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24.03.2016

15:26 Uhr

Diebold-Wincor

Geldautomaten-Übernahme glückt in letzter Minute

VonMartin Wocher

Die Hängepartie ist vorbei: Im letzten Moment glückt dem US-Geldautomatenhersteller Diebold die Übernahme des deutschen Konkurrenten Wincor Nixdorf. Wenige Stunden später wäre der Deal geplatzt.

Erst im letzten Moment haben die Aktionäre von Wincor Nixdorf dem US-Konkurrenten Diebold die nötigen 67,6 Prozent der Anteile angeboten. dpa

Wincor Nixdorf

Erst im letzten Moment haben die Aktionäre von Wincor Nixdorf dem US-Konkurrenten Diebold die nötigen 67,6 Prozent der Anteile angeboten.

DüsseldorfEs war bis zuletzt eine Zitterpartie: Bis Dienstag um Mitternacht hatten die Eigentümer des Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf Zeit, das Angebot der US-Konkurrenten Diebold zu akzeptieren. Nun ist die Übernahme im letzten Moment geglückt.

Das Ergebnis: 68,9 Prozent stimmten für den Deal, der aus der Nummer zwei und drei einen ebenbürtigen Konkurrenten zum bisherigen Marktführer NCR formt. Da Wincor Nixdorf fast ein Zehntel seines Grundkapitals selbst hält, ergibt das zusammen eine Dreiviertel-Mehrheit der Amerikaner an dem deutschen Traditionskonzern. Auf mindestens 75 Prozent hatte Diebold-Chef Andy Mattes die Messlatte gelegt. 38,98 Euro und 0,434 Diebold-Anteile für jede Wincor-Aktie lautete das Gebot, das Mattes den Investoren unterbreitet hatte.

Mit einem Kraftakt hatte der frühere Siemens-Manager und gebürtige Deutsche noch eine Woche zuvor auf einer Werbetour durch 13 europäische Städte versucht, noch zögernde Anteilseigner zur Annahme des Angebots zu bewegen. Vor allem Hedgefonds sollen versucht haben, ihre Anteile bis zur letzten Minute in der Hoffnung zurückzuhalten, dass Diebold seine Offerte kurz vor Schluss noch einmal erhöht.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Mattes hatte das jedoch immer mit dem Hinweis abgelehnt, dies sei wirtschaftlich schwierig. Wer bislang das Angebot noch nicht akzeptiert hat, kann seine Papiere zwischen dem 30. März und dem 12. April nachträglich einreichen. Noch steht die Genehmigung der Behörden aus, damit die Amerikaner die Übernahme wie geplant bis zum Sommer abwickeln können.

Wincor und Diebold formen nun einen Konzern, der auf 4,8 Milliarden Euro Jahresumsatz kommt und rund 25.000 Menschen beschäftigt. Mattes erhofft sich durch den Zusammenschluss wenigsten 160 Millionen Dollar (knapp 150 Millionen Euro) an Einsparungen.

Beide Unternehmen wollen zusammen unter anderem ihre Produktion von Bankautomaten, aber vor allem ihre Serviceleistungen bündeln. Gleichzeitig soll das Angebot an IT- und Software-Produkten deutlich ausgeweitet werden. Entlassungen seien aber nicht geplant, hatte Mattes immer wieder betont. Zwar könnten doppelte Standorte aufgegeben werden, ein Stellenabbau sei aber lediglich im einstelligen Prozentbereich geplant.

Beide Unternehmen ergänzen sich vor allem regional: Wincor ist vor allem in Europa stark, Diebold in Nordamerika. Rund eine Million Geldautomaten haben beide weltweit aufgestellt. Die Geldautomaten-Branche steckt derzeit in einem massiven Umbau. In Ländern wie den USA oder Schweden spielt Bargeld eine immer geringere Rolle, sodass sich die Hersteller nach anderen Erlösquellen, etwa als Software- und Dienstleistungs-Anbieter, umsehen müssen.

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Wincor kämpft schon seit geraumer Zeit gegen die veränderten Marktbedingungen und hat daher im vergangenen Jahr ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt.

Branchenkenner sehen aber auch die Risiken des Zusammenschlusses: „Das neue Unternehmen wird die gleichen Probleme haben: ein zu geringes Softwareangebot und zu wenig Präsenz in Asien“, erwartet Yasmin Moschitz von der Commerzbank. Sie sieht zudem die angepeilten Synergien als „sehr ambitioniert“ an.

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