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25.09.2015

16:43 Uhr

Diesel-Skandal bei VW

Abgas-Betrug wurde aus Wolfsburg gesteuert

Der Betrug bei Diesel-Emissionstests in den USA wurde laut einem Bericht direkt aus der Wolfsburger VW-Zentrale gesteuert. Die an der Manipulation beteiligten Ingenieure wurden demnach extra aus Deutschland eingeflogen.

Der Betrug bei US-Abgastests wurde offenbar aus Deutschland gesteuert. dpa

VW-Zentrale in Wolfsburg

Der Betrug bei US-Abgastests wurde offenbar aus Deutschland gesteuert.

Volkswagen-Manager in Deutschland haben die wichtigsten Aspekte der gefälschten Emissionstests des Konzerns kontrolliert. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf drei mit der US-Sparte des Unternehmens vertraute Personen. Kriterien, Ergebnisse und Technik der Autos, die die Abgasziele verfehlten, wurden von Managern in der Wolfsburger Konzernzentrale überwacht, berichten die Personen, die nicht namentlich genannt werden wollten.

Die Berichte zeigen, dass die Weisungskette und die an der Täuschung Beteiligten auch in der VW-Zentrale saßen. Der Konzern hat zwar Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig erhoben. Das Präsidium des Aufsichtsrates hat jedoch die Aussage des zurückgetretenen Vorstandschefs Martin Winterkorn gestützt, er habe nichts von den Vergehen gewusst.

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Abgastester auf einem Gelände in Westlake Village im US-Bundesstaat Kalifornien bewerteten alle beteiligten Autos nach Kriterien, die aus Deutschland kamen und ins Englische übersetzt wurden, und die Ergebnisse wurden nach Deutschland zurück übermittelt, bevor sie an die US-Umweltschutzbehörde EPA gingen, erklärte eine der unterrichteten Personen.

Verfehlte ein Auto die Abgasziele, wurde ein Team von Ingenieuren aus der Konzernzentrale oder dem Audi-Sitz Ingolstadt eingeflogen, hieß es weiter. Nachdem die Gruppe rund eine Woche an dem Auto gebastelt habe, bestand das Fahrzeug jeweils den Test. In den USA hatte VW keine Ingenieure, die den Betrugs-Mechanismus für die Abgastests konfigurieren oder Emissionsprobleme lösen konnten, sagten zwei andere informierte Personen. Ein Sprecher von VW wollte sich nicht unmittelbar dazu äußern.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Bei Volkswagen werden laut unterrichteten Kreisen unter anderem Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg und Porsche- Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz im Gefolge von Winterkorns Rücktritt am Mittwoch ihren Hut nehmen. Die beiden leiteten zuvor Bereiche, die im Zentrum der Abgas-Affäre standen - Hackenberg verantwortete von 2007 bis 2013 die Entwicklung bei der Marke Volkswagen, während Hatz zwischen 2007 und 2011 die Motorenentwicklung des Konzerns leitete.

VW-Konkurrenten und die Abgas-Affäre: Wilde Verdächtigungen – und schmutzige Fakten

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Nach der Manipulation von Abgastests durch VW rücken andere Hersteller ins Visier. Doch mehr als wilde Verdächtigungen gibt es kaum. Wo die Ausstöße auffällig sind – und was man den Autobauern vorwerfen kann.

Am 18. September erklärte die EPA, Volkswagen habe zugegeben, dass der Konzern bei US-Abgastests geschummelt habe. Für die falschen Ergebnisse bei VW Jetta, Golf, Beetle und Passat sowie dem Audi A3 könnten VW Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar drohen.

Während die Kohlendioxid- und Stickoxid-Emissionen bei den Labortests häufig um zehn oder 20 Prozent von den Straßentests abwichen, zeigten die Tests laut einer informierten Person nie Emissionen, die um das 35- oder 40-fache über den erwarteten Werten lagen. Das deutet darauf hin, dass die Softwaremanipulation bereits installiert war, bevor die Wagen auf die Testgelände in Kalifornien kamen.

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