Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.10.2017

13:31 Uhr

Diesel-Krise in Europa

Der Selbstzünder wird zum Auslaufmodell

Für die Autobauer sind es Schock-Zahlen: In Deutschland ist der Diesel-Absatz zuletzt um 20 Prozent eingebrochen. In anderen EU-Ländern ist die Lage ähnlich dramatisch. Ein Überblick der Handelsblatt-Korrespondenten.

Der Ruf des Diesels ist ramponiert – in Deutschland brachen die Absatzzahlen zuletzt um 20 Prozent ein. dpa

Abgasdemo in Stuttgart

Der Ruf des Diesels ist ramponiert – in Deutschland brachen die Absatzzahlen zuletzt um 20 Prozent ein.

Es waren nur zwei Zahlen – und doch markierten sie eine Zeitenwende in der europäischen Automobilindustrie: Im Sommer 2017 wurden erstmals seit sieben Jahren wieder mehr Autos mit Benzinmotor als mit Dieselantrieb verkauft. Bei den europaweiten Pkw-Neuzulassungen lag der Benziner-Anteil Ende Juni bei 49,2 Prozent, der Diesel erreichte lediglich noch 45,3 Prozent.

Die Abwärtsbewegung hat sich in den vergangenen Wochen fortgesetzt, wie aktuelle Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes für Deutschland zeigen: Im September brach der Anteil der Neuzulassungen von Diesel-Autos hierzulande um mehr als 20 Prozent ein. Nur noch 36,3 Prozent aller Neuwagen waren in diesem Monat Dieselfahrzeuge. Ähnlich dramatisch ist die Lage in Großbritannien: Dort liegt der Dieselanteil bei Neufahrzeugen inzwischen bei 39,6 Prozent.

Die Furcht vor Fahrverboten hält insbesondere private Kunden davon ab, jetzt noch ein Auto mit Dieselmotor zu kaufen. Der Wahlkampf in Deutschland hat dem Diesel zusätzlich geschadet. Die aufgeheizte Diskussion unter Politikern über Fahrverbote und die Umweltbelastung in den Städten hat das Vertrauen in den Motor zusätzlich absacken lassen.

Eine Beruhigung dürfte es erst dann wieder geben, wenn das Thema Fahrverbote endgültig vom Tisch wäre. Doch das können weder die Politik noch die Automobilindustrie garantieren – unabhängige Gerichte werden sich in den laufenden Verfahren keine Vorgaben machen lassen.

Die Angst vor Fahrverboten ist in der Automobilindustrie weitverbreitet. „Wenn wir Fahrverbote bekommen, wird der Dieselanteil ganz schnell unter die Marke von 30 Prozent rutschen“, glaubt das Vorstandsmitglied eines großen Automobilzulieferers. Die Kunden reagieren auf mögliche Fahrverbote mit einer Ausweichreaktion: Statt des bislang gewohnten Diesels bestellen sie jetzt ein Auto mit Benzinmotor.

Für die Automobilindustrie ist dieser Trend noch beherrschbar: Der zusätzliche Bedarf an Benzinmotoren und den damit verbundenen Zulieferteilen kann gedeckt werden. Bei Bosch beispielsweise werden jetzt zudem verstärkt Diesel-Teile für Nutzfahrzeuge in China produziert.

Autobranche: Diesel-Zulassungen brechen im September um 21 Prozent ein

Autobranche

Diesel-Zulassungen brechen im September um 21 Prozent ein

Der Absatz von Diesel-Fahrzeugen ist im September um 21 Prozent geschrumpft. Zuletzt hatte es vor gut acht Jahren einen ähnlichen starken Rückgang gegeben. Nur noch gut jeder dritte Neuwagen war im September ein Diesel.

Allerdings wird in ganz Europa über Fahrverbote für Diesel-Autos diskutiert. Sollten sie tatsächlich kommen, würde die Autobranche eine verstärkte Nachfrage nach Benzinmotoren nur mit großen Schwierigkeiten und mit längeren zeitlichen Verzögerungen bewältigen können.

Mit Spannung verfolgen die Autobauer daher, welche Regeln in anderen EU-Ländern eingeführt werden sollen. Die Handelsblatt-Korrespondenten liefern einen Überblick aus Paris, London, Rom, Madrid und Wien.

Kommentare (36)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

06.10.2017, 13:58 Uhr

Der moderne Diesel erlaubt es zügig mit einer Tankfüllung, zu für jedermann erschwinglichen Kosten, von Hamburg nach München zu fahren.

Das ist den Grünen die eine mittelalterliche, verarmte Gesellschaft anstreben ein grosser Dorn im Auge. So haben Sie Abgasgrenzwerte durchgesetzt die abseits einer wissenschaftlichen Begründung kaum einzuhalten sind.

In der Konsequenz sind die Diesel durch die Komplexität der Abgassysteme sensibel und teuer geworden. Es drohen Fahrverbote.

Ich wäre nicht erstaunt wenn die Kanzlerin in der neuen Legislaturperiode in einem Geistesblitz analog der Alimentation Südeuropas, der "Energiewende", der Umvolkung jetzt auch die "Demotorisierung" der Gesellschaft einleitet.

G. Nampf

06.10.2017, 14:20 Uhr

@ Holger Narrog 06.10.2017, 13:58 Uhr

Volle Zustimmung.

Zum Thema " Diesel" gibt es in der Welt online zwei sehr sachliche interessante Artikel, die eindrucksvoll zeigen, was für ein Blödsinn über den Diesel geschrieben wird:

https://www.welt.de/wirtschaft/article167878173/Das-Dieselproblem-wird-groesser-gemacht-als-es-ist.html

und

https://www.welt.de/wirtschaft/article168046704/Die-Loesung-fuer-das-Diesel-Problem-koennte-so-einfach-sein.html


Zusammengefaßt (falls das wegen "externer Link" o.Ä. von der Redaktion gelöscht wird):

Der MAK - Wert ( also der Wert, dem ein Arbeitnehmer ( Stunden am Tag/ 5 TAge die Woche ausgesetzt sein darf) für NO2 liegt bei 900 Mikrogramm/Kubikmeter, der für NO bei 630 Mikrogramm/Kubikmeter . Der Grenzwert für saubere Luft in Städten bei 40 Mikrogramm/Kubikmeter (-> Wikipedia)

Und:

die jetzigen Dieselmodelle spucken nur deswegen soviel NO2/NO aus weil sie auf geringen Feinstaubausstoß optimiert wurden. Technisch ist es (noch? nicht machbar, Feinstaub UND Stickoxide konstruktiv zu minimieren.

G. Nampf

06.10.2017, 14:22 Uhr

Es muß natürlich heißen:

"Der MAK - Wert ( also der Wert, dem ein Arbeitnehmer 8 Stunden am Tag/ 5 Tage die Woche ausgesetzt sein darf)"

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×