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05.10.2016

18:32 Uhr

Diesel-Krise

Audi-Beschäftigte fordern Jobgarantie

VonMarkus Fasse

Weniger Diesel und Benziner, mehr Elektro, ein Großprojekt, das verschoben wird – und schon bald könnten Strafzahlungen in den USA hinzukommen: Bei den Audi-Beschäftigten in Deutschland herrscht Unruhe.

Das neue Werk produziert den Geländewagen Q5 für den Weltmarkt – zulasten der deutschen Werke. dpa

Audi in Mexiko

Das neue Werk produziert den Geländewagen Q5 für den Weltmarkt – zulasten der deutschen Werke.

MünchenBetriebsversammlungen im VW-Konzern sind mittlerweile sehr emotionale Veranstaltungen. Seit dem Dieselskandal haben die Menschen gleich doppelt Angst um ihre Jobs: Einerseits muss gespart werden, andererseits braucht man für die neuen Elektroautos weniger Beschäftigte, denn so ein Stromauto ist aus weniger Teilen zusammengebaut. Das gilt auch für Audi, der eigentlich sichersten Bastion im schwankenden VW-Konzern.

In Ingolstadt kamen am Nachmittag 8000 Beschäftigte zusammen. „In diesen angespannten Zeiten muss die Zukunft der Audianer sicher sein”, sagte Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch. Er fordert, dass die Beschäftigungssicherung für die gut 57.000 Audi-Beschäftigten über 2018 hinaus verlängert wird. Vor allem aber sollen die Investitionen für Elektromobilität in Deutschland getätigt werden, so Mosch.

Audi-Chef Rupert Stadler : Plötzlich angreifbar

Audi-Chef Rupert Stadler

Premium Plötzlich angreifbar

Der Audi-Chef galt in der Abgasaffäre bislang als unbescholten. Doch die Beurlaubung seines erst zu Jahresbeginn angetretenen Entwicklungsvorstandes Stefan Knirsch belastet nun auch ihn. Stadlers Rolle ist paradox.

Ein heißes Eisen, denn der Druck auf die Standorte, die nur Diesel und Benziner bauen, wird zunehmen. Audi-Chef Rupert Stadler hatte bereits angekündigt, dass jede dritte Modell- und Motorenvariante im konventionellen Autobau auf der Kippe steht. Wenn hier noch investiert wird, dann vor allem im Ausland. Erst am Wochenende hatte Stadler in Mexiko ein neues Werk in Betrieb genommen, dass den Geländewagen Q5 zu unschlagbaren Lohnkosten für den Weltmarkt baut. Und auch der erste vollelektrische Audi wird zum Ärger der Beschäftigten nicht in Ingolstadt oder Neckarsulm, sondern in Brüssel gebaut. „Die deutschen Audi-Standorte müssen jetzt im Zentrum des neuen Zeitalters der Mobilität stehen", ruft Mosch in Ingolstadt.

Autobau wird nach dem Willen von Konzernchef Rupert Stadler nur noch eine Disziplin von mehreren in Ingolstadt. Bereits im Frühjahr erklärte er, dass Audi eines Tages die Hälfte seiner Umsätze mit Dienstleistungen und Software verdienen könnte – eine massive Transformation von Wertschöpfung. Wie die zu bewerkstelligen ist, wäre eigentlich der Job für den Entwicklungsvorstand, der bei Audi erneut fehlt. Erst vergangene Woche musste Stefan Knirsch gehen, nach nicht einmal neun Monaten Amtszeit. Knirsch musste ebenso wie sein Vorgänger Ulrich Hackenberg wegen seinen Verwicklungen in der Dieselaffäre das Feld räumen. Wann ein neuer Chefentwickler in Ingolstadt seinen Job anfängt, ist offen.

Audi ist also noch lange nicht aus der Krise. Noch immer ringt das Unternehmen mit den US-Behörden um den Rückruf von 85.000 Autos, bei denen die Ingolstädter eine illegale Software eingesetzt haben. Für mögliche Strafzahlungen und Rückkäufe hat das Unternehmen bislang kaum Rücklagen gebildet. Ein neuer Gerichtstermin ist für den dritten November angesetzt.

Möglichkeiten zu sparen werden aber schon reichlich genutzt. Nachdem Konzernchef Stadler bereits den Bau eines neuen Windkanals gestoppt hat, wackelt nun auch der Bau des Industrieparks „In-Campus”. Audi plant auf dem Gelände einer ehemaligen Raffinerie im Osten von Ingolstadt einer Forschungs- und Entwicklungsstadt. Auf der Betriebsversammlung gab Audi-Chef Rupert Stadler bekannt, das Projekt werde auf einen unbekannten Zeitpunkt verschoben.

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