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14.01.2005

08:31 Uhr

Die Rekorde und Risiken des Doppeldeckers

A380 – das Hochhaus in den Wolken

VonMatthias Eberle

35 Jahre lang dominierte der Jumbo-Jet des US-Konzerns Boeing den Markt der großräumigen Passagierflugzeuge. Doch mit der A380, die am Dienstag offiziell vorgestellt wird, stößt der europäische Konkurrent Airbus die 747 vom Thron. Die neue Königin der Lüfte kann auf zwei Stockwerken bis zu 853 Passagiere befördern und mit 310 000 Litern Kerosin im Tank ohne Zwischenlandung von Tokio nach Frankfurt fliegen. Im März starte die A380 zum Jungfernflug.

Eine Simulation zeigt den Airbus A380 bereits über den Wolken. Foto: dpa

Eine Simulation zeigt den Airbus A380 bereits über den Wolken. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Pottwal, weißer Elefant, fliegende Knackwurst: Es sind wenig charmante Kosenamen, die der Ultra-Großraumjet A380 vor seiner feierlichen Enthüllung bekommt. Wenn Bundeskanzler Gerhard Schröder, Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und der britische Premierminister Tony Blair am Dienstag in Toulouse das jüngste Baby des Flugzeugbauers Airbus bestaunen, wird ihnen ein Riese entgegenblicken, dessen Heckflosse 24 Meter in die Höhe ragt. Ein Jet von der Größe eines achtstöckiges Hochhauses, der in wenigen Wochen erstmals fliegen soll.

Die A380 demonstriert bildlich, welch dominante Position sich Europas Flugzeugbauer erarbeitet hat. 2004 hat Airbus erneut mehr Flugzeuge verkauft als der einst übermächtige US-Rivale Boeing. Fachleute erwarten, dass die Europäer ihre führende Position auf Jahre hinaus verteidigen werden, weil sie den Fluglinien die weit modernere Modellpalette anbieten können. Einige Kilo Übergewicht sowie deutliche Mehrkosten bei dem Zwölf-Milliarden-Euro-Projekt können die Feierlaune vorerst nicht stören. Airbus-Ingenieure haben alles versucht, damit das Flugzeug mit Blick auf den Kerosinverbrauch nicht zu viel Speck ansetzt. Unter anderem reduzierten sie das Gewicht der Toilettenschüsseln von bisher zehn Kilogramm um die Hälfte.

Dennoch sind es am Ende gut 550 Tonnen geworden, die der Supervogel beim Start auf die Waage bringen wird. Flugzeuge wie die kleine Schwester A320 kommen gerade einmal auf ein Achtel dieses Startgewichts. In den riesigen Bauch der A380 passen – verteilt auf zwei Stockwerke – bis zu 853 Passagiere. Die Sitzplatzkapazität wird weniger durch die Fläche des Doppeldeckers begrenzt als durch die Luftfahrt-Vorschrift, dass alle Fluggäste im Notfall innerhalb von 90 Sekunden evakuiert werden müssen.

Ein Pummelchen als neue „Königin der Lüfte“? Airbus nimmt diese Abzüge im Schönheitswettbewerb gern in Kauf. Die A380 wurde stur auf ökonomische Höchstleistung getrimmt – mit Erfolg: Seit der Supervogel angeboten wird, hat der Erzrivale für den bisher größten Passagierjet Boeing 747-400 fast keine Bestellungen mehr erhalten. Große Airlines setzen auf die weit höhere Passagierkapazität der A380, die extrem günstige Kosten pro Flugkilometer und Sitzplatz bringt – eine Messgröße, die über Erfolg oder Misserfolg eines Flugzeugmodells entscheidet. Lufthansa & Co. sparen zudem ganze Flüge ein, wenn sie künftig an Stelle von drei 747-Jumbos nur noch zwei A380 um die Welt schicken müssen. Kerosinverbrauch, Lärmpegel, Betriebskosten – in all diesen Bereichen schlägt der Riesenvogel das 35 Jahre alte Konkurrenzmodell von Boeing um Längen. „Mit der A380 greifen wir die 747 von oben an und mit der A340-600 von unten“, sagt Airbus-Verkaufschef John Leahy.

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