Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.10.2015

11:38 Uhr

Diesel-Abgase

Jetzt gerät auch Opel unter Manipulationsverdacht

VonLukas Bay

Die Deutsche Umwelthilfe erhebt schwere Vorwürfe gegen Opel. Bei Tests auf dem Prüfstand sei der Opel Zafira mit Abgaswerten aufgefallen, die auf eine Manipulation hindeuten. Der Autobauer widerspricht.

Die Deutsche Umwelthilfe hat beim Zafira Diesel erhebliche Abweichungen von den gesetzlichen Grenzwerten festgestellt. dpa

Zafira unter Verdacht

Die Deutsche Umwelthilfe hat beim Zafira Diesel erhebliche Abweichungen von den gesetzlichen Grenzwerten festgestellt.

Berlin/RüsselsheimWar VW nicht der einzige Konzern, der Diesel-Abgaswerte manipuliert hat? In einer gemeinsamen Studie mit der Berner Fachhochschule erhebt die Deutsche Umwelthilfe schwere Vorwürfe gegen die deutsche GM-Tochter Opel. Bei einem aktuellen Zafira 1.6 CDTi mit Euro-6-Dieselmotor seien auf dem Prüfstand erhebliche Abweichungen der Abgasemissionen festgestellt worden. Drehen sich - wie beim gesetzlichen Standardtest - nur die Vorderräder, erfülle das Auto die gesetzliche Grenzwerte. Würden sich die Hinterräder mitdrehen - wie im Straßenverkehr - würde drei bis viermal so viel Stickoxid ausgestoßen wie erlaubt.

Bei einer kontinuierlichen Geschwindigkeitserhöhung auf 150 Stundenkilometer, also einer höheren Geschwindigkeit als im gesetzlichen Test, würden die Stickoxide auch bei nichtdrehenden Hinterrädern massiv ansteigen – über die Messskala des Analysegeräts hinaus. Das deute darauf hin, dass in diesem Fall der Harnstoffkatalysator abgeschaltet werde.

Die Messresultate würden insgesamt beweisen, dass das Fahrzeug sich anders verhält, wenn der Rollenprüfstand im Vier- oder Zwei-Rad Modus betrieben werde, heißt es von Seiten der Umweltorganisation. „Ich habe keine normale technisch plausible Erklärung für das Abgasverhalten des Opelfahrzeuges“, sagt der Verkehrsberater Axel Friedrich, der an der Untersuchung mitgearbeitet hat. In bestimmten Fahrsituationen läge der Stickoxid-Ausstoß beim 17-fachen des gesetzlichen Grenzwerts nach Euro 6.

Opel weist die Manipulation an konzerneigenen Fahrzeugen scharf zurück und betont, in keinem Modell Schummelsoftware eingesetzt zu haben. In Rüsselsheim ist man erzürnt über das Verhalten der Umwelthilfe. „Es ist in höchstem Maße unfair, dass die Deutsche Umwelthilfe Behauptungen aufstellt, uns aber trotz mehrfacher Aufforderung die angeblich gemessenen Werte nicht zur Verfügung gestellt hat“, heißt es in einer Stellungnahme. Man sei am 19. Oktober über die Auffälligkeiten beim Zafira-Test informiert worden und habe daraufhin eigene Messungen angestellt und protokolliert. Dabei seien keinerlei Abweichungen festgestellt worden.

Die Deutsche Umwelthilfe will nun weitere Modelle anderer Hersteller überprüfen. Den Prüfbericht zum Opel Zafira habe man bereits an das Kraftfahrt-Bundesamt weitergeleitet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×