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02.06.2017

17:54 Uhr

Dieselaffäre

Staatsanwaltschaft nimmt sich Audi zur Brust

VonJan Keuchel

Die Staatsanwaltschaft in München weitet in der Diesel-Affäre ihre Ermittlungen gegen Audi aus. Erstmals rücken nun auch in Europa verkaufte Fahrzeuge in den Fokus. Grund sind Aussagen von Verkehrsminister Dobrindt.

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MünchenDas gestrige Vorgehen von Verkehrsminister Alexander Dobrindt in Sachen Audi führt nun dazu, dass die Staatsanwaltschaft München II ihre Ermittlungen in der Diesel-Affäre gegen den Autobauer ausweitet. Das bestätigte die Behörde dem Handelsblatt.

Nun würden auch die europäischen Autoverkäufe überprüft, sagte Sprecher Ken Heidenreich. Bislang hatte die Staatsanwaltschaft München II nur wegen rund 80.000 Fahrzeugen ermittelt, die in den USA verkauft wurden. Dort hat sich Audi Anfang 2017 schuldig bekannt, mittels Abschalteinrichtungen den Abgasausstoß seiner 3-Liter-Fahrzeuge manipuliert zu haben.

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Laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat Audi bei rund 24.000 Fahrzeugen eine unzulässige Abgas-Software genutzt. Die Reaktion folgt prompt – Audi entschuldigt sich öffentlich und ruft 24.000 Fahrzeuge zurück.

Dobrindt hatte am Donnerstag erklärt, Audi habe unzulässige Abgas-Software verwendet. Die Software habe bewirkt, dass erkannt wurde, wenn das Auto auf einem Prüfstand war – dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet. Es seien rund 24.000 Fahrzeuge betroffen, sagte Dobrindt am Donnerstag in Berlin. Am Mittwoch seien Auffälligkeiten bei Modellen Audi A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren bekannt geworden. Es handele sich um Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2013.

„Diese Informationen des Kraftfahrtbundesamt sind neu für uns“, so Heidenreich. Zu Auto-Verkäufen in Europa hieß es bisher bei der Staatsanwaltschaft, diese seien „nicht Gegenstand der Ermittlungen, da nach den bislang vorliegenden Auskünften des Kraftfahrt-Bundesamtes insoweit eine unzulässige Beeinflussung von Abgaswerten nicht festgestellt werden kann.“

Audi-Chef kritisierte Stadler am Freitag unterdessen Bundesverkehrsminister Dobrindt: „Dass Herr Dobrindt allein vorprescht, hat mich persönlich sehr enttäuscht“, sagte Stadler der Branchen- und Wirtschaftszeitung „Automobilwoche“. „Wir sind alle zwei Wochen beim Kraftfahrtbundesamt und erstatten Bericht. Bei 24.000 Autos in Europa haben wir Auffälligkeiten gefunden. Diese Informationen haben wir den Behörden mitgeteilt. Dies und das weitere Vorgehen wollten wir gemeinsam kommunizieren“, sagte Stadler. Dass die Behörden illegale Software „entdeckt“ hätten, sei das falsche Wort. „Wir selbst drehen jedes Steinchen um.“

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Audi hatte auf die Vorwürfe mit einem Rückruf reagiert und in Europa 24.000 Diesel-Pkw in die Werkstätten beordert. In Deutschland sind 14.000 Fahrzeuge der Modellreihen A7 und A8 mit V6- und V8-Motoren der Abgasnorm Euro 5 betroffen. Die Limousinen zeigten in bestimmten Situationen Stickstoffoxid-Überschreitungen zwischen 20 und 100 Prozent, erklärte der Ingolstädter Hersteller. Die Rückrufaktion soll im Juli anlaufen, in der Werkstatt wird eine neue Software zur Getriebesteuerung aufgespielt. Der Zeitaufwand beträgt laut Hersteller rund 30 Minuten.

Audi hatte zuvor bereits 531.813 Autos in Deutschland wegen Abgasmanipulation zurückrufen müssen, darunter auch die volumenstarken Modelle A4 und Q5. Insgesamt sind rund 2,4 Millionen Fahrzeuge des VW-Konzerns von dem Skandal betroffen.

Kommentare (3)

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Rainer von Horn

02.06.2017, 12:32 Uhr

Ich finde, die deutsche Autoindustrie sollte endlich die von der Politik geforderten solarzellenbepackte E-Mobile bauen, die bei Gutwetter alleine mit Solarenergie fahren und ich bin sicher daß im Hinblick auf die absehbar rapide einbrechenden Energiesteuern der Politik das dann auch nicht so richtig recht wäre.

Wenn das so weiter gehtm werden die deutschen Autobauer am Ende noch sono motors übernommen.

http://www.sueddeutsche.de/auto/sono-motors-sion-dieses-elektroauto-faehrt-mit-sonnenenergie-1.3141209

Politiker sollten NUR solche Autos fahren.

Herr Lothar Bitschnau

02.06.2017, 12:38 Uhr

HB: " Bislang hatte die Staatsanwaltschaft München II nur wegen rund 80.000 Fahrzeugen ermittelt, die in den USA verkauft wurden."
Ab heute eine Ironie juristischer Geschichte.

Herr Georg Th. Kiss

02.06.2017, 14:06 Uhr

Deutschland, der "Vorreiter" in Sachen Klimaschutz, im Visier der Staatsanwaltschaften...

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