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21.04.2016

19:27 Uhr

Diesel-Skandal

Dobrindt legt Bericht des Kraftfahrt-Bundesamts vor

VonMartin Murphy

Rund 50 Diesel-Fahrzeuge hat das KBA auf Umweltfreundlichkeit getestet. Verkehrsminister Dobrindt will den Bericht am Freitag vorlegen. Viele Hersteller können die Grenzwerte demnach nur mit Tricks einhalten.

Branchenkenner sind der Meinung, dass ein möglicher vom Verkehrsministerium verordneter Rückruf nicht zulässig sein könnte. dpa

Kein Rückruf zugelassen

Branchenkenner sind der Meinung, dass ein möglicher vom Verkehrsministerium verordneter Rückruf nicht zulässig sein könnte.

DüsseldorfVerkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will an diesem Freitag den Bericht des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zur Dieselaffäre vorlegen. Für den Nachtmittag sei dazu ein Pressestatement geplant, erfuhr das Handelsblatt (Freitagausgabe) aus Kreisen in Berlin. Die Flensburger Behörde hatte im Auftrag von Dobrindt rund 50 Dieselautos auf ihre Umweltfreundlichkeit getestet.

Das Ergebnis sei erschütternd, heißt es. Zwar halten die Autos die Grenzen ein, wie das Handelsblatt bereits vor zwei Wochen berichtet hatte. Allerdings gelingt den Unternehmen dies nur durch Tricks.
Einige Hersteller haben die Anlagen so eingestellt, dass die Filter erst ab einer bestimmten Außentemperatur arbeiten. Diese sogenannten Thermofenster sind zwar nach den EU-Richtlinien legal, allerdings lassen sich die Gesetze sehr lax auslegen. „Dies scheint auch so gewollt zu sein“, sagte ein Branchenvertreter. Besonders auffällig sollen je ein Autobauer aus Frankreich, den USA und Asien sein.

Wenn Dobrindt nun vor die Presse tritt, dann könnte er Nachbesserungen bei den Dieselaustos anmahnen. Die Gesetzeslage lasse keinen verordneten Rückruf zu, hieß es in Branchenkreisen. Allerdings sei der öffentliche Druck und der Ärger im Verkehrsministerium so groß, dass er die Industrie moralisch in die Pflicht nehmen dürfte. Das Ministerium wie auch Vertreter der Autokonzerne lehnten einen Kommentar ab.

Stickoxide und CO2

Stickoxide (NOx)

Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Sie können auch Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter, und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sie sich mit einem Drei-Wege-Katalysator von Benzinern in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Es bleiben jedoch immer NOx-Reste übrig. Bei Dieselmotoren ist der Abbau von NOx bedeutend schwieriger – er gelingt etwa durch Einspritzung einer zusätzlichen Harnstoff-Lösung in den Abgasstrom.

NOx-Grenzwerte beim Auto

Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer (mg/km) für Diesel- und bei 60 mg/km für Benzinmotoren. Der von der US-Umweltbehörde EPA geforderte Wert liegt im Schnitt bei umgerechnet 43,5 mg/km. Allerdings sind die US-Kontrollsysteme nicht einheitlich, und die Vorschriften können je nach US-Bundesstaat abweichen.

Kohlendioxid (CO2)

Es ist in nicht allzu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht nach Angaben des Umweltbundesamts rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland - hier spielt CO2 die bei weitem größte Rolle. Es gibt zwar immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos mit mehr PS und mehr Lkw-Transporte. So ist der Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrs von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen. Die Konferenz von Paris (30. November bis 11. Dezember) soll die Emissionen so verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad aufheizt.

CO2-Grenzwerte beim Auto

In diesem Jahr müssen die Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. 2021 sind dann nur noch 95 g/km erlaubt. In den USA liegen diese Schwellen geringfügig höher: Die Vorgabe der Umweltbehörde EPA sieht für die im Jahr 2016 zugelassenen Fahrzeuge einen Grenzwert für Personenwagen von umgerechnet etwa 140 g/km vor. Bis 2025 sinkt der Durchschnittsgrenzwert auf rund 89 g/km.

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