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18.05.2016

17:58 Uhr

Diesel-Klage

VW wehrt sich gegen das US-Justizministerium

VonAstrid Dörner

Volkswagen widersetzt sich: Der Autobauer bezeichnet die Manipulationsvorwürfe zu den Drei-Liter-Autos als „inkonsistent“. Das US-Justizministerium solle daher Teile der Diesel-Klage fallen lassen.

Der Konzern fordert das US-Justizministerium auf, Teile der Diesel-Klage fallen zu lassen. Reuters

VW in den USA

Der Konzern fordert das US-Justizministerium auf, Teile der Diesel-Klage fallen zu lassen.

San FranciscoVW kommt aus der Defensive: Der Konzern fordert das US-Justizministerium auf, Teile der Diesel-Klage fallen zu lassen. Dabei geht es um die rund 85.000 Fahrzeuge mit Drei-Liter Motoren, die von Audi entwickelt wurden und von den Marken VW, Audi und Porsche verwendet wurden.

Die US-Umweltbehörde EPA, die im Januar gemeinsam mit dem Justizministerium gegen VW geklagt hatte, hatte eine verdächtige Software in einem zweiten Schwung entdeckt. Zunächst waren knapp 500.000 VW-Diesel mit Zwei-Liter-Motoren ins Visier der Behörden geraten.

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Die Manipulationsvorwürfe zu den Drei-Liter-Autos seinen „inkonsistent“, argumentiert VW in einem Gerichtsdokument. Zudem gebe es in der Klage „keine spezifischen Fakten“, die belegen, dass „die VW-Beschuldigten von der Schummel-Software in den betroffenen Drei-Liter-Autos wussten“, heißt es weiter.

Bei Betrugsvorwürfen müssten die Kläger jedoch belegen, dass die Beschuldigten von den Manipulationen wussten oder hätten wissen müssen. VW hatte zwar den Einsatz einer Schummel-Software bei den Zwei-Liter-Autos zugegeben. Bei den größeren Motoren war der Konzern jedoch zunächst von einem Versäumnis beim Zertifizierungsprozess ausgegangen. Das Argument wollten die Behörden jedoch nicht gelten lassen. Ein Sprecher des Justizministeriums wollte den Antrag nicht kommentieren.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Zu den Beschuldigten gehören neben der Volkswagen AG auch der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn, der derzeitige VW-Chef Matthias Müller, der ehemalige Volkswagen-Amerika-Chef Michael Horn sowie Audi-Chef Rupert Stadler. Audi hatte die Manipulationsvorwürfe zunächst bestritten, später jedoch eingelenkt.

Die Grundsatzeinigung, die VW mit den US-Behörden und mit den Anwälten der Autobesitzer im April erzielt hatte, soll von diesem Antrag jedoch nicht beeinträchtigt werden, betonte VW. Der Konzern hatte für die knapp 500.000 Fahrer von Zwei-Liter-Autos eine umfassende Entschädigung ausgehandelt und angeboten, im schlimmsten Fall alle 500.000 Fahrzeuge zurückzukaufen, sollten die Umweltbehörden einer Reparatur nicht zustimmen.

Zudem wird VW einen Umweltfonds aufsetzen und erhebliche Strafen zahlen. Der Wolfsburger Autobauer hat noch bis zum 21. Juni Zeit, die Details mit den Behörden und den Anwälten der Autobesitzer auszuarbeiten.

Eigentlich hätte VW am Donnerstag dem Richter ein Update über den Stand der Verhandlungen geben sollen. Der Termin wurde jedoch kurzfristig auf Dienstag verschoben.

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