und es auch tun wird. Man schaue sich heute nur in deutschen Baumärkten um. Welcher hat noch mehr als 30% westeuropäische Produkte? Ich schätze den chinesischen Anteil mittelbar und unmittelbar auf 70%. Tja, vor 20 Jahren hat Westdeutschland gemeint, man brauche den Ossis nur Märkte der Discounter hinsetzen. So tun es die Chinesen heute mit dem gesamten Land. Und vor lauter "Geiz-ist-Geil" hängen wir uns selber auf. Angenehmes Baumeln! Die Katastrophe kommt, nur daß heute ein Konzern wie Siemens sich nicht mehr darauf verlassen kann, daß der Steuerzahler das massenweise in den Vorruhestandschicken bereit ist zu bezahlen.

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