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23.07.2016

09:13 Uhr

Diesel-Skandal

VW findet offenbar technische Lösung

VW konnte die Schadstoff-Grenzwerte für Diesel nicht einhalten und manipulierte deshalb Messungen. Nun scheint der deutsche Autobauer einer technischen Lösung nahe – was seine massiven Probleme in den USA mildern könnte.

Ein Kfz-Meister lädt in einer Werkstatt in Hannover ein Software-Update auf einen betroffenen Volkswagen Golf mit einem 2,0-Liter-Dieselmotor. dpa

Rückrufaktion bei Volkswagen

Ein Kfz-Meister lädt in einer Werkstatt in Hannover ein Software-Update auf einen betroffenen Volkswagen Golf mit einem 2,0-Liter-Dieselmotor.

DetroitVolkswagen hat im Abgasskandal in den USA offenbar eine technische Lösung zur Reparatur seiner viel zu umweltschädlichen Dieselautos gefunden. Genutzt würden ein Software-Update und ein größerer Katalysator, berichteten VW-Händler der Nachrichtenagentur AP. Der Plan müsse aber noch weiter getestet und von den Umweltbehörden gebilligt werden.

Die Händler waren nach eigenen Angaben bei einer Regionalkonferenz in Newark am 15. Juli von VW-Amerika-Chef Mark McNabb über einige Details der Reparaturmöglichkeiten informiert worden. Der Öffentlichkeit hat VW den Plan noch nicht vorgestellt.

Der deutsche Autobauer steht weltweit vor Milliardenkosten wegen geschönter Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen, vor allem aber in den USA. Nach Klagen von Verbrauchern und Behörden hatte VW im Juni in einem Vergleich Zahlungen von bis 15,3 Milliarden Dollar (13,9 Milliarden Euro) zugestimmt. Dabei ging es um 475 000 in den USA verkaufte Fahrzeuge mit Zwei-Liter-Dieselmotoren.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Teil der Vereinbarung war das Angebot, die Autos reparieren zu lassen. Wenn der Hersteller tatsächlich eine für Kunden annehmbare technische Lösung anbietet, könnte dies bedeuten, dass Besitzer sich vielleicht eher dafür entscheiden und VW teure Rückkäufe vermeidet.

Entscheidend ist aus Sicht der Besitzer, dass weder die Leistung der Motoren leidet noch der Verbrauch ansteigt. Einer der VW-Händler berichtete der AP aus der Konferenz in Newark, erste Tests einer kleinen Zahl von Autos deuteten darauf hin, dass die Reparatur tatsächlich „keinen erkennbaren Unterschied“ bei diesen Kriterien bringe. Doch seien weitere Tests nötig.

Offiziell wollten sich weder die US-Umweltbehörde EPA noch Volkswagen zu den Informationen äußern. „Alle Lösungen, die derzeit diskutiert werden, müssen noch genehmigt werden“, sagte VW-Sprecherin Jeannine Ginivan.

Volkswagen hatte im vergangenen Herbst Manipulationen eingeräumt: Die Software der Autos war so programmiert, dass auf dem Prüfstand niedrige Schadstoffwerte gemessen wurden. Im normalen Verkehr lag der Ausstoß dann um ein Vielfaches höher - und weit über den genehmigten Grenzwerten. Weltweit sind laut VW rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Sieben Jahre blieb dies unentdeckt, bevor die US-Behörden drastisch durchgriffen.

Von

ap

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