Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.07.2017

18:46 Uhr

Dieselaffäre

Daimler zieht die Notbremse

VonMarkus Fasse, Martin Murphy

Der deutsche Autobauer Daimler ruft über drei Millionen Dieselfahrzeuge in Europa in die Werkstätten zurück. Der Grund: Sie sollen umgerüstet werden, um den Ausstoß schädlicher Stickoxide zu verringern.

Dieselaffäre

So will Daimler das Vertrauen in den Diesel wieder aufbauen

Dieselaffäre: So will Daimler das Vertrauen in den Diesel wieder aufbauen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Erst kommt der Verdacht, dann die Ermittlungen und nun die Reaktion: Daimler zieht die Konsequenzen aus den jüngsten Vorwürfen in der Abgasaffäre. Am frühen Dienstagabend gab der Konzern bekannt, weitere drei Millionen Diesel in einer „freiwilligen Serviceaktion“ umzurüsten. Daimler leiste damit einen „wesentlichen Beitrag, um die Stickoxidbelastungen durch Diesel-Fahrzeug in europäischen Innenstädten zu reduzieren“, teilte der Autobauer mit. Die Kosten beziffert das Unternehmen auf 220 Millionen Euro, die voll vom Unternehmen getragen werden sollen.

Die Stuttgarter stehen seit Monaten unter Verdacht, dass auch ihre Dieselmodelle deutlich mehr Stickoxide ausstoßen als bislang vermutet. Neben dem US-Justizministerium ermittelt seit diesem Jahr auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Betrug, den der Konzern vehement bestreitet. Erst in der vergangenen Woche sickerte durch, dass die Ermittler mehr als eine Millionen manipulierte Motoren bei Mercedes vermuten. Daimler weist den Vorwurf zurück und verweist darauf, dass alle Autos in der Vergangenheit eine legale Zulassung erhalten hätten.

Dennoch rudert man in Stuttgart seit Monaten zurück. Bereits im vergangenen Jahr hatte Daimler 270.000 fragwürdige Motoren zurückgeholt, die bei Nachmessungen des Kraftfahrtbundesamt mehr Stickoxide ausstießen, als gesetzlich erlaubt. Die Autos erhalten eine neue Software, die für niedrigere Stickoxidemissionen sorgen sollen. Doch Messungen auch unabhängiger Institute legten nahe, dass weit mehr Daimler-Modelle betroffen sein könnten als die Motoren der Kompaktklasse. Das räumt Daimler mit seiner „freiwilligen Serviceaktion“ nun indirekt ein.

Kommentar zu deutschen Autoindustrie: Klumpenrisiko Diesel-Motor

Kommentar zu deutschen Autoindustrie

Premium Klumpenrisiko Diesel-Motor

Keine andere Autonation hängt so sehr am Diesel wie unsere. Nun rächt sich die Abhängigkeit der deutschen Autoindustrie. Und der Fall Daimler beschleunigt den Niedergang der Technologie. Ein Kommentar.

Die Umsetzung der Nachbesserung wird sich bis weit in das kommende Jahr ziehen. Schneller geht es nicht. Denn die Ingenieure müssen zunächst die Stellschrauben in der Software für die Motorensteuerung finden, mit denen sich die Stickstoffoxide reduzieren lassen. Fast jedes Dieselmodell der Schwaben ist von dem Rückruf betroffen – und mit den verschiedenen Motorenstärken sowie Automatik- und Schaltgetriebe eingerechnet, müssen die Techniker Dutzende verschiedene Software-Updates entwickeln.

Möglich werden soll die Reduktion der Schadstoffemission indem die sogenannten Thermofenster angepasst werden. Bislang schaltet sich die Abgasreinigung ab, wenn bestimmte Außentemperaturen über- oder unterschritten werden. Nach dem Software-Update soll sich die Abgasreinigung nicht mehr so schnell ausschalten.

Von dem Rückruf ausgeklammert sind lediglich die Fahrzeuge mit der modernsten Motorengenerationen OM 654. Diese werden laut Zetsche auch zukünftige Emissionstandards erfüllen können. Der Ausstoß der giftigen Stickstoffoxide soll auf das Niveau von Benzinern fallen.

Daimler steht wie andere Autohersteller unter Druck, da Dieselmodelle im Straßenverkehr deutlich mehr Stickoxide ausstoßen als ausgewiesen. Am 2. August wollen die Unternehmen mit Verkehrsminister Dobrindt einen Aktionsplan beschließen, mit dem die Fahrzeuge nachgebessert werden können. Bis dahin haben die Schwaben nicht warten wollen. Nach intensiven Gespräche beschloss der Vorstand um Zetsche, zügig und umfangreich mit einem eigenen Programm loslegen zu wollen.

Dieselaffäre

Trotz Krise: Daimler hofft auf neuen Pickup-Trend

Dieselaffäre: Trotz Krise: Daimler hofft auf neuen Pickup-Trend

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Christian Simon

19.07.2017, 10:17 Uhr

Wow, da hat ja mal ein Autobauer richtig schnell reagiert, doch leider genauso stümperhaft wie VW mit einen Software-Update und die Öffentlichkeit wird mal wieder beruhigt. Das ein SW-Update nicht viel bringt hat außer Herrn Dobrint jeder verstanden! Aber ein Update ist halt viel günstiger anstatt ordentliche Filter einzubauen und die Luft anständig zu reinigen. Aber wen interessiert schon die Gesundheit der Mitmenschen wenn es um die Profite der Autobauer geht! Daher ein weiteres Armutszeugnis von Politik und Wirtschaft trotz vollumfänglichen Schuldeingeständnis des Verursachers!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×